Großsteingräber in Goosefeld

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Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Goosefeld
Kreis(e): Rendsburg-Eckernförde
Bundesland: Schleswig-Holstein
Koordinate WGS84 54° 25′ 44,83″ N: 9° 48′ 26,87″ O 54,42912°N: 9,80746°O
Koordinate UTM 32.552.382,52 m: 6.031.567,64 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.552.471,88 m: 6.033.541,39 m
  • Grab 4 der Großsteingräber bei Goosefeld (Sprockhoff Nr. 78, LA 1) (2020)

    Grab 4 der Großsteingräber bei Goosefeld (Sprockhoff Nr. 78, LA 1) (2020)

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  • Megalithgrab von Goosefeld. Vollendete Kammer mit Bodenpflaster und Zwickelmauerwerk (2024)

    Megalithgrab von Goosefeld. Vollendete Kammer mit Bodenpflaster und Zwickelmauerwerk (2024)

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  • Megalithgrab von Goosefeld. Schwellenstein im Eingang zur Grabkammer (2021)

    Megalithgrab von Goosefeld. Schwellenstein im Eingang zur Grabkammer (2021)

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  • Megalithgrab von Goosefeld. Grabungsplan und Rekonstruktion

    Megalithgrab von Goosefeld. Grabungsplan und Rekonstruktion

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  • Wappen der Gemeinde Goosefeld

    Wappen der Gemeinde Goosefeld

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  • Megalithgrab von Goosefeld. Abtransport der Steine zum Standort des geplanten Wiederaufbaus (2022)

    Megalithgrab von Goosefeld. Abtransport der Steine zum Standort des geplanten Wiederaufbaus (2022)

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  • Megalithgrab von Goosefeld. Auflegen des vorhandenen Decksteins (2023)

    Megalithgrab von Goosefeld. Auflegen des vorhandenen Decksteins (2023)

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  • Megalithgrab von Goosefeld. Aufstellen der Kammersteine am neuen Standort (2023)

    Megalithgrab von Goosefeld. Aufstellen der Kammersteine am neuen Standort (2023)

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  • Megalithgrab von Goosefeld. Blick vom Innern der Kammer durch den ehemaligen Eingang (2021)

    Megalithgrab von Goosefeld. Blick vom Innern der Kammer durch den ehemaligen Eingang (2021)

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  • Megalithgrab von Goosefeld. Feuersteinbeil der Nachbestattung.

    Megalithgrab von Goosefeld. Feuersteinbeil der Nachbestattung.

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  • Megalithgrab von Goosefeld. Jungsteinzeitliche Keramikscherben aus dem Eingangsbereich der Kammer

    Megalithgrab von Goosefeld. Jungsteinzeitliche Keramikscherben aus dem Eingangsbereich der Kammer

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    Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein, Linda Fischer
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Auf dem Gebiet der Gemeinde Goosefeld, gelegen im Naturpark Hüttener Berge, wurden bislang elf Großsteingräber entdeckt, zwei Langbetten und neun Rundhügel. Denkmalrechtlich geschützt sind davon vier Hügel und ein Langbett, die weiter unten dargestellt werden.

Vier der Gräber wurden 1933 von Ernst Sprockhoff dokumentiert (Sprockhoff 1966). Eine weitere Dokumentation erfolgte im Zusammenhang der archäologischen Landesaufnahme des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein (ALSH). In mindestens zwei Gräbern fanden um 1987 archäologische Ausgrabungen statt. Die fünfte Grabanlage LA 69 entdeckte man 2020 bei Bauarbeiten.

Die Erbauer der Megalithgräber gehörten der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur an (4100 bis 2850 vor Christus). Sie betrieben als erste Kultur in Norddeutschland und Südskandinavien Ackerbau und Viehzucht. Charakteristisch ist zudem die Errichtung von steinernen Grabkammern aus bis zu mehreren Tonnen schweren Findlingen. Die Zwischenräume füllte man mit flachen Steinen sorgfältig aus (Zwickelmauerwerk). Die Grabkammern wurden anschließend außen mit Lehm abgedichtet und mit Erde überhügelt, so dass die Grabkammern selbst nicht sichtbar waren. Ob diese Überhügelung bei allen Anlagen erfolgte, ist nicht nachzuweisen. Veränderungen der Grabanlagen in jüngeren Nutzungsphasen sind hingegen archäologisch belegt.
Nur die Eingänge in die Kammern, soweit vorhanden, waren von außen sichtbar. Auf den Böden in den Kammern, die häufig gepflastert waren, wurden die Bestattungen niedergelegt, zusammen mit den individuellen Beigaben wie Steinbeilen, Pfeilspitzen, Schmuck, Keramikgefäßen und anderen organischen Beigaben, die in der Regel vergangen sind. In den Kammern wurde mehrfach bestattet, wobei zumeist die älteren Bestattungen an die Ränder versetzt wurden, um der neuen Platz zu schaffen.
Diese Megalithgräber lagen in Gebieten, in denen die landwirtschaftliche Nutzung seit Jahrhunderten stattfand. Dort störten sie bei den Feldarbeiten. Zudem boten sie Baumaterial in großen Mengen, so dass die meisten der ehemals vorhandenen Großsteingräber zwischenzeitlich verschwunden sind. Insofern war die Aufdeckung eines noch ungestörten Grabes ein besonderer Glücksfall.
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Kartiert und beschrieben sind die fünf unter Denkmalschutz stehenden Grabanlagen sowie das jüngst entdeckte Grab LA 69 (LA bedeutet Landesaufnahme-Nummer und bezeichnet die Durchnummerierung der archäologischen Fundstellen in einer Gemeinde).

