Beschreibung
Das Wohnhaus befand sich in zentraler Lage an der Lindenallee, zwischen dem alten Rathaus und der evangelischen Kirche. Eine Fotografie aus dem Jahr 1907 zeigt das Haus als Wohnsitz des Viehhändlers Herz Bär. Im Kataster ist das Gebäude ab 1895 als Wohnhaus der Familie Herz eingetragen. Bauliche Einzelheiten sind nicht überliefert.
Geschichte
Die jüdische Familie Bär ist in Hamm seit dem Jahr 1706 nachweisbar. In diesem Jahr wurde Abraham Bär geboren. Aus seiner Ehe mit Jetta Herz ging unter anderem der Sohn Moses Bär hervor (geb. 10. August 1786 in Hamm, † 20. Februar 1847 ebenda). Moses Bär war als Handelsmann und Metzger tätig und heiratete Röschen Auscher aus Waldbreitbach (geb. 22. Oktober 1787, † 10. April 1857 in Hamm). Das Ehepaar hatte vier Kinder: Herz, Bernhard, Jelle Juliane und Seligmann. Der Sohn Herz Bär (geb. 21. September 1824 in Hamm, † 1. Oktober 1893) übernahm das Haus seines Vaters. Er war als Viehhändler tätig und heiratete am 8. Januar 1862 Fanny Hirsch (geb. 5. Mai 1841 in Hamm, † 26. Oktober 1917). Aus der Ehe gingen insgesamt neun Kinder hervor.
Nach dem Tod von Herz Bär übernahm der älteste Sohn Moses Bär (geb. 11. Februar 1862 in Hamm, † 18. Juni, Jahr nicht überliefert) das Haus und gab es später an Wilhelm (Willi) Bär weiter. Dieser veräußerte das Anwesen in den Jahren 1912/13 an die Ortsgemeinde. Im Zuge des Neubaus des Bürgermeisteramtes wurde das Gebäude abgerissen. Wilhelm Bär zog anschließend mit seiner Familie in ein Haus in der Provinzialstraße 48.
Bedeutung
Das Haus Herz Bär besaß orts- und sozialgeschichtliche Bedeutung als Wohnsitz einer über Generationen in Hamm ansässigen jüdischen Familie. Es verdeutlicht die Rolle jüdischer Viehhändler und Kaufleute im lokalen Wirtschaftsleben sowie den strukturellen Wandel des Ortskerns im frühen 20. Jahrhundert.
Zeitliche Einordnung
- ab 1706: Nachweis der Familie Bär in Hamm
- 19. Jahrhundert: Nutzung als Wohnhaus der Familie Bär
- 1895: Katastereintrag als Wohnhaus der Familie Herz
- 1912/13: Verkauf an die Ortsgemeinde und Abbruch des Gebäudes
Redaktioneller Hinweis
Der Beitrag dokumentiert ein nicht mehr erhaltenes Gebäude. Die Darstellung stützt sich auf archivalische Quellen und fotografische Überlieferungen; bauliche Details sind nicht näher untersucht.
(Arbeitsgruppe jüdisches Gedenken der Ortsgemeinde Hamm und die Tourist-Information der Verbandsgemeinde Hamm, 2025)
- Katasterunterlagen Hamm, ab 1895
- Personenstandsregister Hamm
- Orts- und familiengeschichtliche Forschungen zur jüdischen Gemeinde Hamm
- Fotografische Überlieferung (Aufnahme von 1907)