Steinzeugfabrik Adolph Meyer

Ofen Hasenweide 130 / Alte Straße 133, Steinzeugfabrik Adolph Meier/Meyer

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Frechen
Kreis(e): Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 54′ 39,2″ N: 6° 48′ 26,71″ O 50,91089°N: 6,80742°O
Koordinate UTM 32.345.860,72 m: 5.642.204,98 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.556.830,72 m: 5.642.043,78 m
In der Alte Straße 133 wurde einst Steinzeug produziert - zunächst in einer Töpferei, dann in einer Steinzeugfabrik.

Die Töpferei Adolph Meier/Meyer
Adolph Meyer/Meier war laut Göbels (1971, S. 392) ein Kannenbäcker und Steinzeugfabrikant, seine Lebensdaten lauten wie folgt (Göbels 1971):
„MEYER, ADOLPH Kannenbäcker, Steingutfabrikant - 1817 Okt. 10 geb. zu Frechen, Sohn der Gertrud Meyer, Geburtsreg. 91/1817 - 1844 Nov. 14 heir. Margaretha Herrlich, 23 Jahre alt, aus Frechen, Traureg. 31/1844 - 1848 Mai 25 zeigt den Tod des Schwiegervaters an, Sterbereg. 70/1848 - 1848 Juni 22 zeigt die Geburt des Sohnes Peter an, Geburtsreg. 97/1848 - 1849 baut einen Ofen, StaF Akt. 189 fol. 83 - 1850 in einer Handwerkerliste aufgeführt, StaF Akt. 182 fol. 20 - 1856 in einer Töpferliste erwähnt, StaF Akt. 187 fol. 21 - 1860 Apr. 18 zeigt den Tod der Tochter Anna Maria an, Sterbereg. 54/1860 - 1864 Mai 14 wird auf seinen Antrag in den Verein ‚Meisterschaft` aufgenommen, StaF Protokollb. Meisterschaft 1864 - 1865 Febr. 22 zeigt den Tod seines Onkels, des Anton M., an, Sterbereg. 43/1865 - 1872 Juli 3 stirbt zu Frechen, ebd. 85/1872.“

Meyer beantragte für das Jahr 1849 den Bau eines Irdenwareofens (Heeg 2025, S. 7 und Stadtarchiv Frechen 189/83) auf einem Grundstück an der Alte Straße 76 (alte Adresse). Dieses Grundstück reichte bis zur Hasenweide und am dortigen Ende seines Grundstückes sollte der Ofen errichtet werden (Heeg 2025, S. 7f). Meyer durfte den Ofen, wie beantragt, nicht bauen, sondern sollte einen Ofen Kasseler Bauart errichten. Ob dies geschah, ist nicht bekannt (Heeg 2025, S. 14).

Laut Urkataster übernahm Adolph Meyer - sehr wahrscheinlich von seinem Schwiegervater Peter Herrlich senior um das Jahr 1856 die Grundstücke Z 20, 21, 22 an der Alte Straße (LA NRW R 7212 1856 / 7).

Die Tonröhrenfabrik Adolph Meier/Meyer
Im Zuge der sinkenden Nachfrage nach Frechener Töpferwaren stieg er wohl auf die Produktion von Steinzeugröhren um. Die Firmengründung schätzt Dörner (1953, S. 70) unter mangelnder Aktenlage ungefähr auf das Jahr 1862. Das Werk gehört somit zu einer der frühesten Röhrenfabrikgründungen in Frechen nach der Fabrik von Eduard Sticker in der Breitestraße 1852. Nach Meyers Tod am 03.07.1872 führte seine Frau den Betrieb weiter. Dies belegen einige Archivalien: Dörner (1953, S. 70) zitiert aus den Akten des Staatsarchives Düsseldorf eine Statistik über die Röhrenbetriebe in Frechen aus dem Jahr 1875: Die Witwe Adolph Meyer führte einen Röhrenbetrieb mit fünf Arbeitern.
Ebenfalls um das Jahr 1875 erwarb die Fabrikantin die westlich anschließenden Grundstücke Z 799/17 und 801/18 von Wilhelm Neunzig und konnte ihren Betrieb somit erweitern (LA NRW R 7214 1875 / 1).
1876 bezog sie den benötigten Ton aus einem eigenen Schacht mit drei Beschäftigten und einer Fördermenge von 500 Tonnen pro Jahr (Dörner 1953, S. 26).
Am 18. April 1878 erfolgte das Konzessionsgesuch der Firma O. Kramer & Cie. „(..) zur Anlage eines Dampfkessels in der der Witwe Ad. Meyer gehörigen in der Altenstraße zu Frechen gelegenen Thonröhrenfabrik (…)“ (Stadtarchiv Frechen 189/206). Sie hatte den Betrieb wohl an die Firma Cramer & Cie. verpachtet. Noch im Jahr 1888 war die Fabrik in Betrieb, denn die Eigentümerin unterstützte mit ihrer Unterschrift ein Schreiben an den Provinzial-Verwaltungsrat in Düsseldorf für den Bau einer Gütereisenbahn zwischen Köln und Frechen (Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen).
Gegen Ende des Jahrhunderts brannte die Fabrik ab. Sohn Peter Meyer wollte nach Amerika auswandern, sein Bruder Mathias fand in der Steinzeugröhrenfabrik Geusgen an der Kölner Straße eine neue Arbeit und brachte es zum Fabrikmeister„ (Kölner Stadtanzeiger vom 27./28.12.1999).