Grab LA 35 (Sprockhoff Nr. 75)
Es handelt sich um ein Ganggrab von 5,75 Metern Länge und 1,5 Metern Breite. Erhalten sind der südwestliche Teil der Grabkammer mit dem Abschlussstein und drei angrenzende Langseiten. Im Südosten zeigt ein Schwellenstein den ursprünglichen Eingang. Reste des Bodenpflasters sind noch erhalten.
Wie die Funde zeigen, wurden in zwei Phasen Bestattungen niedergelegt. In die trichterbecherzeitliche Phase gehören Bernstein-Artefakte und eine Pfeilspitze. Aus der Zeit der Einzelgrabkultur (2850-2250 vor Christus) stammen zwei Streitäxte und zwei Dechsel.
Die Anlage befindet sich an der B 203 im Bereich des Interkommunalen Gewerbegebietes Ravenshorster Weg.
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Grab LA 5 (Sprockhoff Nr. 76)
Diese Anlage besaß eine einfache Grabkammer mit ehemals sechs Wandsteinen und einem großen Deckstein. Sie liegt auf einer Anhöhe östlich von Goosefeld.

Grab LA 12 (Sprockhoff Nr. 77)
Das Grab ist ein Langbett von 41 Metern Länge bei einer Breite von etwa 7 Metern. Der Grabhügel war eingefasst von Umfassungssteinen, von denen einige noch erhalten sind.
Bei archäologischen Untersuchungen wurden drei Grabkammern in der Hügelaufschüttung festgestellt. Die Kammer A bestand wohl auf zwei Wandsteinpaaren und je einem Abschlussstein an der Schmalseite sowie ursprünglich zwei Decksteine. Die Kammern B und C waren durch Steinschläger weitgehend beschädigt.
Gefunden wurden Bernstein-Perlen in der Kammer A und Bernsteinperlen sowie zwei feuerstein-Beile in Kammer C.
Die Anlage liegt nördlich von Lehmbeck an der Straße Hoffnungsthal.
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Grab LA 1 (Sprockhoff Nr. 78)
Von dieser Ost-West orientierte Grabkammer sind noch zwei Wandsteine der nördlichen und einer der südlichen Langseite erhalten. Auf ihnen ruht ein Deckstein mit 2,5 Metern Länge, 2,2 Metern Breite und 1,1 Metern Dicke. Ein weiterer, im Osten liegender Stein lässt sich nicht sicher zuordnen. Die ursprüngliche Länge der Kammer kann nicht sicher bestimmt werden.
Archäologische Untersuchungen und Funde sind nicht bekannt.

Grab LA 42
Der Hügel hat noch einen Durchmesser von 10 Metern bei einer erhaltenen Höhe von 2 Metern. Die Kuppe ist regelmäßig gewölbt mit abgesetzten Rändern. Steine einer Grabkammer sind erkennbar.
Archäologische Untersuchungen und Funde sind nicht bekannt.
Im Umfeld des Grabes sind weitere Grabhügel unterschiedlicher Zeitstellungen und Erhaltung bekannt.

