Steinzeugfabrik Adolph Meyer

Ofen Hasenweide 130 / Alte Straße 133, Steinzeugfabrik Adolph Meier/Meyer

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Frechen
Kreis(e): Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 54′ 39,2″ N: 6° 48′ 26,71″ O 50,91089°N: 6,80742°O
Koordinate UTM 32.345.860,72 m: 5.642.204,98 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.556.830,72 m: 5.642.043,78 m
Beschreibung
Von der Steinzeugfabrik des Adolph Meyer sind keine obertägigen Reste erhalten. Bei der Begehung zum Kellerkataster im Jahr 1994 fand A. Rosenstein unter einem Gebäude an der Hasenweide im hinteren Teil des Grundstückes einen sekundär als Keller genutzten frühindustriellen Töpferofen. Eventuell handelte es sich - laut Auskunft der damaligen Eigentümer - um einen frühindustriellen Steinzeugofen für Tonröhren des Fabrikanten Adolph Meier/Meyer, der ab 1890/1900 nicht mehr in Betrieb gewesen sei. Er verfügt über die Maße Länge 7,7 Meter, Höhe 2,58 Meter und Breite 4,2 Meter sowie ein Tonnengewölbe bis zum Fußboden. Angeblich gehörte ein weiterer Ofen auf dem anschließenden Grundstück Alte Straße 133 ebenfalls dazu (Rosenstein 1994).
Anhand eines in Heeg 2025 (S. 8) veröffentlichten Lageplans zum Baugesuch eines Ofens konnte nach Abgleich der Flurstückstruktur der Standort der Alt-Adresse Alte Straße 76 rekonstruiert werden.

Die Tonröhrenfabrik Adolph Meier/Meyer
In der Literatur sind folgende, teilweise auch widersprüchliche Informationen zu finden:
Adolph Meyer/Meier war laut Göbels (1971, S. 392) ein Kannenbäcker und Steinzeugfabrikant, der am 10. Oktober 1817 in Frechen geboren wurde und am 14.11.1844 Margaretha Herrlich heiratete.
Seine Lebendaten lauten (Göbels 1971):
„MEYER, ADOLPH Kannenbäcker, Steingutfabrikant - 1817 Okt. 10 geb. zu Frechen, Sohn der Gertrud Meyer, Geburtsreg. 91/1817 - 1844 Nov. 14 heir. Margaretha Herr-lich, 23 Jahre alt, aus Frechen, Traureg. 31/1844 - 1848 Mai 25 zeigt den Tod des Schwiegervaters an, Sterbereg. 70/1848 - 1848 Juni 22 zeigt die Geburt des Sohnes Peter an, Geburtsreg. 97/1848 - 1849 baut einen Ofen, StaF Akt. 189 fol. 83 - 1850 in einer Handwerkerliste aufgeführt, StaF Akt. 182 fol. 20 - 1856 in einer Töpferliste erwähnt, StaF Akt. 187 fol. 21 - 1860 Apr. 18 zeigt den Tod der Tochter Anna Maria an, Sterbereg. 54/1860 - 1864 Mai 14 wird auf seinen Antrag in den Verein ‚Meisterschaft` aufgenommen, StaF Protokollb. Meisterschaft 1864 - 1865 Febr. 22 zeigt den Tod seines Onkels, des Anton M., an, Sterbereg. 43/1865 - 1872 Juli 3 stirbt zu Frechen, ebd. 85/1872.“

Meyer beantragte für das Jahr 1849 den Bau eines Irdenwareofens (Heeg 2025, S. 7 und Stadtarchiv Frechen 189/83) auf seinem Grundstück an der Alte Straße 76 (alte Adresse). Dieses Grunstück reichte bis zur Hasenweide und am dortigen Ende seines Grundstückes sollte der Ofen errichtet werden (Heeg 2025, S. 7f). Meyer durfte den Ofen, wie beantragt, nicht bauen, sondern sollte einen Ofen Kasseler Bauart errichten. Ob dies geschah, ist nicht bekannt (Heeg 2025, S. 14).
Im Zuge der sinkenden Nachfrage nach Frechener Töpferwaren stieg er dann wohl auf die Produktion von Steinzeugröhren um. Die Firmengründung schätzt Dörner (1953, S. 70) unter mangelnder Aktenlage ungefähr auf das Jahr 1862. Das Werk gehört somit zu einer der frühesten Röhrenfabrikgründungen in Frechen nach der Fabrik von Eduard Sticker in der Breitestraße 1852. Nach Meyers Tod am 03.07.1872 führte seine Frau den Betrieb weiter.
Dies belegen einige Archivalien: Dörner (1953, S. 70) zitiert aus den Akten des Staatsarchives Düsseldorf eine Statistik über die Röhrenbetriebe in Frechen aus dem Jahr 1875: Die Witwe Adolph Meyer führte demnach einen Röhrenbetrieb mit fünf Arbeitern. Am 18. April 1878 erfolgte das Konzessionsgesuch der Firma O. Kramer & Cie. „(..) zur Anlage eines Dampfkessels in der der Witwe Ad. Meyer gehörigen in der Altenstraße zu Frechen gelegenen Thonröhrenfabrik (…)“ (Stadtarchiv Frechen 189/206). Sie hatte den Betrieb wohl an die Firma Cramer & Cie. verpachtet. Noch im Jahr 1888 war die Fabrik in Betrieb, denn die Eigentümerin unterstützte mit ihrer Unterschrift ein Schreiben an den Provinzial-Verwaltungsrat in Düsseldorf für den Bau einer Gütereisenbahn zwischen Köln und Frechen (Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen).