Ebenfalls thematisiert wurde die Steinzeugfabrik Meyer in einem Zeitungsartikel im Kölner Stadtanzeiger vom 27./28.02.1999: Anlass war der Fund einer Postkarte von 1911, die Mathias Meyer, Sohn des Adolph Meyer, aus Serbien in die Heimat schickte. Er hatte dort beim Aufbau eines Steinzeugwerkes geholfen. Die Postkarte wurde dem Stadtarchiv Frechen übergeben.

Beschreibung
Von der Steinzeugfabrik des Adolph Meyer sind keine obertägigen Reste erhalten. Bei der Begehung zum Kellerkataster im Jahr 1994 fand A. Rosenstein unter einem Gebäude an der Hasenweide im hinteren Teil des Grundstückes einen sekundär als Keller genutzten frühindustriellen Töpferofen. Eventuell handelte es sich - laut Auskunft der damaligen Eigentümer - um einen frühindustriellen Steinzeugofen für Tonröhren des Fabrikanten Adolph Meier/Meyer, der ab 1890/1900 nicht mehr in Betrieb gewesen sei. Er verfügt über die Maße Länge 7,7 Meter, Höhe 2,58 Meter und Breite 4,2 Meter sowie ein Tonnengewölbe bis zum Fußboden. Angeblich gehörte ein weiterer Ofen auf dem anschließenden Grundstück Alte Straße 133 ebenfalls dazu (Rosenstein 1994).

(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2024 und 2026)

Quellen
  • Rosenstein, Angela (1995): Kommentar zum Kellerkataster Frechen 12/1995 (Ortsarchiv LVR-Amt für Bodendenkmalpflege).
  • Ortsarchiv LVR-Amt für Bodendenkmalpflege, Archiv-Nr. 1177023; Fundstellenkartierung Punkt 58.
  • Stadtarchiv Frechen 189/206 (Ordner Steinzeugfabrik Adolph Meyer, Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen).
  • Stadtarchiv Frechen 189/83: Gesuch des Adolph Meyer zu Frechen vom 16. September 1849 um Erlaubniß zur Anlage eines Töpferofens.
  • Kölner Stadtanzeiger vom 27./28.02.1999: In Serbien Kanalrohre produziert. Der Frechener Mathias Meyer half vor fast 100 Jahren beim Aufbau. (Ordner Steinzeug Allgemein, Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen).
  • LA NRW R 7212 1856 / 7
  • LA NRW R 7214 1875 / 1

Literatur

Dörner, Karlheinz (1953)
Die Entwicklung der Steinzeugindustrie im Raume Frechen bei Köln. Köln.
Göbels, Karl (1971)
Rheinisches Töpferhandwerk. gezeigt am Beispiel der Frechener Kannen-, Düppen- und Pfeifenbäcker. o. O.
Heeg, Egon (1994)
Frechener Adressenverzeichnis 1795 mit Ortsplan. Düren.
Heeg, Egon / Stadtarchiv Frechen (Hrsg.) (2025)
Frechens klassischer Töpferofen. Die Handzeichnung zum "Gesuch des Adolph Meyer" von 1849. (Quellen zur Frechener Geschichte.) Frechen.
(1899)
1899. Adressbuch der zur Bürgermeisterei Frechen gehörigen Gemeinden Frechen, Bachem und Buschbell. Frechen.

Steinzeugfabrik Adolph Meyer

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Alte Straße 133
Ort
50226 Frechen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1862, Ende nach 1888

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Nicole Schmitz: „Steinzeugfabrik Adolph Meyer”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-345008 (Abgerufen: 11. Juni 2026)
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