Mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt im 19. Jahrhundert wurde dieses Phänomen auf besondere Weise inszeniert, der vielleicht skurrilste Beruf am ganzen Mittelrhein war geboren: Der des Echobläsers. Die Aufgabe des Echobläsers war es, beim Eintreffen der Dampfschiffe das Echo als regionale Besonderheit durch das Blasen von Jagdhörnern oder Trompeten zu inszenieren. Die Schiffe antworteten dann durch Böllerschüsse. Man kann sich vorstellen, wie die Menschen auf den Schiffen dieses Schauspiel erlebten und wie jeder versuchte, den Echobläser mit einem Feldstecher oder Fernglas zu entdecken. Die Echobläser hatten einen nicht unerheblichen Anteil an der touristischen Erschließung und Romantisierung des Rheins.
Verortung des Echobläsers
Von wo aus der Echobläser seine Stücke inszenierte, ist umstritten. Karl Simrock beschreibt in seiner Beschreibung des Rheinlandes den Echobläser folgendermaßen:
„Bei der Lurlei (Loreley) pflegten dje Kölner Dampfschiffe innezuhalten, damit der Reisende ihre Stimme vernehme, denn den ienseitigen Felsen bewohnt ein von der Gesellschaft besoldeter Troglodite [ein Höhlenbewohner, Verf.], der sie durch Schießen und Blasen herausfordern muß, sich hören zu laßen. Die Düsseldorfer Schiffe pflegen sie durch Böllerschüße dazu anzufeuern.“ (Simrock 1865, S. 274) Demnach verortet Simrock den Standort der Echobläser in eine höhergelegene Felsenhöhle im Urbarer Berg. Bei diesem handelte es sich wahrscheinlich um den Echobläser Mathias Reiner (siehe unten).
Heute bringen ortskundige Heimatforscher eine andere Stelle ins Gespräch. Und zwar zeigt eine undatierte historische Postkarte aus Sankt Goarshausen einen Mann, bezeichnet als „Echobläser am Rhein“. Der dargestellte Standort lässt sich am Marktplatz oder vor dem Hotel Adler verorten. Demnach blies der Echobläser über den Rhein nach Sankt Goar, gegen den Biebernheimer Berg (Wackenberg). Als weiterer möglicher Standort kann die sogenannte „Echostelle“ am Fuß des Loreleyfelsens, im Volksmund wegen seiner Form „Teufels Arschbacken“ genannt, angesehen werden. Kinder aus der Gegend, die ihre Kindheit in den 1950er und 1960er Jahren verlebten, kannten diesen Ort noch, da man hier durch „Brüllen“ ein ausgeprägtes Echo erzeugen konnte. Diese Stelle ist durch den Umbau der Bundesstraße B42 verschwunden. Aber das Echoblasen gegen den Wackenberg in Sankt Goar und den Rabenack in Sank Goarshausen wäre aufgrund der so belassenen Felsformation bis heute möglich. Denkbar ist auch, dass der Standort der Echobläser mit der Zeit wechselte, was sich sicher auch auf die Inszenierung ausgewirkt haben dürfte.
Überlieferte Echobläser
Folgende Echobläser sind namentlich überliefert: Der Echo-Matthes aus Wellmich übte seinen Beruf von 1840 bis 1890 aus, der Schuhmacher und Echobläser Jakob Deinet aus St. Goarshausen (um 1900), sein Sohn Philipp Deinet, ebenfalls Schuhmacher, gen. „Polka-Schuster“ (um 1930). Gegen 1950 machte der Südwestfunk eine Tonaufnahme von seinem Trompetenspiel mit Echo. Um 1936 gab es auch einen Echobläser in St. Goar, genannt „Löffelmatthes“, und um 1980 den St. Goarer Echobläser Werner Philipp.
Zum „Echo-Matthes“, der mit bürgerlichem Namen Mathias Reiner (1816 geboren) hieß und der sein Instrument 52 Jahre lang spielte, wurde folgende Geschichte überliefert. Reiner soll 1866 vor König Wilhelm I. von Preussen als Echobläser aufgetreten sein, was ihm ein stattliches Trinkgeld eingebracht haben soll. Die 30 Taler, 10 Taler wurden alleine vom König gegeben, soll der Echobläser in einigen der insgesamt zwölf Wirtshäusern verzecht haben, die sich auf dem Heimweg befanden. Die sehr viel jüngere Frau soll daraufhin an König Wilhelm I. geschrieben und ihm ihr Leid geklagt haben. Der Mann sei überfallen und beraubt worden, so schrieb sie. Der König soll ihr daraufhin erneut 10 Taler überstellt haben.
(Florian Weber, Universität Koblenz; Ernst Dietrich Unruh, Mandelbachtal, 2026 / freundliche Hinweise von den Herren Werner Bonn, Manfred Köhn, Jürgen Deinet, Klaus Dietz und Frau Elfriede Müller-Gattermeier)