Mühle Anna und Museum in Norby

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Rieseby
Kreis(e): Rendsburg-Eckernförde
Bundesland: Schleswig-Holstein
Koordinate WGS84 54° 32′ 35,38″ N: 9° 48′ 12,22″ O 54,54316°N: 9,8034°O
Koordinate UTM 32.551.973,74 m: 6.044.253,48 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.552.062,65 m: 6.046.232,27 m
Idyllisch in die Landschaft Schwansen eingebettet liegt die schon von Weitem sichtbare Mühle Anna. Als so genannter Galerie-Holländer wurde sie 1911 errichtet. Das heimatgeschichtliche Museum wurde 1997 eröffnet.

Geschichte der Mühle
Eine erste Mühle in Norby, ein Galerie-Holländer mit Steert, errichtete der Mühlenbauer Peter Mau aus Sterup 1880/1881 für den Müller Peter Möller. Die Mühle wechselte in den folgenden Jahren mehrfach den Besitzer und wurde 1890 um eine eigene Sägerei erweitert. Im Mai 1910 brannte diese erste Mühle ab.
Als Ersatz wurde in Westerhever auf der Halbinsel Eiderstedt eine alte Mühle gekauft, die bereits zwischen 1908 und 1910 abgebrochen worden war. Sie hatte den alt hergebrachten Namen „Anna“. Die ursprüngliche Mühle war ein Erdholländer mit Segelbespannung auf einer Warft, dessen Kammrad die Bezeichnung „ID 1786“ als Baujahr trägt. Mit Pferdefuhrwerken transportierte man die Bauteile der Mühle nach Norby.
Hier hatte man zunächst einen dreigeschossigen, rechteckigen Unterbau mit einer Galerie errichtet, woran sich das villenartige Fachwerkhaus des Müllers August Mordhorst anschloss.
Auf den Unterbau setzte man den hölzernen Turm auf. Beim Bau verwendete man die Flügel und die eisernen Bruststücke (die Teile, die die Flügel aufnehmen) von der Grünen Mühle, die 1911 in Eckernförde-Borby abgebrochen worden war. Die Flügelflächen bestanden aus Jalousienklappen, die über einen zentralen Mechanismus in verschiedenen Winkeln zum Wind gestellt werden konnten. Mit Hilfe der Windrose (anstelle des Steerts) drehte sich die Kappe automatisch in den Wind.
Im Mühlengebäude richtete Mordhorst vier Mahlwerke ein, die sowohl mit Windkraft als auch mit Elektromotoren betrieben werden konnten.
nach oben

Die neue Mühle wurde 1913/14 in Betrieb genommen, ein Zeitpunkt zu dem das Mühlensterben bereits im Gange war. Die kleinen lokalen Werke wurden von Großmühlen abgelöst, die unabhängig vom Wetter betrieben werden konnten. Die beiden Weltkriege verzögerten jedoch diese Entwicklung, die kleinen Anlagen wurden für die Versorgung der Bevölkerung weiterhin benötigt. In Rieseby mahlte man in einem vereinfachten Verfahren täglich rund 150 Zentner Hafer, der eigentlich als Viehfutter genutzt wurde.

1947 übergab August Mordhorst den Betrieb an seinen Sohn Ludwig. Zwischenzeitlich war eine Bäckerei angeschlossen worden. In den 1950er Jahren nutzte man die Mühle zur Saatreinigung und zur Herstellung von Schrot für die Schweinemast.
In den 1970er Jahren wurde der aufwändige Betrieb der Mühle zusehends schwieriger. Sie wurde 1978 verkauft. Der neue Besitzer baute die Mühle um. Sie bekam neue Flügel, die Kappe wurde erstmals abgenommen und restauriert. Um Wohnungen einzurichten, bekam die Anlage eine neue Galerie sowie neue Fenster und Türen.
Nach einem erneuten Besitzerwechsel verfiel die Mühle; Windrad und Flügel brachen ab. In einer Zwangsversteigerung 1991 ging das Wohnhaus in Privatbesitz, während die Gemeinde Rieseby Mühle und Sägerei erwarben.