In einem Zeitungsartikel im Kölner Stadtanzeiger vom 27./28.02.1999 wurde die Steinzeugfabrik Meyer in der Alte Straße ebenfalls thematisiert: Anlass war der Fund einer Postkarte von 1911, die Mathias Meyer, Sohn des Adolph Meyer, aus Serbien in die Heimat schickte. Er hatte dort beim Aufbau eines Steinzeugwerkes geholfen. Die Postkarte wurde dem Stadtarchiv Frechen übergeben, was dem damaligen Stadtarchivar Hans Richartz Anlass zu weiterer Recherche war: „Er forschte in seinen Akten nach und wurde fündig. Erhalten blieb das Gesuch des Adolph Meyer zu Frechen vom 16. September 1849 um Erlaubniß zur Anlage eines Töpferofens. Hinter seinem Haus in der Alte Straße 76 wollte Meyer einen Brennofen bauen, um dort Kanalrohre zu produzieren. Die damalige Bürgermeisterei hatte vor nunmehr 150 Jahren gegen dieses Vorhaben nichts einzuwenden. Sie machte allerdings einige Auflagen, bevor Meyer seinen kleinen Betrieb hinter dem Wohnhaus starten konnte: Der Ofen sollte von massivem Mauerwerk umgeben sein, und auch der Schornstein mußte mit Ziegelstein gemauert werden (Kölner Stadtanzeiger vom 27./28.12.1999)“. Adolph Meyer „spielte wohl auch im damaligen öffentlichen Leben der Bürgermeisterei Frechen eine Rolle. Bekannt ist, daß er zu den Mitgründern der 'Meisterschaft' zählte, einer Vereinigung von Handwerksmeistern, die heute noch besteht. Er war, wie viele seiner Frechener Zeitgenossen, Töpfer. Steinzeugkrüge und -gefäße bekamen starke Konkurrenz. Porzellan und Steingut liefen ihnen den Rang ab. So versuchte man Steckrohre für die Abwasserkanalisation herzustellen. In England standen bereits die ersten Fabriken. Adolph Meyers kleiner Betrieb florierte denn auch ganz gut. Bis Ende des Jahrhunderts. Dann brannte die Fabrik ab. Mit den beiden Söhnen holte Meyer in Köln die Versicherungssumme ab. Sohn Peter wollte nach Amerika auswandern, sein Bruder Mathias fand in der Steinzeugröhrenfabrik Geusgen an der Kölner Straße eine neue Arbeit und brachte es zum Fabrikmeister“ (Kölner Stadtanzeiger vom 27./28.12.1999).

Widersprüchliche Angaben zwischen den Informationen zum Fabrikanten Meyer aus Göbels (1971) und dem Zeitungsartikel beziehen sich auf das Sterbejahr 1872 und der Tatsache, dass seine Witwe den Betrieb fortführte, wohingegen der Stadtanzeiger schreibt, dass A. Meyer seinen Betrieb bis zum Brand Ende des 19. Jahrhunderts führte und noch die Versicherungssumme abholte.

(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2024)

Quellen
  • Rosenstein, Angela (1995): Kommentar zum Kellerkataster Frechen 12/1995 (Ortsarchiv LVR-Amt für Bodendenkmalpflege).
  • Ortsarchiv LVR-Amt für Bodendenkmalpflege, Archiv-Nr. 1177023; Fundstellenkartierung Punkt 58.
  • Stadtarchiv Frechen 189/206 (Ordner Steinzeugfabrik Adolph Meyer, Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen).
  • Stadtarchiv Frechen 189/83: Gesuch des Adolph Meyer zu Frechen vom 16. September 1849 um Erlaubniß zur Anlage eines Töpferofens.
  • Kölner Stadtanzeiger vom 27./28.02.1999: In Serbien Kanalrohre produziert. Der Frechener Mathias Meyer half vor fast 100 Jahren beim Aufbau. (Ordner Steinzeug Allgemein, Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen).

Literatur

Dörner, Karlheinz (1953)
Die Entwicklung der Steinzeugindustrie im Raume Frechen bei Köln. Köln.
Göbels, Karl (1971)
Rheinisches Töpferhandwerk. gezeigt am Beispiel der Frechener Kannen-, Düppen- und Pfeifenbäcker. o. O.
Heeg, Egon (1994)
Frechener Adressenverzeichnis 1795 mit Ortsplan. Düren.
Heeg, Egon / Stadtarchiv Frechen (Hrsg.) (2025)
Frechens klassischer Töpferofen. Die Handzeichnung zum "Gesuch des Adolph Meyer" von 1849. (Quellen zur Frechener Geschichte.) Frechen.
(1899)
1899. Adressbuch der zur Bürgermeisterei Frechen gehörigen Gemeinden Frechen, Bachem und Buschbell. Frechen.

Steinzeugfabrik Adolph Meyer

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Alte Straße 133
Ort
50226 Frechen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1862, Ende nach 1888

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Nicole Schmitz: „Steinzeugfabrik Adolph Meyer”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-345008 (Abgerufen: 17. Februar 2026)
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