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St. Pantaleon Unkel
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Unkel am Rhein mit Pfarrkirche St. Pantaleon (2020)
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Unkel, St. Pantaleon, von Süden (2015)
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Unkel, St. Pantaleon, Blick auf den Hauptaltar; der barocke Hochaltar von 1705 zeigt ein Gemälde, welches eine Wunderheilung von Pantaleon darstellt (2015)
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Unkel, St. Pantaleon, Blick auf die barocke Kanzel von 1714 (2015)
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Unkel, St. Pantaleon, Blick in das Gewölbe (2015)
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Die katholische Pfarrkirche St. Pantaleon zählt zu den kunsthistorisch bedeutendsten Sakralbauten am nördlichen Mittelrhein und prägt durch ihre erhöhte Lage auf dem Pantaleonsberg das Stadtbild von Unkel. In unmittelbarer Nähe der mittelalterlichen Stadtbefestigung gelegen und von einem historischen Kirchhof mit zahlreichen Grabkreuzen umgeben, dokumentiert die Kirche in ihrer heutigen Gestalt nahezu acht Jahrhunderte Bauentwicklung. Sie ist dem heiligen Pantaleon geweiht, einem spätantiken Arzt und Märtyrer sowie einem der Vierzehn Nothelfer, dessen Verehrung im kurkölnischen Raum besonders stark ausgeprägt war. Das ungewöhnliche Patrozinium verweist zugleich auf die engen historischen Beziehungen zum Erzstift Köln.
Die Baugeschichte beginnt vermutlich bereits im 12. Jahrhundert mit einer romanischen Saalkirche, deren ältester erhaltener Bestandteil der massive Westturm ist. Um 1200 entstand ein einschiffiger Bau mit flacher Holzdecke, dessen Boden etwa 30 Zentimeter tiefer lag als heute. Von dieser frühen Kirche haben sich nicht nur Teile des Turms, sondern auch einzelne tragende Strukturen im Inneren erhalten. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts erfolgte eine erste wesentliche Erweiterung durch den Anbau schmaler Seitenschiffe. Das ursprünglich deutlich höhere Mittelschiff wurde durch Arkaden zu einer basilikalen Anlage geöffnet; Basaltsäulen trennten Haupt- und Seitenschiffe. Bemerkenswert ist, dass das östliche Säulenpaar dieser romanischen Bauphase bis heute erhalten blieb und als authentisches Zeugnis der frühen Kirche gilt.
Im 14. Jahrhundert wandelte sich der Bau im Geist der Gotik grundlegend. Der romanische Chor wurde durch einen frühgotischen, dreiseitig geschlossenen und überwölbten Chor ersetzt. Gleichzeitig erhielt auch das Mittelschiff erstmals ein Gewölbe. Entscheidende Bedeutung für das heutige Erscheinungsbild hatte jedoch der große spätgotische Umbau von 1502. Damals wurden die Seitenschiffe verbreitert und erhöht, so dass aus der älteren Basilika eine dreischiffige Hallenkirche entstand.
Charakteristisch für diesen Bautyp ist die nahezu gleiche Höhe der Schiffe, wodurch ein einheitlicher, weiter Innenraum entsteht. Zugleich wurde der Chor um ein Joch verlängert und der romanische Turm durch ein zusätzliches Glockengeschoss erhöht. Das Bauwerk erhielt damit jene kompakte, horizontal betonte Silhouette mit drei parallelen Satteldächern, die bis heute das äußere Erscheinungsbild bestimmt und für viele spätgotische Dorf- und Stadtkirchen des Rheinlandes typisch ist.
Architektonisch ist Sankt Pantaleon besonders wegen der Überlagerung verschiedener Epochen bemerkenswert. Der romanische Westturm mit seinen schweren Wandmassen steht in deutlichem Kontrast zur spätgotischen Raumauffassung des Langhauses, das durch Kreuzrippengewölbe und relativ schlanke Stützen geprägt wird. Der Innenraum entfaltet eine für Hallenkirchen charakteristische Weite, die den liturgischen Raum weniger hierarchisch gliedert als ältere Basiliken. Die gotische Baugestalt blieb nach dem Ausbau um 1500 im Wesentlichen unverändert, wodurch die Kirche ein selten geschlossenes Beispiel spätmittelalterlicher Sakralarchitektur am Mittelrhein darstellt. Die Restaurierungen des 20. Jahrhunderts dienten vor allem der Sicherung historischer Substanz; die letzten größeren baulichen Veränderungen erfolgten zwischen 1972 und 1975 mit der Neuordnung des Treppenaufgangs und konservatorischen Maßnahmen.
