Die erste schriftliche Erwähnung findet die damals bereits einige Jahrzehnte alte Kirche im Jahre 1267, als der Ritter Tithulf Warsild seine Besitzungen in „Siceby“ der Schleswiger Domkirche übertrug. Sie ist aber in die Zeit um 1200 zu datieren, also spätromanischen Ursprungs, und erhielt ihre heutige Gestalt im Wesentlichen in spätgotischer Zeit. Ihre Mauern sind aus gespaltenem Granit und aus Ziegeln gefertigt und überkalkt.
Nach der Sage hatte es in einem Winter in der Umgebung von Sieseby stark geschneit, sodass das ganze Land schneebedeckt war. Nur ein Stück Erdboden war in der Gestalt des Kreuzes vom Schnee ausgespart worden. Dieses Wunder verbreitete sich schnell, und Mönche vom Bischofshof Stubbe fassten es als ein göttliches Zeichen zum Bau einer Kirche just an dieser Stelle auf. Daraufhin erbauten sie die Kirche von Sieseby an ihrem heutigen Standort. Welchem Titelheiligen sie die Kirche weihten, ist jedoch nicht mehr bekannt.
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Spuren des ursprünglichen romanischen Baus lassen sich vor allem in der Nordwand des Kirchenschiffes entdecken. Dort befinden sich von außen sichtbar ein vermauertes rundbogiges Portal und zwei ebenfalls mit Ziegeln vermauerte alte, rundbogige Fenster. Das romanische Kirchenschiff mit fünf Achsen und eingezogenem Rechteckchor erhielt im 13. Jahrhundert einen gewölbten Chor. Dabei wurde auch das Kirchenschiff verändert und durch zwei Kreuzrippengewölbe im Charakter des spätromanischen Übergangsstils eingewölbt. Der aus Feldsteinen bestehende Unterbau des Westturmes stammt noch aus romanischer Zeit und reichte bis zur Höhe des Kirchenschiffes. In gotischer Zeit wurde er in Ziegelmauerwerk um das Doppelte erhöht und hat heute die Form eines dänischen querrechteckigen Westturmes mit Satteldach.
1586 gab es eine Wiederherstellung des Kirchenbaus. An der Nordwand wurde 1685 die Grabkapelle für Heinrich und Margret Hedwig von Ahlefeld angebaut. Sie wird heute als Sakristei genutzt. Der größere Anbau im Süden könnte noch romanisch sein, er diente vermutlich als Sakristei. Seit 1921 wird hier der gefallenen Soldaten aus Sieseby gedacht. Ein kleiner Anbau im Süden datiert gotisch und war wohl ein zusätzlicher Altarraum mit ursprünglichem Zugang von der Kirche. Ab 1737 war der Grabkammer der Familien von Thienen und von Scheel-Plessen. Heute wird er als Raum für Einkehr und Besinnung genutzt.
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1819/1820 wurde das Innere der Kirche grundlegend verändert, die bisherige Ausstattung weitgehend entfernt. Der spätgotische Chor wurde um das doppelte verlängert, die Westwand neu verblendet und gestützt. Zugleich wölbte man die gesamte Kirche neu ein. Des Weiteren brach man drei neue Fenster ein, die Fresken wurden überweißt, Emporen und die Kanzel entfernt, eine neue Westempore eingebaut.Im Osten befindet sich nun eine klassizistische Altarwand von 1819/20 mit einem dreitürmigen Orgelprospekt von Marcussen & Søn. Im Mittelbild ist der segnende Christus abgebildet, Maler August Theodor Kaselowsky (1810-1891). Das Altarkreuz stammt von 1848.
Anfang des 19. Jahrhunderts wurden ebenfalls ein neuer Eingang durch den Turm geschaffen und die beiden bisherigen Türen an der Süd- und Nordseite, durch die Frauen und Männer zuvor getrennt die Kirche betreten hatten, zugemauert. Einen Teil dieser Umbauten machte man einige Jahrzehnte später wieder rückgängig, als die Kanzel und das Triumphkreuz zurück in die Kirche kamen.
Bei Sanierungsarbeiten und Heizungseinbauten 1981 konnten durch archäologische Grabungen zahlreiche Bestattungen im Innern der Kirche nachgewiesen werden.
