Beschreibung
Das Gebäude an der Dorfstraße, später Adolf-Hitler-Straße und Lindenallee, diente über einen langen Zeitraum als kombiniertes Wohn- und Geschäftshaus. Bereits im frühen 19. Jahrhundert ist es als Handelsstandort nachweisbar. Die baulichen Details sind nicht überliefert; im Mittelpunkt der Überlieferung steht die Nutzungsgeschichte des Hauses.
Die jüdische Familie Abraham
Die jüdische Familie Abraham ist in Hamm seit 1768 nachweisbar. Raphael Abraham (geb. 1. September 1768 in Hamm, † 5. Januar 1831 ebenda) erhielt im Jahr 1793 einen Schutzbrief für sich, neun Familienangehörige und Gesinde. Er war als Handelsmann tätig und vertrieb seine Waren auch außerhalb des Kirchspiels. Ab dem Jahr 1800 ist Raphael Abraham als Hausbesitzer steuerlich belegt. Seine Ehefrau war Jitta Joseph (geb. 1. Juli 1774 in Hamm, † 19. Januar 1844 ebenda).
Der Sohn Aphron (Aron) Abraham wurde am 8. September 1800 in Hamm geboren. Er heiratete Amalia Schilo Salmony (geb. 6. Januar 1809 in Hadamar). Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor: Friederike, Raphael Alberti (Albert), Salomon, Sara, Joseph und Leopold. Alle Kinder wurden in Hamm geboren und verbrachten dort ihre Jugendzeit.
Die Familie zieht weg
Im Jahr 1860 veräußerte Aron Abraham das Haus an Wilhelm Auen. Die Familie Abraham zog anschließend nach Koblenz. Dort gründeten Friederike sowie Raphael Alberti ihre Familien und blieben dauerhaft ansässig; sie wurden auf dem jüdischen Friedhof in Koblenz beigesetzt. Sohn Salomon lebte ab 1888 in Paris, Tochter Sara – verheiratet mit Jakob Winter – in Köln. Über die Lebenswege der Söhne Joseph und Leopold liegen bislang keine gesicherten Erkenntnisse vor.
Der neue Eigentümer
Wilhelm Auen war mit Henriette Weber, Tochter des Postexpedienten Heinrich Weber, verheiratet. In dem Gebäude betrieben sie ein kombiniertes Wohn- und Geschäftshaus mit Bäckerei und Mehlhandlung sowie einem Sortiment an Manufaktur- und Kolonialwaren, ergänzt durch Tabak- und Zigarrenverkauf. Nach dem Tod Wilhelm Auens, dessen Umstände nicht eindeutig überliefert sind, veräußerte seine Witwe das Anwesen im Jahr 1935 an den Bäcker- und Konditormeister Alfred Paul. Unter dessen Namen wurde das Gebäude später als „Café Paul“ bekannt.
Redaktioneller Hinweis
Der Beitrag basiert auf archivalisch belegten Angaben zur Besitz- und Nutzungsgeschichte des Gebäudes. Bauliche Details sind bislang nicht näher untersucht.
(Arbeitsgruppe jüdisches Gedenken der Ortsgemeinde Hamm und die Tourist-Information der Verbandsgemeinde Hamm, 2025)
Quellen
- Katasterverzeichnis Hamm, 1831
- Schutzbriefregister der jüdischen Bevölkerung
- Personenstandsregister Hamm
- Orts- und familiengeschichtliche Forschungen zur jüdischen Gemeinde Hamm