Oldenburger Wall bei Horst

Burgwall von Horst

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Horst (Kreis Herzogtum Lauenburg)
Kreis(e): Herzogtum Lauenburg
Bundesland: Schleswig-Holstein
Koordinate WGS84 53° 36′ 3,16″ N: 10° 45′ 47,51″ O 53,60088°N: 10,7632°O
Koordinate UTM 32.616.673,98 m: 5.940.561,72 m
Koordinate Gauss/Krüger 4.418.225,58 m: 5.941.762,43 m
  • Computergenerierte Rekonstruktion des Oldenburger Walls bei Horst

    Computergenerierte Rekonstruktion des Oldenburger Walls bei Horst

    Copyright-Hinweis:
    Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein / Ronny Krüger
    Fotograf/Urheber:
    Ronny Krüger
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Der Oldeburger Wall (2018)

    Der Oldeburger Wall (2018)

    Copyright-Hinweis:
    Sebastian Koppehel CC BY 4.0
    Fotograf/Urheber:
    Sebastian Koppehel
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Oldenburger Wall, Blick in den Innenraum (2013)

    Oldenburger Wall, Blick in den Innenraum (2013)

    Copyright-Hinweis:
    Matzematik CC BY-SA 3.0
    Fotograf/Urheber:
    Matzematik
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Gefundene slawische Tonscherben vom Oldenburger Wall bei Horst.

    Gefundene slawische Tonscherben vom Oldenburger Wall bei Horst.

    Copyright-Hinweis:
    Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein
    Fotograf/Urheber:
    Unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Der slawische Burgwall von Horst, die sogenannte Oldenburg, wurde vermutlich im späten 8. Jahrhundert, spätestens um 800, errichtet. Funde von Keramik weisen auf eine Hauptnutzungszeit im 9. Jahrhundert hin. Die Burg diente vermutlich als Sitz eines lokalen Herrschers der Polaben und als Schutz- und Verwaltungszentrum für umliegende Dörfer.

Die Burganlage
Die Anlage entstand auf einer von Niederungen umgebenen Moränenkuppe von rund 260 Metern Länge und 160 Metern Breite, geschickt an das Gelände angepasst. Es war ein Ringwall aus Holz und Erde. Die Konstruktion der Burg bestand aus erdgefüllten Bohlenkästen und hatte einen Durchmesser von rund 100 Metern sowie eine Höhe von etwa 7 Metern. Der Burgwall wurde vermutlich im späten 8. Jahrhundert, spätestens um 800, errichtet. Funde von Keramik und der Burgentyp – ein sogenannter Burgwall des Feldberger Typs – weisen auf eine Hauptnutzungszeit im 9. Jahrhundert hin. Archäologische Untersuchungen fanden bislang nur wenige statt. Allerdings ergaben geomagnetische Analysen des Instituts für Geowissenschaften der Universität Kiel, dass sich im Innenbereich der Burg keine festen Gebäude befanden.
Die Burg diente vermutlich als Sitz eines lokalen Herrschers der Polaben und als Schutz- und Verwaltungszentrum für umliegende Dörfer. Zwischen der Burg und dem Oldenburger See befand sich eine offene Siedlung, in der Keramikscherben ausschließlich slawischen Ursprungs gefunden wurden.
Wahrscheinlich lebte ein slawisches Oberhaupt mit seiner Familie, Kriegern und Bediensteten auf der Burg. Die Menschen bestellten Felder, hielten Vieh und betrieben Handwerk – Grundlage ihrer täglichen Versorgung. So entstand eine kleine, lebendige Gemeinschaft, in der Landwirtschaft, Handel und Handwerk eng miteinander verbunden waren.
nach oben

Geschichte der Region
Während der Völkerwanderungszeit waren die im heutigen Holstein ansässigen germanischen Stämme größtenteils abgezogen. Um 700 nach Christus wanderten slawische Stämme in das weitgehend entvölkerte Holstein ein. Im Gebiet des heutigen Kreises Herzogtum Lauenburg siedelten die Polaben, ein Unterstamm der westslawischen Abodriten.
Zunächst errichteten sie keine Burgen, da ihre einfachen Siedlungs- und Wirtschaftsstrukturen solche Bauwerke weder erforderten noch zuließen. Erst um die Mitte des 8. Jahrhunderts, mit dem Aufschwung des Seehandels und der Entstehung von Marktorten, entstanden die ersten Burgen. In den Jahrzehnten um 900 wurden die meisten dieser Burgen wieder aufgegeben, da die slawische Stammeswelt in eine wirtschaftliche und politische Krise geraten war. Im 10./11. Jahrhundert wurden nun kleinere Rundwälle mit etwa 50 Metern Durchmesser für dezentrale und kleinteilige Machtverhältnisse errichtet.
Der sächsische Herzog Heinrich der Löwe (1129-1195) eroberte das von den Polaben besiedelte Gebiet des späteren Herzogtums Lauenburg und machte daraus einen Teil Sachsens. 1154 erhielt er das Recht zur Bischofsinventur und gründete unter anderem das Bistum Ratzeburg. 1180 verlor Heinrich die Herzogtümer Sachsen und Bayern. Sachsen und damit Lauenburg ging an das Haus der Askanier über.
nach oben
Hinweise
Der Burgwall ist eingetragenes Kulturdenkmal (Bodendenkmal, ALSH-000689).
Der Oldenburger See liegt im Naturschutzgebiet „Oldenburger See und Umgebung“ (NSG-Nr. 127).

(Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH), 2025 / redaktionell bearbeitet von Claus Weber, KuLaDig-Redaktion und Vertrauensmann für KuLaDig in Schleswig-Holstein, 2026)

Quellen
Fundberichte im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH)
nach oben
Internet
de.wikipedia.org: Oldenburger Wall (Horst) (abgerufen 23.1.2026)
geschichte-s-h.de: Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte: Abodriten (abgerufen 23.1.2026)
de.wikipedia.org: Slawischer Burgwall (abgerufen 23.1.2026)
de.wikipedia.org: Polaben (abgerufen 23.1.2026)

Literatur

Biermann, Felix (2014)
Die Wall- und Grabenanlagen auf dem Hamburger Domplatz und und der nordwestslawische Burgenbau. In: Rainer-Maria Weiss / Anne Klammt (Hrsg.), Mythos Hammaburg. Archäologische Entdeckungen zu den Anfängen Hamburgs. Veröffentlichungen des Helms-Museums, Archäologisches Museum Hamburg, Stadtmuseum Hamburg, Nr. 107, S. 377-387. Hamburg.
Dehio, Georg (2009)
Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hamburg, Schleswig-Holstein. Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde, aktualisiert von Susanne Grötz, Klaus Jan Philipp, Lutz Wilde. S. 730, Berlin.

Oldenburger Wall bei Horst

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Lehmrader Weg
Ort
25358 Horst
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG SH 2015
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Archäologische Grabung, Archäologische Prospektion, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 800

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt steht unter der freien Lizenz CC BY 4.0 (Namensnennung). Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Oldenburger Wall bei Horst”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356851 (Abgerufen: 12. April 2026)
Seitenanfang