2015 wurde die Kirche zum letzten Mal renoviert. Dabei wurde festgestellt, dass sich unter den bei der Renovierung 1981 freigelegten Gewölbemalereien aus dem 16. Jahrhundert Reste älterer Malereien befinden. Sichtbar sind heute Überreste der Ausmalung des 16. Jahrhunderts. Im Kirchenschiff vor dem alten Chorbogen sind Szenen aus dem Alten Testament dargestellt: zum Altar hin (Osten) der Traum des Jakob von der Himmelsleiter, im Süden sein Kampf mit dem Engel, im Westen die Aufstellung der ehernen Schlange durch Moses im Lager der Israeliten in der Wüste. Im vorderen Chorgewölbe hat sich eine Szene der Weihnachtsgeschichte erhalten.
Zur Ausstattung der Kirche gehört der Taufstein als ältestes Ausstattungsstück. Er besteht aus Granit und wird in das 12. Jahrhundert datiert. Er steht auf dem Friedhof vor der Kirchentür. Die Taufe im Innern der Kirche besitzt die Form eines klassizistischen Deckelportals mit vergoldeten Umgangsleisten und einem Deckelknauf. Die Taufschale besteht aus Messing und trägt das Ahlefeldsche Wappen, gestiftet 1685.
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Die prägende Figur des Jesus am Triumphkreuz soll aus dem 12. Jahrhundert stammen. Ursprünglich hing das Kreuz im Chorbogen, Jesus trug als Zeichen seines Triumphes eine Krone. Kreuz und Jesus wurden 1819 aus der Kirche entfernt, 1884 restauriert und aufgestellt, seit 1969 wieder auf dem Altar.Die Kanzel stifteten 1592 Hans und Margarethe von der Wisch, die Besitzer der Güter Grünholz, Damp und Norby. Die im Renaissance-Stil gehaltene Holzschnitzarbeit stammt vermutlich aus der Eckernförder Bildschnitzerschule, möglicherweise aus der Werkstatt des Eckernförder Bildschnitzers Hans Gudewerdt des Älteren (nach wikipedia.com ). Die Tafeln des Kanzelkorbs zeigen die Opferung Isaaks, die Auferstehung Christi, das Pfingstwunder, die Bekehrung des Paulus sowie die Steinigung des Stephanus.
1819 wurde die Kanzel abgebaut und zwischengelagert und durch eine Kanzel über dem Altar ersetzt. Bei der Wiederaufstellung 1860 wurde sie durch eine neue Treppe ergänzt, deren Schnitztafeln die Verklärung Jesu und die Flucht nach Ägypten darstellen.
Der Kronleuchter stammt von 1811 und besteht aus geflochtenem Holz. Er ist dunkelbraun und bronzefarben gefasst (bemalt). Die ursprüngliche Orgel von Jürgen Marcussen (damals aus Satrup) von 1819/1820 steht heute im Seitenschiff des Haderslebener Doms. In Sieseby steht eine 1969 neu beschaffte Orgel derselben Firma Marcussen & Søn, Aabenraa.
Der Friedhof erstreckt sich rund um den Kirchenbau. Dieser wird von alten Familiengräbern mit ihren Grabsteinen und der Lindenallee besonders geprägt.
Hinweis
Kirche, Lindenallee und Friedhof sind als Sachgesamtheit eingetragene Kulturdenkmale (Baudenkmal, Objektnummer 40899)
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(Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH) / Claus Weber, KuLaDig-Redaktion und Vertrauensmann für KuLaDig in Schleswig-Holstein, 2026)Quelle
Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Sieseby (Hrsg.), Kirche zu Sieseby (Faltblatt, PDF-Dokument, 6,5 MB, online unter: www.kkre.de, abgerufen 18.2.2026)
Internet
de.wikipedia.org: Kirche Sieseby (abgerufen 19.2.2026)
efi2.schleswig-holstein.de: „Sachgesamtheit: Kirche Sieseby, Rendsburg-Eckernförde, Thumby, Dorfstraße“ in der Denkmaldatenbank Schleswig-Holstein (abgerufen 19.2.2026)