Grabstätte Ernst vom Rath auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Düsseldorf
Kreis(e): Düsseldorf
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 15′ 26,29″ N: 6° 46′ 17″ O 51,2573°N: 6,77139°O
Koordinate UTM 32.344.494,17 m: 5.680.797,97 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.553.892,60 m: 5.680.554,31 m
  • Grabmal der Familie Eduard vom Rath in Düsseldorf (2026)

    Grabmal der Familie Eduard vom Rath in Düsseldorf (2026)

    Copyright-Hinweis:
    Karl Peter Wiemer / CC BY 4.0
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    Karl Peter Wiemer
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Auf dem Nordfriedhof Düsseldorf befindet sich im Feld 72L Nr. 60 -165 die Grabstätte der Familie vom Rath. Hier wurde unter anderen auch Ernst vom Rath bestattet.

Die Ermordung des Diplomaten Ernst vom Rath am 7. November 1938 in Paris war ein Ereignis von großer politischer Tragweite, das von der nationalsozialistischen Führung propagandistisch instrumentalisiert wurde und als unmittelbarer Vorwand für die Novemberpogrome 1938 gegen die jüdische Bevölkerung diente.

Ernst Eduard vom Rath wurde 1909 in Frankfurt am Main geboren und trat nach dem Jurastudium in den diplomatischen Dienst des Deutschen Reiches ein. Seit 1937 war er an der deutschen Botschaft in Paris tätig. Am Vormittag des 7. November 1938 wurde er in seinem Dienstzimmer von dem 17-jährigen polnischen Juden Herschel Grynszpan angeschossen, der kurz darauf festgenommen wurde. Vom Rath erlag zwei Tage später, am 9. November 1938, seinen Verletzungen.

Herschel Grynszpan stammte aus einer polnisch-jüdischen Familie, die seit den 1920er Jahren in Hannover lebte. Ende Oktober 1938 waren seine Eltern - wie tausende andere polnische Juden - im Zuge der „Polenaktion“ aus Deutschland ausgewiesen und an die polnische Grenze abgeschoben worden. Grynszpan, der sich zu diesem Zeitpunkt in Paris aufhielt, wollte mit seiner Tat nach eigenen Angaben ein Zeichen des Protests gegen das Schicksal seiner Familie und die antijüdische Politik des NS-Staates setzen. Eine persönliche Beziehung zwischen Täter und Opfer soll nicht bestanden haben. Vom Rath soll zufällig das Ziel seiner Tat geworden sein, da Grynszpan lediglich einen deutschen Diplomaten treffen wollte, um ein Zeichen zu setzen.

Der Tod vom Raths löste in Deutschland eine orchestrierte Welle der Empörung aus. Die nationalsozialistische Propaganda deutete die Tat als „jüdischen Angriff auf das deutsche Volk“ und stellte Grynszpan als Werkzeug einer angeblichen internationalen Verschwörung dar. Joseph Goebbels nutzte die Nachricht vom Tod des Diplomaten, um in seiner Rede am Abend des 9. November während des NSDAP-Parteitages in München gezielt zur „spontanen Vergeltung“ aufzurufen - was in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zur systematischen Zerstörung jüdischer Geschäfte, Synagogen und Wohnungen im gesamten Deutschen Reich führte. Diese Ereignisse gingen später als „Reichspogromnacht“ oder im NS-Jargon als „Reichskristallnacht“ in die Geschichte ein.

Der Leichnam Ernst vom Raths wurde nach seinem Tod feierlich nach Deutschland überführt. Am 12. November 1938 fand in Düsseldorf, der Heimatstadt seiner Familie, ein staatlicher Trauerakt statt, der von höchster politischer und militärischer Repräsentanz begleitet wurde. Die Inszenierung der Beisetzung diente deutlich propagandistischen Zwecken: Vom Rath wurde als „Opfer des jüdischen Terrors“ stilisiert, und die Feierlichkeiten wurden von Presse, Rundfunk und Wochenschau ausführlich dokumentiert. Der Sarg war mit der Reichskriegsflagge bedeckt, und die nationalsozialistische Führung, darunter Außenminister Joachim von Ribbentrop, nahm an der Zeremonie teil.

Sein Grab, das lange Zeit als Gedenkort nationalsozialistischer Heldenverehrung diente, ist heute ein historisches Zeugnis für die politische Instrumentalisierung eines persönlichen Schicksals im Dienst der NS-Propaganda. Die Tat selbst wurde von der NS-Führung bewusst verzerrt und missbraucht, um Gewalt und Verfolgung in einem bis dahin beispiellosen Ausmaß zu legitimieren.

(Karl Peter Wiemer, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V., 2026)

Internet
www.dhm.de: Ernst vom Rath 1909-1938 (abgerufen 28.08.2026)
www.ndr.de: Pogromnacht 1938: Attentat und Propaganda - Eine Chronologie (abgerufen 28.08.2026)
stadtgeschichte-muenchen.de: Ernst vom Rath (abgerufen 28.08.2026)
de.wikipedia.org: Ernst Eduard vom Rath (abgerufen 28.08.2026)
taz.de: Vor der Pogromnacht 1938 - Fünf Schüsse zur Freude von Goebbels (abgerufen 28.08.2026)
www.welt.de: Herschel Grynszpan - Mit fünf Schüssen löste er die „Kristallnacht“ aus (abgerufen 28.08.2026)
www.spiegel.de: Pogrome 1938 - „Alles saust gleich an die Telefone. Nun wird das Volk handeln“ (abgerufen 28.08.2026)
www.bing.com: Video „Ozaphan Monatsschau: Trauerfeier für Ernst vom Rath (1938) 1/39“ (abgerufen 28.08.2026)
www.bing.com: Ortsangabe: Nordfriedhof - wo die Düsseldorfer Toten wohnen (abgerufen 28.08.2026)

Literatur

Arntz, Hans-Dieter (2008)
„Reichskristallnacht“ – Der Novemberpogrom 1938 auf dem Lande, Gerichtsakten und Zeugenaussagen am Beispiel der Eifel und Voreifel. Aachen.

Grabstätte Ernst vom Rath auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Am Nordfriedhof
Ort
Düsseldorf
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1939

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Karl Peter Wiemer: „Grabstätte Ernst vom Rath auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360123 (Abgerufen: 29. August 2026)
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