Das Gelände der früheren Sprengstoff- und Zünderfabrik an der Frankfurter Straße in Köln-Eil, später NS-Schutzhaftlager "Am Hochkreuz" nach dem Abriss der verbliebenen Bauten im Frühjahr 2023.
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Knöchel, Franz-Josef / Landschaftsverband Rheinland, CC BY 4.0
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Das Gelände der früheren Sprengstoff- und Zünderfabrik an der Frankfurter Straße in Köln-Eil, später NS-Schutzhaftlager "Am Hochkreuz" nach dem Abriss der verbliebenen Bauten im Frühjahr 2023.
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Blick in Richtung des einstigen, aber längst nicht mehr als Geländeerhöhung erkennbaren "Judenbergs" in Köln-Eil (2023). Im Vordergrund das Gelände der früheren Sprengstoff- und Zünderfabrik an der Frankfurter Straße in Köln-Eil, später NS-Schutzhaftlager "Am Hochkreuz" nach dem Abriss der verbliebenen Bauten im Frühjahr 2023.
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Das Gelände der früheren Sprengstoff- und Zünderfabrik an der Frankfurter Straße in Köln-Eil, später NS-Schutzhaftlager "Am Hochkreuz" nach dem Abriss der verbliebenen Bauten im Frühjahr 2023.
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Blick in Richtung des einstigen, aber längst nicht mehr als Geländeerhöhung erkennbaren "Judenbergs" in Köln-Eil (2023). Im Vordergrund das Gelände der früheren Sprengstoff- und Zünderfabrik an der Frankfurter Straße in Köln-Eil, später NS-Schutzhaftlager "Am Hochkreuz" nach dem Abriss der verbliebenen Bauten im Frühjahr 2023.
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Am Standort der Zündkapselfabrik Bartsch & Real wurde zuvor bereits zwischen 1842/73 und 1901 von der Kölner Dynamitfabrik Gebr. Krebs & Cie. (ab 1876 Kölner Dynamitfabrik Küppersteg) Sprengstoff produziert. Nach knapp einem Jahrzehnt ohne die Produktion von Explosivstoffen am Eiler Hochkreuz nahm hier dann 1910 Bartsch & Real mit 15 Arbeitern die Fertigung von Zündplättchen auf.
Gründung und Unternehmensgeschichte Den umfassenden Recherchen des Leichlinger Sprengstoffexperten Friedrich Trimborn zufolge, gehörte die Fabrik als Zweigwerk Eil zur Berliner Fabrikation elektrischer Zünder Wilhelm Bentsch und erschien zum 31. Mai 1910 erstmals in den Akten. Zum 19. Juni 1911 erhielt dann „der 'Zündbänderfabrikant Wilhelm Bartsch (Bentsch) aus Berlin' (zusätzlich?) die Erlaubnis, in der 'ehemaligen Dynamitfabrik' eine Zünder- und Amorces-Fertigung aufzuziehen“ (Trimborn 2002). Amorces sind pyrotechnische Zündplättchen (Knallplättchen), mit denen in Spielzeugwaffen ein Schussgeräusch imitiert wird. Ein zuvor bei der Eiler Dynamitfabrik tätiger Verwalter Josef Pohl wurde als aufsichtsführender Werksleiter übernommen.
Dem Porz-Wiki zufolge firmierte das Werk 1911 als Zünderfabrik Bartsch & Real GmbH, Fabrik für Grubenbetrieb mit dem Firmenzweck der „Herstellung elektrischer Minenzünder und Zündmaschinen sowie anderen Grubenbedarfs“. Das Stammkapital betrug 80.000 Mark. Geschäftsführende Gesellschafter waren W. Bartsch aus Köln-Deutz und J. Real aus Essen-Ruhr.
