Blick auf die Wupperschleife bei Leichlingen (2013)
Copyright-Hinweis:
Sticht, Holger / Bündnis Heideterrasse e. V.
Fotograf/Urheber:
Holger Sticht
Medientyp:
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Blick auf die Wupperschleife bei Leichlingen (2013)
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Die Geschichte der 1907 begründeten Zündwarenfabrik Winter & Strunk am Ziegwebersberg in Leichlingen endete bereits 1921 infolge eines tragischen Explosionsunglücks, das 13 Menschenleben kostete.
Mit der Entdeckung des revolutionären Explosivstoffs Dynamit durch Alfred Nobel (1833-1896) im Jahr 1866 wurde weltweit ein regelrechter Boom um Sprengstoffe ausgelöst. Das neue Dynamit veränderte in der Zeit der Industrialisierung ganze Industrie- und Wirtschaftsbereiche nachhaltig. Insbesondere das Areal zwischen Opladen/Leverkusen, Schlebusch und Köln-Dünnwald entwickelte sich über die Ansiedlung einiger Zündstoff- und Sprengstoff-Fabriken damals in mehrfacher Hinsicht „explosiv“.
Der Standort Ziegwebersberg Die kleine Ortschaft nördlich von Leichlingen war einst aus einer mittelalterlichen Hofstelle hervorgegangen. Der namensgebende Ziegwebersberg (in Karten auch Eicherberg) steigt nach Osten hin auf rund 100 Meter Höhe über Normalnull an. Dem preußischen Gemeindelexikon zufolge zählte das Örtchen im Jahr 1905 lediglich 95 Einwohner und 22 Wohnhäuser. Seit den 1950er-Jahren ließen sich dann insbesondere Siedler aus Schlesien hier nieder. Zunächst 17 Siedler begründeten mit Unterstützung der Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen (UNRRA) die neue Siedlung Ziegwebersberg. Im Jahr 1951 wurde das erste Haus der „Waldsiedlung“ im nach Osten hin ansteigenden „oberen“ Teil von Ziegwebersberg errichtet. 1957 wurde von einem Teil der damaligen Bewohner eine Siedlergemeinschaft gegründet, der aktuell über 41 Haushalte angehören (ziegwebersberg.de).
Die Zündwarenfabrik Winter & Strunk Der Leichlinger Sprengstoffexperte Friedrich Trimborn (2002, analog auch Bauschen 2002) führt zu der Zündwarenfabrik Winter & Strunk am Ziegwebersberg an, dass diese um 1907 errichtet wurde und auch als „Pulvermühle“ bezeichnet wurde. Ob es hier zur Zeit der Gründung überhaupt zur Arbeitsaufnahme kam und etwas produziert wurde, ist unklar. Wohl schon 1908 erfolgte die Übernahme durch das „Amorces“-Zündplättchen herstellende Düsseldorfer Unternehmen Bluco, dessen Stammbetrieb im November 1907 in die Luft geflogen war. Bluco war 1885 von Theodor Blumberg als „Fabrik für Amorces und andere Zündwaren“ gegründet worden und produzierte Zündplättchen für Bergbau-Grubenlampen und Spielzeugpistolen, später dann auch Feuerwerkskörper aller Art (heute Blumberg GmbH & Co KG in Ratingen). Nun wurden in Leichlingen unter Leitung von Carl Strunk, der laut Trimborn früherer (Mit-) Eigentümer der Bluco war, Zündmasse und -plättchen produziert. Darüber, welche Art von Sprengstoff hier für die Herstellung der Zündplättchen verwendet wurde, liegen keine Informationen vor. Carl Strunk wechselte 1911 zu dem offenbar zur Fabrik elektrischer Zünder GmbH (FEZ, eine Tochter der Rheinisch Westfälische Sprengstoff AG, RWS) gehörenden Zünderproduzenten Bartsch & Real im damaligen Porz-Eil.
Die Geschichte der Ziegwebersberger Sprengstoffproduktion endete infolge einer verheerenden Explosion, die sich am 13. Februar 1921 zum mittäglichen Schichtwechsel ereignete und die gesamte Fabrik in die Luft jagte. „Von den 26 Beschäftigten, vornehmlich junge Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren, fanden 13 dabei den Tod, auch der Betriebsleiter kam um. Die Ursache des Unglücks (Werfen mit Zündmasse als grober Unfug?) konnte nicht eindeutig ermittelt werden, für das Ausmaß der Schäden war jedoch eine totale Überbelegung der Betriebsräume mit Personal und Material ausschlaggebend.“ (Trimborn 2002) Nachfolgende Anklagen gegen den Fabrikanten Carl Theodor Blumberg und den Werkmeister Karl Busch wegen „Schlamperei im Betrieb“ endeten mit Freisprüchen.
Das Leichlinger Werk wurde nicht wieder aufgebaut. Das Gelände wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in die ab 1950 entstehende Waldsiedlung Ziegwebersberg einbezogen.
Objektgeometrie und Lage anhand historischer Karten In den Karten der Preußischen Uraufnahme (1836-1850) erscheint das Areal am Ziegwebersberg abgesehen von einer kleinen Siedlung unmittelbar an der Straße nach Rupelrath (heutige L 288) noch kaum bebaut. Nahezu unverändert auch das Bild der für das Bestehen der Firma Winter & Strunk zeitgenössischen Preußischen Neuaufnahme aus der Zeit zwischen 1891 und 1912, die vor Ort jedoch leider keine Fabrik o.ä. ausweist (vgl. Kartensichten). Die Objektgeometrie ist hier daher lediglich symbolisch verortet. Ergänzende Hinweise zur einstigen Lage der Zündwarenfabrik sind willkommen!
Internet koeln-muelheim.de: Eine Historie mit viel Zündstoff (Text Matthias Bauschen, Kölner Stadt-Anzeiger vom 25.01.2002, abgerufen 11.02.2026) blumberg.de: Blumberg GmbH & Co. KG, Historie (abgerufen 11.03.2026) ziegwebersberg.de: Siedlergemeinschaft Ziegwebersberg (abgerufen 11.03.2026) de.wikipedia.org: Ziegwebersberg (abgerufen 11.03.2026)
Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung ... und anderer amtlicher Quellen (1888-1909) / Band XII: Rheinland. Berlin.
Trimborn, Friedrich (2002)
Explosivstoffabriken in Deutschland. Ein Nachschlagewerk zur Geschichte der Explosivstoffindustrie (2. völlig überarbeitete Auflage der Ausgabe von 1995). S. 150-151, Köln.
Zündwarenfabrik Winter & Strunk am Ziegwebersberg in Leichlingen
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