Beschreibung
Das Anwesen lag an der heutigen Friedrich-Ebert-Straße (ehemals Hermann-Göring-Straße). Es bestand aus einem Wohnhaus und einer vorgelagerten Scheune. Fotografische Überlieferungen zeigen das Wohnhaus auf der linken Straßenseite, davor die zugehörige Scheune. Über die bauliche Ausgestaltung des Gebäudes liegen keine weiteren Angaben vor.
Die jüdische Familie Abraham
Alfred Bär wurde am 26. Oktober 1882 in Hamm geboren und verstarb dort auch am 6. Februar 1922. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof des Ortes beigesetzt. Das Haus diente ihm und seiner Familie als Wohnsitz.
Alfred Bär war verheiratet mit Mathilde Bär, geb. 1891 in Sinzig. Aus der Ehe ging ein Sohn hervor, Herbert Bär (geb. 7. Juli 1919 in Hamm). Nach dem Tod Alfred Bärs heiratete Mathilde in zweiter Ehe Isaac Meyer aus Niederbreitbach. Am 20. Dezember 1938 wurde das Haus von Herbert Bär, vertreten durch Mathilde und Isaac Meyer, an den Arzt Dr. Heinrich Gerhardt und dessen Ehefrau Karoline Gerhardt verkauft. Dr. Gerhardt hatte bereits seit 1932 eine Arztpraxis in dem Gebäude betrieben. Die Familie zog anschließend nach Sinzig. Herbert Bär gelang im Rahmen eines Kindertransportes die Flucht nach England. Seine Nachkommen leben dort bis heute. Mathilde Meyer, geb. Bär, Isaac Meyer sowie ihr gemeinsamer Sohn Carl wurden im Ghetto Krasniczyn ermordet.
Bedeutung
Das Haus Alfred Bär besitzt hohe orts- und zeitgeschichtliche Bedeutung. Es dokumentiert jüdisches Alltagsleben in Hamm ebenso wie die Entrechtung, Verfolgung und erzwungene Vermögensübertragung jüdischer Familien in der Zeit des Nationalsozialismus. Zugleich steht es für individuelle Flucht- und Überlebensgeschichten, wie die Rettung Herbert Bärs durch einen Kindertransport.
Zeitliche Einordnung
- 1882: Geburt Alfred Bärs
- Frühes 20. Jahrhundert: Nutzung als Wohnhaus der Familie Bär
- 1922: Tod Alfred Bärs
- Ab 1932: Nutzung als Arztpraxis
- 1938: Verkauf des Hauses und Wegzug der Familie
- Zeit des Nationalsozialismus: Verfolgung und Ermordung von Familienangehörigen
Redaktioneller Hinweis
Der Beitrag berücksichtigt die historische Lage des Hauses in Bezug auf jüdisches Leben und wirtschaftliche Tätigkeit in Hamm. Familien- und Namensangaben wurden aus archivalischen Quellen und Zeitungsüberlieferungen rekonstruiert. Begriffe aus der NS-Zeit werden sachlich und quellenkritisch dargestellt.
(Arbeitsgruppe jüdisches Gedenken der Ortsgemeinde Hamm und die Tourist-Information der Verbandsgemeinde Hamm, 2025)
Quellen
- Personenstandsregister Hamm
- Kaufvertrag vom 20.12.1938
- Ortsgeschichtliche Unterlagen zur Friedrich-Ebertstraße
- Dokumentationen zu Kindertransporten
- Gedenk- und Opferlisten zu den Ghettos im besetzten Osteuropa