Zur Einrichtung eines heimatgeschichtlichen Museums wurde die Mühle grundlegend restauriert. Erneut wurde die Kappe abgenommen und mit einem neuen Kupferdach bedeckt. Für die Flügel erwarb man in den Niederlanden neue Stahlruten, die zusammen mit der erneuerten Kappe montiert wurden. Allerdings musste auf die Möglichkeit des Drehens der Kappe verzichtet werden: die Flügel weisen dauerhaft nach Osten und die Windrose hat keine Funktion mehr. An windigen Tagen mit Ostwind können sich die Flügel drehen.
nach oben
Das Heimatmuseum
Die Idee, ein Heimatmuseum einzurichten, stammte vom Arbeitskreis Riesebyer Heimatgeschichte und seinem Gründer Wilhelm Bronnmanns (1928–2000). Die restaurierte Mühle und die zugehörige Sägerei konnten nach Erwerb durch die Gemeinde 1994 als Museum eingerichtet werden.
Zusätzlich entstanden ein Göpelschuppen, eine Wagenremise, ein Brotbackofen, ein Bienenhaus und eine Obstwiese. Im ehemaligen Müllerhaus hat sich ein Künstlerehepaar ein kleines und feines Atelier sowie einen Laden eingerichtet.
Mit über 2000 Exponaten der verschiedensten Epochen gibt das Museum einige Einblicke in das Leben der Vergangenheit. Zu den ältesten Funden gehören Gerät und Waffen aus den stein- und bronzezeitlichen Epochen. Eine historische Fotoabteilung ruft die vergangenen Zeiten wieder in Erinnerung und erschließt die Arbeit eines Fotografen, als es noch keine digitalen Fotografien gab. Alte Spinnräder und Mangeln zeigen das Leben der Hausfrauen vor 150 Jahren. Sogar eine Nachbildung des imposanten Herrenhauses von Büstorf (1775–1983) ist im Mühleninneren zu bewundern.

Im Außenbereich bietet die alte Sägerei aus dem Jahre 1890 Flächen für Sonderausstellungen. Hier werden auf zwei Etagen interessante Sammlungen aus den Bereichen Textil, Haushalt und Handwerk präsentiert. Im Erdgeschoss wurde eine historische Schuhmacherwerkstatt eingerichtet sowie im hinteren Anbau eine komplette Stellmacherei und eine Schmiede.
Besonders bemerkenswert ist der große Göpelschuppen, in dem kleinere landwirtschaftliche Maschinen zu sehen sind, die früher von Pferden angetrieben wurden. Göpel, auch Rosswerk genannt, sind gusseiserne Getriebe mit offenliegenden Zahnrädern. Die meist senkrecht stehende Antriebswelle treibt das Getriebe und betreibt über die Antriebswelle die angeschlossene Maschine. Als Antrieb des Göpels wurden zumeist Pferde oder Ochsen eingesetzt. Der hier gezeigte Göpel stammt ursprünglich aus Meppen in Niedersachsen.
nach oben
(Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH) / Claus Weber, KuLaDig-Redaktion und Vertrauensmann für KuLaDig in Schleswig-Holstein, 2026)

Hinweis
Die Mühle Anna ist eingetragenes Kulturdenkmal (Baudenkmal, Objektnummer 3488).

Internet
efi2.schleswig-holstein.de: „Windemühle Anna“ in der Denkmaldatenbank Schleswig-Holstein (abgerufen 28.1.2026)
www.museum-muehle-anna.de: Museum Mühle Anna (abgerufen 24.1.2026)

Literatur

Carnap-Bornheim, Claus von; Segschneider, Martin (Hrsg.) (2012)
Die Schleiregion. Land - Wasser - Geschichte. (Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur in Deutschland 49.) S. 231-232, Stuttgart.

Mühle Anna und Museum in Norby

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Möhlnbarg 5
Ort
24354 Rieseby - Norby
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG SH 2015
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1911 bis 1914

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt steht unter der freien Lizenz CC BY 4.0 (Namensnennung). Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Mühle Anna und Museum in Norby”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356852 (Abgerufen: 25. Februar 2026)
Seitenanfang