Pferdestraßenbahnen in Duisburg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Duisburg
Kreis(e): Duisburg
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 27′ 16,61″ N: 6° 44′ 27,26″ O 51,45461°N: 6,74091°O
Koordinate UTM 32.343.043,42 m: 5.702.802,17 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.551.542,80 m: 5.702.483,56 m
  • Duisburg, Ruhrort, Strecken der Pferdebahn (2022)

    Duisburg, Ruhrort, Strecken der Pferdebahn (2022)

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    Claus Weber CC BY-SA 4.0
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    Claus Weber
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Im heutigen Stadtgebiet von Duisburg gab es zwei Pferdebahnstrecken, die von 1881 bis 1898 betrieben wurden. Eine Linie fuhr vom Hauptbahnhof in Duisburg zum Ruhrorter Bahnhof, die andere verband Ruhrort mit Meiderich. Die Pferdebahnen wurden von elektrischen Triebwagen abgelöst.

Pferdestraßenbahn von Duisburg nach Ruhrort
Pferdestraßenbahn von Ruhrort nach Meiderich
Hinweis, Internet und Literatur

Pferdestraßenbahn von Duisburg nach Ruhrort
Zwischen der Stadt Duisburg und seinen Vororten bestanden bereits im 19. Jahrhundert starke Verkehrsverbindungen. Dies lag vor allem an den Industriegebieten, die sich im Land um die mittelalterliche Stadt Duisburg angesiedelt hatten. In Ruhrort hatte sich einer der wichtigsten Rheinhäfen entwickelt, der zudem bedeutende Eisenbahnanschlüsse besaß. In Hochfeld gab es ausgedehnte Industrieanlagen.
Vorläufer des Straßenbahnverkehrs in Duisburg war eine Pferdeomnibus-Linie, die seit 1873 von Duisburg nach Ruhrort verkehrte. So bestanden schon um 1875 Pläne, von Duisburg aus Pferdestraßenbahnen nach Ruhrort und Hochfeld zu errichten. Diese frühen Pläne konnten jedoch nicht realisiert werden.

Bankier Lübke aus Berlin erhielt am 1. April 1881 die Konzession, eine Verbindung zwischen Duisburg und Ruhrort zu bauen und zu betreiben. Nach einer kurzen Bauzeit fanden erste Probefahrten ab dem 21. Dezember 1881 statt. Zum 24. Dezember 1881 wurde der reguläre Verkehr aufgenommen.
Die Strecke war 5,2 Kilometer lang und führte über die Kuhstraße durch die Poststraße, Knüppelmarkt, Weinhausmarkt, Schwanenstraße, Schwanentor, Ruhrorter Chaussee, Ruhrort Hafenstraße und Eisenbahnstraße zum Bahnhof. Es gab 10 Wagen, die von je einem Pferd gezogen wurden; es gab zusammen 24 Pferde. Bis 1890 wurden weitere drei Wagen erworben. Die einfachen Wagen waren zweiachsig mit zwei offenen Plattformen und fünf Fenstern. Die Sommerwagen besaßen einen Mittelgang und waren nur von den Plattformen aus zu betreten. Die Hersteller sind unbekannt; die Wagen wurden nach der Elektrifizierung als Beiwagen weiter genutzt. Das Depot und die Pferdeställe lagen an der Mülheimer Straße.

Die Strecke war eingleisig bis auf den Abschnitt in der Duisburger Königsstraße. Der Bau und Betrieb war aufwendig, da 19 erdgleiche Kreuzungen mit Eisenbahnstrecken, mehrere Dreh- und Klappbrücken und die private Hanielsche Ruhrbrücke passiert werden mussten. Der Brückenzoll auf der Ruhrbrücke betrug 4 Pfennig für jeden Fahrgast.

Im Oktober 1886 verlängerte man die Strecke zum neuen Zentralbahnhof (heute Hautbahnhof) in Duisburg. Am 31. Dezember 1886 übernahm die Deutsche Lokal- und Straßenbahn-Gesellschaft in Dortmund die Bahn. Diese Gesellschaft firmierte sich am 1. Januar 1891 in Allgemeine Lokal- und Straßenbahn-Gesellschaft Berlin um. Mitinhaber dieser Gesellschaft waren die Berliner Handelsbank und die Gebrüder Lübke.

Die Gesellschaft erhielt am 26. März 1896 die Genehmigung zur Elektrifizierung der bestehenden Straßenbahn und zum Bau neuer Strecken. Diese eröffnete am 27. April 1898 die neue elektrische Straßenbahn auf der Strecke zwischen Duisburg und der Ruhrbrücke und am 31. Juli 1898 bis Ruhrort, Friedrichplatz. Damit endete der Pferdebahnbetrieb auf der Ruhrorter Strecke.
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Pferdestraßenbahn von Ruhrort nach Meiderich
Um eine Verbindung zwischen den Orten Meiderich und Ruhrort herzustellen, erhielt die Firma Kampf & Hollender 1891 die Konzession, die neue Strecke zu bauen und zu betreiben. Sie führte von der Waage in Ruhrort (heute etwa Kreisel Hafenstraße Eisenbahnstraße) bis Meiderich, Post. Sie besaß die Spurbreite von 759 Millimeter.

Der Betrieb eröffnete am 1. Juli 1892 mit fünf Wagen den Betrieb. Bei den Wagen handelte es sich um zweiachsige Wagen mit zwei offenen Plattformen und vier großen Fenstern. Sie waren für die schmale Spurbreite relativ groß, so dass auch das eine Pferd Schwierigkeiten gehabt haben dürfte, die Wagen zu ziehen. Der Hersteller und der Verbleib sind unbekannt.

Die Strecke war erfolgreich, da bereits im ersten Betriebsjahr sehr viele Fahrgäste befördert wurden. Deswegen bekundete der Kreis Ruhrort, dem Ruhrort damals noch angehörte, Interesse an der Bahn.
Der Kreis gründete am 23. Dezember 1893 die Kreis Ruhrorter Straßenbahn AG. Die KRS erwarb die Pferdestraßenbahn gegen die Abgabe von Aktien an die Firma Kampf & Hollender.
Im Dezember 1896 erhielt die KRS die Genehmigung, die Pferdebahn zu elektrifizieren. Die Strecke wurde auf Meterspur umgebaut und mit Oberleitungen versehen. Am 24. Februar 1898 waren die Arbeiten vollendet und der elektrische Betrieb wurde aufgenommen.
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Hinweis
Die Geometrie wurde auf der Grundlage der Topographischen Karte, Neuaufnahme von 1892 und der historischen Deutschen Grundkarte erstellt, es kann Abweichungen zum historischen Streckenverlauf geben.

(Claus Weber, 2022)

Internet
de.wikipedia.org: Straßenbahn Duisburg, Pferde- und Dampfstraßenbahn (abgerufen 03.06.2022)
www.dvg-duisburg.de: Duisburger Verkehrsgesellschaft (abgerufen 03.06.2022)
de.wikipedia.org: Allgemeine Lokalbahn- und Kraftwerke AG, Betriebsteil Duisburg (abgerufen 03.06.2022)

Literatur

Höltge, Dieter (1994)
Ruhrgebiet. Von Dortmund bis Duisburg. (Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland, Band 4.) S. 158-180, Freiburg.
Schmidt, Vera (2006)
125 Jahre Bewegung für Duisburg, 1881–2006. Duisburg.

Pferdestraßenbahnen in Duisburg

Schlagwörter
Ort
Duisburg
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1881, Ende 1898

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Claus Weber (2022): „Pferdestraßenbahnen in Duisburg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343760 (Abgerufen: 21. Juni 2024)
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