Der Stiehlsteich ist ein künstlich entstandenes Gewässer im Solinger Stadtteil Ohligs, das heute vor allem als innerstädtisches Naherholungsgebiet und landschaftlicher Freiraum von Bedeutung ist. Seine Entstehung steht im Zusammenhang mit der Industrialisierung Solingens im späten 19. Jahrhundert. Ursprünglich handelte es sich um eine Lehmgrube der Ohligser Ziegelei Bracken & Cie., die den tonhaltigen Boden zur Herstellung von Ziegeln nutzte. Nach Aufgabe des Abbaus füllte sich die Grube allmählich mit Grund- und Oberflächenwasser und entwickelte sich im Verlauf des frühen 20. Jahrhunderts zu einem Weiher. Der heutige Teich ist damit ein typisches Beispiel für die Umwandlung ehemaliger industrieller Abbauflächen in naturnahe Stadtlandschaften.
Seinen Namen erhielt der Teich vermutlich nach Ernst Stiehl, einem Gärtner der nahegelegenen Firma Kronprinz, der sich früh um die Pflege und Gestaltung des Gebietes bemühte. Die Bezeichnung „Stiehls Teich“ setzte sich im lokalen Sprachgebrauch durch und wird bis heute in unterschiedlichen Schreibweisen offiziell in Kartenwerken verwendet.
Landschaftlich zeichnet sich der Stiehlsteich durch seine nahezu kreisförmige Gestalt aus. Mit einem Durchmesser von etwa 130 Metern und einer Fläche von rund 1,5 Hektar besitzt er trotz seiner innerstädtischen Lage einen vergleichsweise ruhigen und naturnahen Charakter. Das Gewässer ist nur mäßig tief und weist im westlichen Bereich eine kleine Insel auf, die mit Gehölzen bestanden ist. Umgeben wird der Teich von einer parkartigen Grünanlage mit alten Bäumen, Spazierwegen und Aufenthaltsflächen. Der Abfluss erfolgt über den Schnitterter Bach.
Die Bedeutung des Stiehlsteichs liegt heute vor allem in seiner Funktion als städtischer Erholungsraum. Zwischen Wohnsiedlungen, Gewerbegebieten und Verkehrsachsen bildet er eine landschaftliche Ruhezone und verbessert zugleich das lokale Mikroklima. Besonders im dicht bebauten Bereich von Ohligs besitzt die Grünanlage hohen Freizeit- und Aufenthaltswert. Spaziergänger, Familien und Naturbeobachter nutzen das Gebiet ebenso wie der Sportfischerverein Solingen-Hilden, der das Gewässer als Angelrevier betreut und über einen Patenschaftsvertrag zur Pflege der Anlage beiträgt.
Darüber hinaus besitzt der Stiehlsteich ökologische Bedeutung als innerstädtisches Feuchtbiotop. Die Wasserflächen, Uferzonen und Gehölzbestände bieten Lebensräume für Wasservögel, Amphibien, Insekten und verschiedene Fischarten. Gerade in einer industriell und verkehrlich geprägten Stadtlandschaft stellen solche Gewässer wichtige Rückzugsräume für Flora und Fauna dar. Gleichzeitig verdeutlicht der Stiehlsteich die langfristigen landschaftlichen Folgen historischer Rohstoffgewinnung. Aus einer industriellen Lehmgrube entwickelte sich im Laufe der Zeit ein naturnaher Landschaftsraum mit hoher ökologischer und sozialer Bedeutung.
Damit steht der Stiehlsteich exemplarisch für den Strukturwandel ehemaliger Industrieflächen im Bergischen Land. Seine heutige Gestalt verbindet die Erinnerung an die industrielle Entwicklung Solingens mit den Anforderungen an moderne Stadtökologie und Naherholung.
(Karl Peter Wiemer, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V., 2026)
Internet de.wikipedia.org: Stiehlsteich (abgerufen 14.05.2026) solingenmagazin.de: Grüne Oase am Stiehls Teich (abgerufen 14.05.2026) rp-online.de: Stiehlsteich - fürs Abschalten zwischendurch (abgerufen 14.05.2026) www.solinger-tageblatt.de: In der Freizeitanlage Stiehls Teich können Enten beobachtet werden (abgerufen 14.05.2026)
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