Wie in den meisten anderen Sprengstofffabriken und vor Ort zuvor bereits 1885 in der Dynamitfabrik, ereignete sich in Eil am 12. Juli 1912 erneut ein Unglück in Form eines schweren Brandes, der vom „Säureraum“ ausging. Hierbei waren die beiden 3- und 5-jährigen Söhne der direkt gegenüber im Fabrikkontor lebenden Familie des Verwalters Pohl als Todesopfer zu beklagen. Bei einer weiteren Explosion 1913 wurden wurden Trimborn (2002) zufolge zwei Arbeiterinnen und ein Schlosser getötet und fünf Menschen verletzt. Davon abweichend berichtet das Porz-Wiki über Berichte im Porz-Urbacher Volksblatt: „Am 25. September 1913 entzündeten sich morgens Pulverblätter, die durch Sprengstoffspuren verunreinigt waren, beim Transport auf den Armen des Mädchen Paula Schnell. Es kam wohl häufiger vor, dass die Reibung beim Transport Blätter entzündete. Vor Aufregung warf das Mädchen die Blätter aber nicht auf den Boden, sondern in eine Kiste mit weiteren Pulverblättern. Dadurch vergrößerte sich der Brand, den der Schlossermeister Linke aus Eil zu löschen suchte. Zwar verließen 15 Arbeiterinnen vorschriftsmäßig den Raum, blieben jedoch unmittelbar hinter der Tür stehen. Das Feuer erreichte zwischenzeitlich fünf fertig gepackte Kisten mit Zündplättchen, jedes enthielt 120 Gramm Sprengstoff. Es folgte eine gewaltige Explosion. Der Schlossermeister Linke aus Eil und die 17-jährige Arbeiterin Katharina Ihnenfeld aus Rath erlitten lebensgefährliche Verletzungen, die 15-jährige Sybilla Mombauer aus Eil wurde getötet. Der 36-jährige Schlossermeister starb wenige Stunden später im Krankenhaus Kalk an seinen Verletzungen. 14 weitere Personen wurden durch einstürzende Dach- und Mauerteile verschüttet und teils schwer verletzt. Die Zündplättchenabteilung und der hintere Teil der Fabrik wurden bei der Explosion völlig zerstört. Bereits gegen 8 Uhr trafen die drei Porzer Ärzte ein und befaßten sich mit den Verletzten. Im Werk arbeiteten offensichtlich in erheblichem Umfang Kinder und Jugendliche aus Eil.“ Der Betrieb konnte bereits zum 19. Oktober wieder aufgenommen werden und die bei der Explosion zerstörten Gebäude wurden noch im Jahr 1913 wieder aufgebaut.
Im Jahr 1915 trat Bartsch die Konzession zur Fertigung von Sprengstoff an die Fabrik elektrischer Zünder GmbH ab. Die FEZ, eine 1895 gegründete Tochter der 1886 in Köln gegründeten Rheinisch Westfälische Sprengstoff AG (RWS), kaufte schließlich das Eiler Werk. Neben Wilhelm Bartsch, der hier von 1911 bis 1915 als Geschäftsführer bzw. Werkleiter tätig war, wird auch Carl Strunk von 1911 bis 1913 in diesen Funktionen genannt. Strunk hatte zuvor in der Leichlinger Zündwarenfabrik Winter & Strunk Zündmasse und -plättchen produziert.
Trimborn (2002) führt an, dass die nichtexplosive Troisdorfer Fertigung der FEZ/RWS zwischen 1916 und 1927 von deren dortiger Zündhütchenfabrik „Züfa“ nach Eil ausgelagert worden war, bevor die Fertigung am Eiler Hochkreuz aufgegeben wurde und wieder nach Troisdorf zurückkehrte. Das Porz-Wiki ergänzt dazu, dass die FEZ im Jahr 1916 die Gebäude um ein Kesselhaus, ein Labor und ein Magazin erweitert hatte und dass damit eine neue Zündhütchenfabrik entstand, deren Zünder ebenfalls für den Bergbau bestimmt waren. Die Fabrik am Hochkreuz produzierte zumindest bis zum Jahresende 1927.