Grab LA 69
Im Vorfeld der Erschließung eines interkommunalen Gewerbegebietes westlich von Goosefeld wurden archäologische Voruntersuchungen durch das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH) durchgeführt. Dabei konnte 2020 ein bis dahin nicht bekanntes Megalithgrab entdeckt werden. Die endgültige Ausgrabung wurde 2021 durchgeführt.
Bei den Untersuchungen wurden dreizehn Findlinge erfasst, aus denen sich ein etwa Ost-West orientiertes, leicht in den Boden eingetieftes Ganggrab mit einem polygonalen oder ovalen Grundriss rekonstruieren ließ. Der lichte Durchmesser der Kammer lag zwischen 2,5 Metern und 2,9 Metern. Die Kammer bestand aus neun Wandsteinen. Von den ursprünglich wohl drei Decksteinen ist nur noch einer erhalten. Er wurde östlich der Kammer gefunden. Bei zwei größeren Bruchstücken dürfte es sich um Reste der anderen Decksteine handeln.
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An der südlichen Langseite befand sich der Zugang zur Kammer. Ihm war ein Gang aus ursprünglich wohl zwei Wandsteinpaaren vorgelagert, von denen das innere Paar noch erhalten war, während von dem äußeren Paar nur noch die Standspuren festgestellt wurden. Zwischen Gang und Kammer befand sich ein Schwellenstein. Die Zwischenräume der Findlinge waren mit Trockenmauerwerk aus kleinen Steinplatten verfüllt.
Die Kammer war ursprünglich von einer runden Hügelschüttung mit einem Durchmesser von 12 Meter überhügelt. Den Hügel begrenzte ein Kreis aus faust- bis kopfgroßen Steinen. Aus der ursprünglichen trichterbecherzeitlichen Nutzungsphase fanden sich lediglich drei Keramikscherben. Ein Feuerstein-Beil stammt aus einer Nachbestattung der Einzelgrabkultur.
Da eine Erhaltung vor Ort nicht möglich war, wurden die Steine fachgerecht geborgen und im Bereich des Großsteingrabes LA 35 rekonstruiert.

Die Fundplätze der Großsteingräber 34-36 und 69 liegen konzentriert auf einer etwa zwei Quadratkilometer großen Hochfläche an der B 203, die von zwei Bächen und einer Niederung begrenzt ist. In einem Abstand von rund 200 Metern südlich der jüngsten Fundstelle LA 69 befanden sich drei weitere Megalithgräber, von denen eins noch zum Teil erhalten ist (siehe Grab LA 35). Im weiteren Umfeld konnten bei Begehungen auf einer Strecke von rund einem Kilometer fünf Steinbeile geborgen werden, die auf weitere, bereits gestörte Megalithgräber schließen lassen.
Diese Grabanlagen erstrecken sich am südöstlichen Rand der Hochfläche auf einer längeren Strecke. Möglicherweise markieren diese Grabmonumente eine alte Wegeführung zwischen der Eckernförder Bucht und dem in die Eider entwässernden Wittensee (Entfernung rund sieben Kilometer).
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(Ringo Klooß, Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH) / Claus Weber, KuLaDig-Redaktion und Vertrauensmann für KuLaDig in Schleswig-Holstein, 2026)

Hinweis
Die Großsteingräber LA 1, LA 5, LA 12, LA 35 und LA 42 sind eingetragene und geschützte Kulturdenkmäler (Bodendenkmale).

Internet
www.gdi-sh.de: Ein Megalithgrab zieht um - nach über 5000 Jahren (2023; abgerufen 16.02.2026)
www.schleswig-holstein.de: Das Projekt Megalithic Routes in Schleswig-Holstein (abgerufen 08.04.2026)
de.wikipedia.org: Großsteingräber bei Goosefeld (abgerufen 16.02.2026)
www.heimatgemeinschaft-eck.de: Heimatgemeinschaft Eckernförde: Goosefeld (mit Links zu Youtube-Beiträgen; abgerufen 16.02.2026)
opendata.schleswig-holstein.de: Denkmalliste der unbeweglichen archäologischen Kulturdenkmäler im Kreis Rendsburg-Eckernförde (PDF, 3,9MB, abgerufen 11.05.2026)

Literatur

Klooß, Ringo (2026)
Das Megalithgrab LA 69 von Goosefeld. Ausgrabung und Wiederaufbau einer jungsteinzeitlichen Grabanlage im Kreis Rendsburg-Eckernförde. In: Archäologische Nachrichten Schleswig-Holstein 2025, S. 28-35. Baden-Baden.
Sprockhoff, Ernst / Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts (Hrsg.) (1966)
Atlas der Megalithgräber Deutschlands. Teil 1: Schleswig-Holstein. S. 24-25 Nr. 75-78, Bonn.

Großsteingräber in Goosefeld

Schlagwörter
Ort
24340 Goosefeld
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG SH 2015 (in Denkmalliste eingetragen)
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Vor Ort Dokumentation, Archäologische Grabung
Historischer Zeitraum
Beginn -4100 bis -2250

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Ringo Klooß: „Großsteingräber in Goosefeld”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360103 (Abgerufen: 12. Mai 2026)
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