Grube Gouley

Zeche Gouley, Bergwerk Gouley

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Würselen
Kreis(e): Städteregion Aachen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 49′ 58,79″ N: 6° 07′ 10,8″ O 50,833°N: 6,11967°O
Koordinate UTM 32.297.180,63 m: 5.635.207,96 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.508.474,41 m: 5.633.074,95 m
  • Postkarte der Zeche Gouley in Würselen um 1900

    Postkarte der Zeche Gouley in Würselen um 1900

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Die Grube Gouley in Würselen zählt zu den ältesten und bedeutendsten Steinkohlenbergwerken im Wurmrevier und prägt die Geschichte der Region über mehr als drei Jahrhunderte. Sie wurde 1599 erstmals im Aachener Kohlwerksregister erwähnt und trug damals den Namen „Gute Ley“, was so viel bedeutet wie „guter Fels“. Damit gehört sie zu den frühesten dokumentierten Gruben des Gebietes.

Im frühen 19. Jahrhundert begann die eigentliche Modernisierung des Bergwerks. 1807 wurde sie unter französischer Verwaltung neu konzessioniert und 1817 von dem Lütticher Fabrikanten Gérard Demet übernommen, der technische Neuerungen einführte - darunter 1819 eine Dampfmaschine zur Wasserhaltung, die die Produktivität deutlich steigerte und den Abbau intensivierte. Die Grube erlebte im Januar 1834 ein schweres Unglück: In der Nacht vom 25. auf den 26. Januar drangen Wassermassen in die Stollen ein, was zum Tod von 63 Bergleuten führte. Dieses Ereignis wurde später als ein Auslöser für die Schaffung eines organisierten Knappschaftswesens im Wurmrevier betrachtet.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts strukturierte sich die Grube organisatorisch und technisch weiter: 1858 wurde sie Teil der Vereinigungsgesellschaft für Steinkohlenbau im Wurmrevier, die mehrere Gruben verband. 1860 wurde ein neues Kesselhaus im Betrieb genommen. 1875 erhielt Gouley einen Anschluss an die Eisenbahnstrecke Stolberg-Morsbach, wodurch der Transport der Kohle deutlich effizienter wurde; 1892 erfolgte der Anschluss an die Strecke nach Kohlscheid.

1907 übernahm der Eschweiler Bergwerksverein (EBV) das Bergwerk und in den folgenden Jahrzehnten wuchs die Belegschaft auf über 2.000 Beschäftigte an. Die Grube spielte eine zentrale wirtschaftliche Rolle für Würselen und die Umgebung. Der Betrieb wurde im Ersten Weltkrieg durch Arbeits- und Versorgungsengpässe sowie durch die zeitweise Besetzung des Raumes durch französische und belgische Truppen unterbrochen. Im Zweiten Weltkrieg stand das Bergwerk infolge der Kampfhandlungen längere Zeit im Fokus militärischer Auseinandersetzungen. Außerdem wurden Zwangsarbeiter eingesetzt, um Personalengpässe zu kompensieren.

In der Nachkriegszeit profitierte das Bergwerk von industriellen Rationalisierungen. Inwieweit profitierten? Etwas unklar1951 wurden die benachbarten Grube Laurweg und Gouley über einen Blindschacht verbunden und zum Verbundbergwerk „Gouley-Laurweg“ zusammengeführt, was organisatorische und technische Vorteile brachte. In dieser Zeit wurden auch die Kohlenwäsche, der Grubenbahnhof und die Förderanlagen erweitert. 1960 wurde ein neuer, annähernd 70 Meter hoher Förderturm errichtet, der bald zum Wahrzeichen der Stadt Würselen wurde. Trotz dieser Maßnahmen führte der strukturelle Rückgang der Nachfrage nach Anthrazitkohle, bedingt durch die zunehmende Verbreitung von Öl- und Gasheizungen, zu wirtschaftlichen Problemen. Die Fördermengen gingen ab 1967 deutlich zurück, und am 31. März 1969 wurde die Förderung in der Grube Gouley endgültig eingestellt. Viele der unterirdischen Anlagen dienten noch einige Jahre zur Wasserhaltung benachbarter Bergwerke.

Nach der Stilllegung wurde die industrielle Infrastruktur weitgehend niedergelegt. Der markante Förderturm, der lange das Würselener Stadtbild prägte, wurde 1994 gesprengt. Auf dem ehemaligen Grubengelände entstand eine rekultivierte Landschaft mit Haldenbereichen, die heute als Naherholungsraum genutzt werden.

In der Rückschau markiert die Grube Gouley nicht nur mehr als 350 Jahre Bergbaugeschichte, sondern auch den tiefgreifenden sozialen und wirtschaftlichen Wandel der Region vom frühneuzeitlichen Bergbau bis zur Industrialisierung und schließlich zur strukturellen Transformation des Energiesektors im 20. Jahrhundert.

(Karl Peter Wiemer, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V., 2026)

Internet
geschichtswerkstatt-wuerselen.de: Die Grube Gouley 1599–1969 (abgerufen 24.09.2026)
de.wikipedia.org: Grube Gouley (abgerufen 24.09.2026)
grube-anna.info: Grube Gouley (abgerufen 24.09.2026)

Grube Gouley

Schlagwörter
Ort
51597 Würselen - Morsbach
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Vor Ort Dokumentation
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1599, Ende 1968

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Empfohlene Zitierweise
Karl Peter Wiemer: „Grube Gouley”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356865 (Abgerufen: 24. September 2026)
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