Besonders bedeutend ist die Ausstattung, die überwiegend aus der Barockzeit stammt. Herausragendes Werk ist der Hochaltar von 1705, dessen großformatiges Mittelbild den Kirchenpatron Pantaleon bei der Heilung Kranker zeigt. Das Gemälde gilt als qualitätvolle Kopie eines römischen Vorbildes des italienischen Barockmalers Mattia Preti und wurde durch den kurkölnischen Hofbeamten Andreas Eschenbrender aus Rom nach Unkel vermittelt. Damit besitzt die Kirche eine bemerkenswerte Verbindung zur internationalen Kunst des römischen Hochbarock. Kanzel, Kommunionbank und weitere Ausstattungsteile stammen überwiegend aus dem frühen 18. Jahrhundert und spiegeln den Repräsentationsanspruch einer wohlhabenden kurkölnischen Landstadt wider. Ein besonderes Charakteristikum von St. Pantaleon ist die außergewöhnlich intensive Verehrung der Vierzehn Nothelfer. Im Jahr 1698 gründete Pfarrer Gottfried Eschenbrender eine Nothelfer-Bruderschaft, die das religiöse Leben Unkels nachhaltig prägte. Im frühen 18. Jahrhundert wurden monumentale Figurenzyklen der Nothelfer gestiftet, die bis heute den Kirchenraum prägen. Die Präsenz dieser Heiligengruppe ist ungewöhnlich dicht: Skulpturen, Fahnen, Bilder und liturgische Traditionen erinnern an die Schutzpatrone gegen Krankheit, Not und Gefahr. Diese besondere Frömmigkeitsgeschichte macht St. Pantaleon zu einem wichtigen Zeugnis barocker Volksreligiosität im Rheinland.
Von herausragender kulturhistorischer Bedeutung ist schließlich auch der umgebende Kirchhof. Er bewahrt eine ungewöhnlich große Zahl historischer Grabkreuze - überwiegend aus dem 16. bis 19. Jahrhundert - und zählt zu den eindrucksvollsten erhaltenen Kirchhöfen am Mittelrhein. Zusammen mit der erhöhten Lage über dem Rhein und der Einbindung in die mittelalterliche Stadtstruktur bildet die Kirche ein außergewöhnlich geschlossenes Ensemble, das die historische Entwicklung Unkels als kurkölnisch geprägte Rheinstadt bis heute anschaulich erfahrbar macht
(Karl Peter Wiemer, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V., 2026)
Internet de.wikipedia.org: Eintrag zu St. Pantaleon Unkel (abgerufen am 20.07.2026) de.wikipedia.org: Eintrag zum Heiligen Pantaleon (abgerufen am 20.07.2026) heiligenlexikon.de Eintrag zum Heiligen Pantaleon (abgerufen am 20.07.2026) regionalgeschichte.net: Eintrag zur Kirche St. Pantaleon (abgerufen am 20.07.2026) tag-des-offenen-denkmals.de: Eintrag zu St. Pantaleon Unkel (abgerufen am 20.07.2026) youtube.com: Video zu St. Pantaleon Unkel, Duett der beiden Mark-Glocken in historischer Rippe (abgerufen am 20.07.2026)
Literatur
Custodis, Paul-Georg; Kempt, Franz-Hermann / Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V. (Hrsg.) (1987)
Stadt Unkel am Rhein. (Rheinische Kunststätten, Heft 106.) Neuss (5. erweiterte Auflage).
Fuchs, Adalbert; Wachowiak, Helmut (Hrsg.) (2004)
Zwischen Rhein und Wingert. Lese-, Bilder- und Wanderbuch für Bruchhausen, Erpel, Rheinbreitbach und Unkel. Rheinbreitbach.
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Vor Ort Dokumentation
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