Ceelen'sche Mühle am Frechener Bach

Unterste Mühle und Oberste Mühle, Königsmühle, Ceelenmühle

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Frechen
Kreis(e): Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 54′ 22,12″ N: 6° 48′ 4,35″ O 50,90614°N: 6,80121°O
Koordinate UTM 32.345.408,33 m: 5.641.690,53 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.556.399,56 m: 5.641.511,29 m
Geschichte
Der Mühlenbach, der auch Frechener Bach heißt, trieb seit dem Mittelalter eine Getreidemühle („unterste Mühle“) an, spätestens ab 1547 auch eine benachbarte Ölmühle („oberste Mühle“) (Heeg 1984, S. 129). Sie befanden sich im Westen des historischen Ortskernes von Frechen. Die Getreidemühle hieß ursprünglich 'Königsmühle', laut RMDZ (Rheinisches Mühlendokumentationszentrum) wurde sie auch 'Unterste Mühle' genannt. „Im 16. bis 18. Jahrhundert gehörte sie den Herren von Palant und ihren Nachfahren“ (Heeg 1984, S. 129), unter französischer Herrschaft befand sie sich im Eigentum des Grafen von Geldern. Später wurde sie nach ihren jeweiligen Müllern benannt. Diese Besitzverhältnisse galten auch für die Ölmühle.

Im Frechener Adressverzeichnis aus dem Jahr 1795 ist unter der Hausnummer 234 „Die Mühle, Henrich Schaaf“ eingetragen (Heeg 1994, S. 9). In Sander (2010, S. 112 ff) sind seit 1799 die nachfolgenden Müller verzeichnet: Wilhem Ceelen, seit einem halben Jahr im Ort und seine Frau Maria Schaaf (Tochter des Vorbesitzers?). 1833 wird die Witwe Wilhelm Ceelen als Eigentümerin beider Mühlen benannt, vorheriger Eigentümer war Gottfried Gymnich. In einer Gewerbeliste der Bürgermeisterei Frechen aus dem Jahr 1850 ist unter der Hausnummer 301 der Müller Friedrich Adolph Wilhelm Ceelen (1809-1870) aufgeführt (StAF Akte 182 fol. 19 und Heeg 1984, S. 129), danach gehörte sie Wilhelm Ceelen und hieß daher nach dieser Familie „Ceelenmühle“. Wilhelm Ceelen geriet in Konflikt mit der aufkommenden Braunkohlenindustrie: Ein Entwässerungsstollen der Braunkohlengrube Sibylla sorgte für Wassermangel im zugehörigen Mühlteich. Da er den Prozess vor Gericht verlor (Heeg 1984, S. 129), plante er offenbar, auf die Produktion von Steinzeugrohren umzusatteln und begann 1903 mit dem Bau einer Tonrohrfabrik auf seinem Mühlengrundstück nördlich der Getreidemühle. Er beendete den Bau jedoch nie. Unter Johann Ochs wurde die Fabrik fertiggestellt; sie ging noch 1906 unter fünf Kölner Gesellschaftern und dem Namen „Steinzeugfabrik Rhenania“ in Betrieb. 1920 wurde das Werk an die Geschwister Wolf verkauft.

Im Wohngebäude der Mühle wohnte übergangsweise das Ehepaar Johann Josef und Dr. Maria Sibilla Wolf, bis deren eigentliches Wohnhaus an der Dürener Straße fertiggestellt war (Stadtarchiv Frechen 2002, S. 85 u. 92). Der östliche Gebäudeflügel der Mühle wurde noch im Rahmen der Steinzeugrohrfabrikation mitgenutzt.
Nach dem Umzug des Ehepaars Wolf 1927 wurde die gesamte Getreidemühle abgerissen (Zeitungsartikel vom 29.04.1927).

Beschreibung
Laut Urkatasterkarte von 1819 befanden sich am Weg „Mühlenbach“ auf dem Mühlengelände zwei recht große Gebäude je mit der Form eines Dreiseithofes, die sich mit den jeweiligen offenen Seiten gegenüberstanden und dadurch eine große Hoffläche umgaben. Ein in Heeg 1984 (S. 130) abgebildetes Foto zeigt ein verputztes zweigeschossiges Wohnhaus mit Satteldach, an dem sich ein aus Ziegelsteinen errichteter eingeschossiger Anbau mit Walmdach anschließt. An diesem Anbau befindet sich ein nahezu gebäudehohes hölzernes oberschlächtiges Wasserrad von 5,40 Meter Höhe der Untersten Mühle (Sander 2010, S. 112). Da der Mühlenbesitzer Ceelen auch als Landwirt bezeichnet wird, handelte es sich bei den übrigen Gebäuden sehr wahrscheinlich zusätzlich um landwirtschaftliche Gebäude.
Südwestlich davon existierte ein weiterer kleiner rechteckiger Bau, in dem die Ölmühle, die Oberste Mühle, untergebracht war.
Daran schlossen sich zwei langschmale Mühlenteiche an, im Volksmund „Zöppchesweiher“ (Göbels 1986, S. 199) bzw. laut einem Bericht des Frechener Bürgermeisters Kügelgen aus dem Jahre 1854 „oberer und unterer Mühlenweiher“ (Göbels 1986, S. 233) genannt.

Heutiger Zustand
Von der Mühlenanlage ist heute nichts mehr erhalten, der Frechener Bach verläuft unterirdisch durch das heutige Gewerbegebiet.

(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2024)

Quellen/Internet
Zeitungsartikel vom 29.04.1927: Die Frechener Mühle (Stadtarchiv Frechen, BS. 276, 8193) (Sammlung Bernd Mayerhofer, Ordner Rhenania, Stadtarchiv Frechen)
rmdz.de: Ceelensche Mühle, Unterste Mühle (abgerufen am 09.04.2024)
Stadtarchiv Frechen Akte 182 fol. 18ff: Verzeichnis aller Gewerbetreibender der Bürgermeisterei Frechen

Literatur

Göbels, Karl (1986)
Frechen - damals. Von der Römerzeit bis zur Stadtwerdung. Ein heimatgeschichtliches Lesebuch. Unveränderter Nachdruck zur 1. Auflage von 1977. Köln.
Heeg, Egon (1994)
Frechener Adressenverzeichnis 1795 mit Ortsplan. Düren.
Heeg, Egon (1984)
Innenstadt (Frechen). (Frechener Straßen: Spiegel der Frechener Geschichte / Egon Heeg ; Band 1.) Köln.
Plück, Christian; Mayerhofer, Bernd; Madsack, Werner; Schumacher, Reinhard / Stadtarchiv Frechen (Hrsg.) (2002)
150 Jahre Frechener Steinzeugindustrie. Frechen.
Sander, Joseph / Frechener Geschichtsverein e.V. (Hrsg.) (2010)
Die Mühlen und ihre Bewohner auf dem Gebiet der heutigen Kommune Frechen. (Jahrbuch des Frechener Geschichtsvereins e.V. Band 6.) S. 103-139. Frechen.

Ceelen'sche Mühle am Frechener Bach

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Dürener Straße
Ort
50226 Frechen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 450 bis 1500, Ende 1903 bis 1927

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Nicole Schmitz (2024): „Ceelen'sche Mühle am Frechener Bach”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-345969 (Abgerufen: 6. März 2026)
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