Die Burganlage
Die Anlage entstand auf einer von Niederungen umgebenen Moränenkuppe von rund 260 Metern Länge und 160 Metern Breite, geschickt an das Gelände angepasst. Es war ein Ringwall aus Holz und Erde. Die Konstruktion der Burg bestand aus erdgefüllten Bohlenkästen und hatte einen Durchmesser von rund 100 Metern sowie eine Höhe von etwa 7 Metern. Der Burgwall wurde vermutlich im späten 8. Jahrhundert, spätestens um 800, errichtet. Funde von Keramik und der Burgentyp – ein sogenannter Burgwall des Feldberger Typs – weisen auf eine Hauptnutzungszeit im 9. Jahrhundert hin. Archäologische Untersuchungen fanden bislang nur wenige statt. Allerdings ergaben geomagnetische Analysen des Instituts für Geowissenschaften der Universität Kiel, dass sich im Innenbereich der Burg keine festen Gebäude befanden.
Die Burg diente vermutlich als Sitz eines lokalen Herrschers der Polaben und als Schutz- und Verwaltungszentrum für umliegende Dörfer. Zwischen der Burg und dem Oldenburger See befand sich eine offene Siedlung, in der Keramikscherben ausschließlich slawischen Ursprungs gefunden wurden.
Wahrscheinlich lebte ein slawisches Oberhaupt mit seiner Familie, Kriegern und Bediensteten auf der Burg. Die Menschen bestellten Felder, hielten Vieh und betrieben Handwerk – Grundlage ihrer täglichen Versorgung. So entstand eine kleine, lebendige Gemeinschaft, in der Landwirtschaft, Handel und Handwerk eng miteinander verbunden waren.
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Geschichte der Region
Während der Völkerwanderungszeit waren die im heutigen Holstein ansässigen germanischen Stämme größtenteils abgezogen. Um 700 nach Christus wanderten slawische Stämme in das weitgehend entvölkerte Holstein ein. Im Gebiet des heutigen Kreises Herzogtum Lauenburg siedelten die Polaben, ein Unterstamm der westslawischen Abodriten.
Zunächst errichteten sie keine Burgen, da ihre einfachen Siedlungs- und Wirtschaftsstrukturen solche Bauwerke weder erforderten noch zuließen. Erst um die Mitte des 8. Jahrhunderts, mit dem Aufschwung des Seehandels und der Entstehung von Marktorten, entstanden die ersten Burgen. In den Jahrzehnten um 900 wurden die meisten dieser Burgen wieder aufgegeben, da die slawische Stammeswelt in eine wirtschaftliche und politische Krise geraten war. Im 10./11. Jahrhundert wurden nun kleinere Rundwälle mit etwa 50 Metern Durchmesser für dezentrale und kleinteilige Machtverhältnisse errichtet.
Der sächsische Herzog Heinrich der Löwe (1129-1195) eroberte das von den Polaben besiedelte Gebiet des späteren Herzogtums Lauenburg und machte daraus einen Teil Sachsens. 1154 erhielt er das Recht zur Bischofsinventur und gründete unter anderem das Bistum Ratzeburg. 1180 verlor Heinrich die Herzogtümer Sachsen und Bayern. Sachsen und damit Lauenburg ging an das Haus der Askanier über.
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HinweiseDer Burgwall ist eingetragenes Kulturdenkmal (Bodendenkmal, ALSH-000689).
Der Oldenburger See liegt im Naturschutzgebiet „Oldenburger See und Umgebung“ (NSG-Nr. 127).
(Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH), 2025 / redaktionell bearbeitet von Claus Weber, KuLaDig-Redaktion und Vertrauensmann für KuLaDig in Schleswig-Holstein, 2026)
Quellen
Fundberichte im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH)
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Internetde.wikipedia.org: Oldenburger Wall (Horst) (abgerufen 23.1.2026)
geschichte-s-h.de: Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte: Abodriten (abgerufen 23.1.2026)
de.wikipedia.org: Slawischer Burgwall (abgerufen 23.1.2026)
de.wikipedia.org: Polaben (abgerufen 23.1.2026)