Beschreibung
Das Gebäude liegt in der Scheidterstraße 16 und entstand nach Abriss eines alten Nachbarhauses (vormals Tobias) durch Alexander Bachenheimer. Es ist ein Wohn- und Geschäftshaus, das Wohnräume für die Familie und Handelsflächen für den Viehhandel bot. Auf historischen Fotografien ist das neu aufgebaute Haus rechts neben dem alten Haus Tobias sichtbar.
Geschichte
Alexander Bachenheimer (geb. 12. Juli 1888 in Hallenberg) war verheiratet mit Helena Bachenheimer, geb. Gunzenhäuser (geb. 2. Mai 1889 in Wissen). Gemeinsam lebten sie zunächst in Hamm im Hof Paul im Ringelsmorgen und betrieben dort einen Viehhandel. 1932 erwarb das Ehepaar das Haus von Hermann Tobias in der Scheidterstraße 16. Kurz darauf kaufte Alexander Bachenheimer auch das Nachbarhaus, riss es ab und baute es neu auf. Im Anschluss verlegte er den Wohnsitz seiner Familie sowie den Viehhandel aus dem „Paulschen Hof“ hierher. Das Ehepaar hatte einen Sohn Kurt Bachenheimer (geb. 2. Mai 1921 in Hamm). Am 21. Oktober 1938 meldeten sich Alexander, Helena und ihr Sohn in Hamm ab und emigrierten über Köln im Jahr 1939 in die USA. Eine Nichte von Alexander, Eva Zwingmann, lebte später in Kreuztal-Eichen und hielt Kontakt zu Horst Moog. Nach der Emigration der Familie Bachenheimer übernahm das Haus die Familie Käsberg, die nach Hamm zugezogen war.
Bedeutung
Das Haus dokumentiert jüdisches Leben und Unternehmertum in Hamm, insbesondere die Tätigkeit der Familie Bachenheimer im Viehhandel. Die Ereignisse von 1938 bis 1939 zeigen die erzwungene Abmeldung und Emigration jüdischer Familien während der NS-Herrschaft. Die Überlieferung des Gebäudes vermittelt Erinnerung an die familiären, sozialen und wirtschaftlichen Netzwerke der jüdischen Gemeinde in Hamm.
Zeitliche Einordnung
- ca. 1932: Erwerb und Neubau durch Alexander Bachenheimer
- 1932–1938: Nutzung als Wohn- und Geschäftshaus (Viehhandel)
- 21.10.1938: Abmeldung der Familie in Hamm
- 1939: Emigration in die USA
- Nach 1938: Übernahme des Hauses durch die Familie Käsberg
Redaktioneller Hinweis
Der Beitrag berücksichtigt die historische Lage des Hauses in Bezug auf jüdisches Leben und wirtschaftliche Tätigkeit in Hamm. Familien- und Namensangaben wurden aus archivalischen Quellen und Zeitungsüberlieferungen rekonstruiert. Begriffe aus der NS-Zeit werden sachlich und quellenkritisch dargestellt.
(Arbeitsgruppe jüdisches Gedenken der Ortsgemeinde Hamm und die Tourist-Information der Verbandsgemeinde Hamm, 2025)
Quellen
- Melderegister Hamm, 1938
- Zeitungsartikel Altenkirchener Kreisblatt, 30. Mai 1932
- Familienüberlieferungen der Bachenheimer/Zwingmann
- Archivbilder des Hauses in Hamm