Geschichte
Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war der Gang zum Brunnen selbstverständlich; nur einige Wohlhabende hatten einen eigenen Brunnen mit Pumpe. Aber, in dem Wasser versteckten sich auch Krankheitserreger; trotzdem dauerte es bis Ende der 1920er Jahre, bis in der Vorderpfalz eine zentrale Wasserversorgung aufgebaut wurde, wozu sich anfangs die Gemeinden Mutterstadt, Schifferstadt, Neuhofen, Waldsee und Otterstadt zu einem Zweckverband zusammenschlossen. Am 26. Oktober 1927 fand in der Gast-wirtschaft „Zu den 13 Linden“ am Hauptbahnhof von Mutterstadt die Gründungsversammlung des Zweckverbandes für Wasserver-sorgung „Vorderpfälzische Mittelrheingruppe“ statt. Neben den genannten Gemeinden traten auch noch die Gemeinden Dannstadt und Schauernheim bei. Hier erinnert man sich in Hochachtung an Jakob Weber, unseren ersten hauptamtlichen Bürgermeister, auf dessen wesentliche Initiative und seiner Tatkraft es zu verdanken ist, dass der Zweckverband gegründet wurde. Er setzte sich auch dafür ein, dass der Wasserturm in dieser einmaligen Konstruktion gebaut wurde. Er war auch folgerichtig ihr 1. Vorsitzender. Mit dem „Jakob-Weber-Platz“ hat ihm die Gemeinde ein bleibendes Andenken geschaffen. Durch einen umgestürzten Baukran am 07. April 1932 verzögerte sich die Fertigstellung bis in den Sommer. Die Erstinbetriebnahme des Wasserturms liegt nun fast 94 Jahre zurück; im Wasserwerk Waldsee ist vermerkt, dass am 21. August 1932 (ein Sonntag), der Turm in Mutterstadt gefüllt und in Betrieb genommen wurde - ein historisches Ereignis für unsere Gemeinde. Die Baukosten beliefen sich damals auf die stolze Summe von 203.000 Reichsmark. Die Bauarbeiten führten die Baufirmen Josef Hoffmann & Söhne AG aus Ludwigshafen und Rief aus Mutterstadt aus.
Bauweise
Der Mutterstadter Wasserturm weist Finessen auf, die seine Einmaligkeit in Deutschland begründen, also ein besonderes Bau-denkmal darstellt. Die hier verwendete Konstruktion / Kombination
- quadratischer äußerer Behälter
- innerer Ringbehälter
macht es möglich, den Turm zu besteigen und einen Blick auf die Dächer von Mutterstadt und bis zum Odenwald und zur Haardt hin zu genießen und auch zu sehen, wie sich Mutterstadt in diesen 91 Jahren verändert, vergrößert hat. Der Wasserturm hat eine Gesamthöhe von 52,65 Meter, davon 2 Meter Fundamentplatte. Der sichtbare quadratische Teil hat eine Seitenlänge von 12,80 Meter und ist 50,65 Meter hoch, die Balkonhöhe liegt bei 36,70 Meter, das Geländeniveau auf 141,50 m über NN. Zwischen Erdgeschoß und Armaturenbrücke befinden sich fünf Geschoßdecken. Zu besonderen Anlässen werden - sofern nicht gerade Turmfalken im Bauwerk nisten - die beiden zeittypisch expressionistischen Balkone für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Nach dem Auf-stieg über mehr als 180 Stufen eröffnet sich unterhalb der vier Turmuhren ein eindrucksvoller Panoramablick: Von den nach Nordosten und Südwesten ausgerichteten Balkonen schweift der Blick bei klarem Wetter über Mutterstadt und seine Gemarkung bis hin zum Pfälzerwald, zur Haardt und zum Odenwald. Vor jetzt 33 Jahren, 1989 -1993, wurde ein weiteres Ereignis gefeiert: Unter dem Motto „Ein Turm ändert sein Gesicht“ erhielt der Wasserturm einen künstlerisch gestalteten Farbanstrich, der von dem Industriedesigner Friedrich Ernst von Garnier aus Bad Kreuznach gestaltet wurde.
Fußballplatz am Wasserturm
Von 1918 bis zum 01.07.1994 kickten die Fußballer des FG 08 Mutterstadt auf dem historischen Fußball- Sandplatz zwischen der Schifferstadter Straße und dem Wasserturm. Mit einer großen Vereinsfeier im Mai 1994 verabschiedetet sich der Traditionsverein FG 08 Mutterstadt von dem Platz, wo viele Meisterschaften gefeiert wurden.
(Robert Liebhart, Historischer Verein der Pfalz e.V. Ortsgruppe Mutterstadt, 2026)
Quellen
- Gemeindearchiv Mutterstadt
- Haag, Erich, Schläfer, Volker: Sonderbeilage im Amtsblatt Mutterstadt vom
10. Juni 1993 anlässlich 60 Jahre Wasserversorgung in Mutterstadt.
Internet
www.wasserweb.de Zweckverband für Wasserversorgung (abgerufen 08.05.2026)