Diebsteine bei Bacharach

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Bacharach
Kreis(e): Mainz-Bingen
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 04′ 12,85″ N: 7° 46′ 19,39″ O 50,07024°N: 7,77205°O
Koordinate UTM 32.412.126,10 m: 5.547.162,06 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.412.166,06 m: 5.548.941,45 m
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Die „Diebsteine“ bei Stromkilometer 544 am linken Rheinufer bezeichnen eine Gruppe von Felsklippen im Rhein unterhalb des Bacharacher Werths, die sowohl geomorphologisch als auch kulturhistorisch von Bedeutung sind. Ihre Entstehung ist primär auf natürliche Prozesse zurückzuführen: Es handelt sich um widerständige Gesteinsrippen aus dem devonischen Schiefer des Rheinischen Schiefergebirges, die der fluvialen Erosion des Rheins über lange Zeiträume hinweg standgehalten haben. Während weichere Gesteinsschichten durch die Strömung abgetragen wurden, blieben diese härteren Partien als Untiefen und Felsriffe im Flussbett erhalten. Die heutige Gestalt der Diebsteine ist somit das Resultat eines komplexen Wechselspiels von tektonischer Hebung, Gesteinsstruktur und hydrodynamischer Erosion.

Für die Schifffahrt stellten diese Felsen seit jeher ein erhebliches Hindernis dar. Insbesondere im Bereich des engen Mittelrheintals mit seinen wechselnden Strömungsverhältnissen führten die Diebsteine zu gefährlichen Verwirbelungen und Untiefen, die bei niedrigem Wasserstand teilweise sichtbar wurden, bei höherem Pegel jedoch unter der Wasseroberfläche lagen und so ein erhebliches Risiko für die vorbeifahrenden Flöße und Schiffe bildeten. Bereits im Mittelalter waren diese Stellen gefürchtet, da sie Havarien begünstigten und damit indirekt zur „wirtschaftlichen Nutzung“ durch die Uferanwohner beitrugen.

Der Name „Diebsteine“ ist in diesem Zusammenhang kulturgeschichtlich zu verstehen. Er verweist auf die Praxis, havarierte oder festgekommene Schiffe auszurauben. In der engen Fahrrinne bei Bacharach, die zugleich durch zahlreiche Zollstellen und territoriale Grenzen geprägt war, boten solche natürlichen Hindernisse Gelegenheit für Überfälle und Diebstahl von Ladungen. Die Bezeichnung reflektiert somit die Wahrnehmung dieser Felsen als „räuberische“ Gefahrenpunkte im Strom, an denen Schiffer nicht nur mit Naturgewalten, sondern auch mit menschlichen Risiken konfrontiert waren.

Mit der Regulierung des Rheins im 19. Jahrhundert durch wasserbauliche Maßnahmen zur Verbesserung der Schiffbarkeit wurden viele derartige Gefahrenstellen entschärft. Auch im Bereich der Diebsteine kam es zu Eingriffen, etwa durch Sprengungen oder Markierungen, um die Fahrrinne zu sichern. Gleichwohl sind Teile der Felsformation, auch das nur einige hundert Meter entfernte „wilde Gefähr“, bis heute erhalten und bei niedrigen Wasserständen erkennbar. Sie stehen exemplarisch für die ursprünglichen, vorindustriellen Bedingungen der Rheinschifffahrt und verdeutlichen die enge Verbindung von natürlicher Flussmorphologie und historischer Nutzung.

Insgesamt sind die Diebsteine sowohl ein geologisches Relikt der Landschaftsentwicklung des Mittelrheins, als auch ein kulturhistorisches Zeugnis der Gefahren und Praktiken vormoderner Binnenschifffahrt auf einem der bedeutendsten Verkehrswege Mitteleuropas.

(Karl Peter Wiemer, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V., 2026)

Internet
Untiefen: Untiefen im Rhein (abgerufen 30.08.2026)
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Diebsteine.jpg: Diebsteine (abgerufen 30.08.2026)
https://de.wikipedia.org/wiki/Das_wilde_Gefähr: Wildes Gefähr (abgerufen 30.08.2026)




Diebsteine bei Bacharach

Schlagwörter
Ort
Bacharach
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Vor Ort Dokumentation, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger

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Karl Peter Wiemer: „Diebsteine bei Bacharach”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360110 (Abgerufen: 31. August 2026)
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