Pfarrkirche Sankt Severin in Erpel

Severinus

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Architekturgeschichte
Gemeinde(n): Erpel
Kreis(e): Neuwied
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 34′ 56,42″ N: 7° 14′ 15,83″ O 50,58234°N: 7,23773°O
Koordinate UTM 32.375.239,18 m: 5.604.863,55 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.587.705,90 m: 5.605.916,36 m
  • Pfarrkirche Sankt Severin in Erpel (2013)

    Pfarrkirche Sankt Severin in Erpel (2013)

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    Erpel, Sankt Severin

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Sankt Severin prägt den historischen Ortskern von Erpel als weithin sichtbare Pfarrkirche und zählt zu den bedeutendsten spätromanischen Sakralbauten am Mittelrhein. Das Gotteshaus, dem heiligen Severin von Köln geweiht, erhebt sich in markanter Lage über den engen Gassen des alten Weinortes und dokumentiert in seinem heutigen Erscheinungsbild eine vielschichtige Baugeschichte vom Hochmittelalter bis in die Neuzeit. Der Bau steht als Kulturdenkmal unter Schutz und besitzt nicht nur ortsgeschichtliche, sondern auch kunst- und architekturhistorische Bedeutung.

Die Ursprünge der Kirche reichen vermutlich bis in das 10. oder frühe 11. Jahrhundert zurück. Von einem älteren, wohl einschiffigen Vorgängerbau hat sich das Untergeschoss des Westturms erhalten, das als ältester Bauteil gilt. In der Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die frühere Kirche weitgehend abgebrochen und durch einen repräsentativen Neubau ersetzt. Dieser entstand als dreischiffige Emporenbasilika im sogenannten rheinischen Übergangsstil, einer Bauweise, die romanische und frühgotische Elemente miteinander verbindet. Charakteristisch hierfür sind die noch massiven, klar gegliederten Wand- und Pfeilerformen romanischer Tradition, die jedoch bereits durch größere Öffnungen, stärker gegliederte Gewölbeformen und eine gesteigerte Vertikalität in Richtung Gotik weisen.

Architektonisch handelt es sich um eine ungewöhnlich kompakte, sorgfältig proportionierte Emporenbasilika aus Bruchsteinmauerwerk. Das Langhaus war ursprünglich durch zwei Doppeljoche gegliedert und besaß Emporen über den Seitenschiffen, wie sie für repräsentative rheinische Kirchen des Hochmittelalters typisch waren. Der rechteckige Chor schloss den Bau nach Osten ab. Der massive Westturm, dessen Unterbau aus dem älteren Vorgängerbau stammt, verleiht der Kirche ihre wehrhafte Silhouette und fungiert zugleich als historisches Bindeglied zwischen mehreren Bauphasen. Im 15. Jahrhundert erhielt das Turmuntergeschoss ein Netzgewölbe, das bereits deutlich spätgotische Formen aufnimmt. Die Verbindung von älteren romanischen Mauerteilen und gotischer Gewölbegestaltung gehört zu den bemerkenswerten Eigenheiten des Bauwerks.

Einen tiefgreifenden Wandel erfuhr Sankt Severin im Jahr 1751. Im Zuge barocker Umbauten wurden die östlichen Joche der Seitenschiffe und die mittelalterlichen Emporen entfernt, um den Innenraum heller und großzügiger erscheinen zu lassen. Dadurch entstand ein querhausartiger Eindruck, der zeitgenössischen Vorstellungen einer besseren Belichtung und liturgischen Übersicht entsprach. Gleichzeitig wurden Chorfenster erweitert und Raumproportionen verändert. Diese Eingriffe veränderten den mittelalterlichen Charakter erheblich, dokumentieren jedoch anschaulich den Wandel kirchlicher Raumvorstellungen in der Frühen Neuzeit. Erst bei einer grundlegenden Restaurierung in den Jahren 1964/65 rekonstruierte man die historischen Emporen teilweise wieder, um den ursprünglichen spätromanischen Charakter der Kirche stärker hervortreten zu lassen. Dabei orientierte man sich an bauhistorischen Befunden und vergleichbaren rheinischen Emporenbasiliken.

Der Innenraum verbindet mittelalterliche Architektur mit einer überwiegend barocken Ausstattung. Besonders hervorzuheben sind eine Figur des Erzengels Michael aus der Zeit um 1475, die qualitätvoll spätgotische Bildschnitzerei repräsentiert, sowie die reich gestaltete Kanzel von 1736, deren Schalldeckel ebenfalls von einer Michaelsfigur bekrönt wird. Bedeutend sind zudem spätmittelalterliche Chorfenster beziehungsweise erhaltene Verglasungsreste aus dem 15. Jahrhundert, die zu den ältesten Ausstattungselementen zählen. Die liturgische Ausstattung wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach ergänzt und verändert, ohne den historischen Charakter des Raumes grundsätzlich zu überformen.

Zur kulturhistorischen Identität der Kirche gehört auch eine lokale Überlieferung, nach der Erpel 1164 Raststation beim Transport der Reliquien der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Köln gewesen sei. Der Legende zufolge seien die Reliquien in einem älteren Kirchenbau von Sankt Severin aufbewahrt worden. Historisch gesichert ist diese Episode nicht; sie prägte jedoch das lokale Selbstverständnis nachhaltig und fand Ausdruck im Ortswappen Erpels, das drei Kronen zeigt. Als identitätsstiftende Erinnerungskultur besitzt die Erzählung dennoch erhebliche ortsgeschichtliche Bedeutung.

St. Severin in Erpel stellt ein bemerkenswertes Beispiel einer mittelalterlichen Dorfkirche dar, deren heutige Gestalt aus dem Zusammenspiel hochmittelalterlicher Architektur, barocker Umbauten und denkmalpflegerischer Restaurierungen des 20. Jahrhunderts hervorgegangen ist. Insbesondere die Verbindung eines frühmittelalterlichen Turmrestes mit einer spätromanischen Emporenbasilika macht das Bauwerk innerhalb der Sakrallandschaft des Mittelrheins kunsthistorisch bedeutsam.

(Karl Peter Wiemer, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V., 2026)

Internet
de.wikipedia.org: Für was St. Severus steht (abgerufen am 20.07.2026)
herrlichkeit-erpel.de Seite über Pfarrkirche St. Severinus (abgerufen am 20.07.2026)
heiligenlexikon.de: St. Severinus im Heiligenlexikon (abgerufen am 20.07.2026)
youtube.com: Video zu St. Severin (abgerufen am 20.07.2026)

Literatur

Custodis, Paul-Georg; Vogts, Hans / Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V. (Hrsg.) (1998)
Erpel am Rhein. (Rheinische Kunststätten, Heft 29.) Neuss (3. aktuelle Auflage).
Fuchs, Adalbert; Wachowiak, Helmut (Hrsg.) (2004)
Zwischen Rhein und Wingert. Lese-, Bilder- und Wanderbuch für Bruchhausen, Erpel, Rheinbreitbach und Unkel. Rheinbreitbach.
Ritzerfeld, Ulrich (1998)
Erpel. (Rheinischer Städteatlas, Lieferung XIII, Nr. 69.) Köln.

Pfarrkirche Sankt Severin in Erpel

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Frongasse
Ort
Erpel
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Architekturgeschichte
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Vor Ort Dokumentation, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1250

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Karl Peter Wiemer: „Pfarrkirche Sankt Severin in Erpel”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-352195 (Abgerufen: 21. Juli 2026)
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