Nach dem Ende der Zündkapselfabrik 1927 Einige Jahre später wurde 1933 auf dem Gelände der vormaligen Sprengstofffabriken von den Nationalsozialisten mit dem „Schutzhaftlager Am Hochkreuz“ eines der frühen, so genannten „wilden“ Konzentrationslager betrieben (vgl. dort). Nach der Auflösung des Lagers nutzte die SA die Bauten wohl noch bis 1936 als Schulungsstätte.
Ab 1938 wurde ein Teil des Areals von einem Modell- und Schreinereibetrieb genutzt, der ab 1943 als Peter Graf Maschinen-Apparate-Bau firmierte und Rohrleitungen und Industriebedarf fertigte. Jahre später residierte hier unter der Adresse Maarhäuser Weg 2-6 eine Firma Porzer Camping- und Freizeitmarkt Caravan Holke mit u.a. dem Verkauf und Verleih von Wohnwagen und Reisemobilen, deren Geschäftsbetrieb 2021/22 endete. Das Kesselhaus und umliegende Gebäude und Flächen wurden ab Januar 1948 von einer Firma Rus-Papier GmbH genutzt, die unter der Adresse Frankfurter Straße 774-776 Verpackungslösungen fertigte und mit Industriepapieren handelte. Das Unternehmen verlegte 2022 seinen Sitz in den Raum Aachen (porzerleben.de).
Das Porz-Wiki berichtet weiterhin: „Im Jahr 2012 kaufte die Stadt Köln den westlichen Teil des Geländes, auf dem ein vermietetes Wohnhaus und Nebengebäude standen, darunter das Pförtnerhaus. Der größere östliche Teil blieb im Besitz der Immobilienholding OSMAB, die das Gelände verwerten wird. Im Januar 2023 wurden alle noch bestehenden Gebäude auf dem Grundstück abgebrochen. Das mit der ursprünglichen Dynamitfabrik errichtete Kontorhaus auf der gegenüberliegenden Seite der Frankfurter Straße war bis zu einem Großbrand im April 2022 ein Restaurant.“
Lage, historische Karten, Objektgeometrie Auf den Kartenblättern der zwischen 1836 und 1850 erarbeiteten Preußischen Uraufnahme zeigt sich das spätere Areal der Dynamitfabrik und der dieser 1910 nachfolgenden Zündkapselfabrik noch vollständig unbebaut. In der Preußischen Neuaufnahme (1891-1912) ist dann vor Ort eine „Dynamit-Fbr.“ mit einer Grundfläche von gut 2,7 Hektar eingezeichnet, was der für 1893 angeführten Fläche des Dynamitfabrik-Geländes exakt entspricht. Die Objektgeometrie des einstigen Werksgeländes der beiden sich nachfolgenden Fabriken ist hier anhand der Neuaufnahme eingezeichnet. Das Areal der vormaligen Fabriken am Eiler Hochkreuz lässt sich auch noch in den zeitlich nachfolgenden topographischen Karten TK 1936-1945 ausmachen.
Internet koeln-muelheim.de: Eine Historie mit viel Zündstoff (Text Matthias Bauschen, Kölner Stadt-Anzeiger vom 25.01.2002, abgerufen 04.02.2026) porzerleben.de: Porz-Wiki, Dynamitfabrik Eil (abgerufen 12.03.2026) porzerleben.de: Porz-Wiki, Fabrikgelände Hochkreuz (abgerufen 12.03.2026) zeitpunkt.nrw: Historische Zeitungen (abgerufen 12.03.2026)
Explosivstoffabriken in Deutschland. Ein Nachschlagewerk zur Geschichte der Explosivstoffindustrie (2. völlig überarbeitete Auflage der Ausgabe von 1995). S. 181-182, Köln.
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