Evangelische Kirche Laubenheim

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Fachsicht(en): Landeskunde, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Laubenheim
Kreis(e): Bad Kreuznach
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 55′ 13,07″ N: 7° 53′ 45,16″ O 49,9203°N: 7,89588°O
Koordinate UTM 32.420.740,87 m: 5.530.353,43 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.420.784,35 m: 5.532.126,24 m
  • Die Evangelische Kirche in Laubenheim von der Naheweinstraße aus (2021)

    Die Evangelische Kirche in Laubenheim von der Naheweinstraße aus (2021)

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  • Detailansicht der Maßwerkfenster und Strebepfeiler im Langhaus der Evangelische Kirche in Laubenheim (2021)

    Detailansicht der Maßwerkfenster und Strebepfeiler im Langhaus der Evangelische Kirche in Laubenheim (2021)

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  • Blick ins gewendelte Treppenhaus im Chorturm der Evangelischen Kirche in Laubenheim (2021)

    Blick ins gewendelte Treppenhaus im Chorturm der Evangelischen Kirche in Laubenheim (2021)

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  • Blick in die hölzerne Konstruktion des Dachstuhls der Evangelischen Kirche in Laubenheim (2021)

    Blick in die hölzerne Konstruktion des Dachstuhls der Evangelischen Kirche in Laubenheim (2021)

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  • Glocke des Glockengießermeisters Wigant Kalwort im Glockenstuhl der Evangelischen Kirche in Laubenheim (2021)

    Glocke des Glockengießermeisters Wigant Kalwort im Glockenstuhl der Evangelischen Kirche in Laubenheim (2021)

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  • Glocke des Glockengießermeisters Wigant Kalwort im Glockenstuhl der Evangelischen Kirche in Laubenheim (2021)

    Glocke des Glockengießermeisters Wigant Kalwort im Glockenstuhl der Evangelischen Kirche in Laubenheim (2021)

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  • Informationsschild an der Evangelischen Kirche in Laubenheim (2021)

    Informationsschild an der Evangelischen Kirche in Laubenheim (2021)

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Das Gebäude der heutigen Evangelischen Pfarrkirche in Laubenheim an der Nahe stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Errichtet wurde sie als Katholische Kirche St. Matthäus. Im Zuge der Reformation aber wurden alle Katholischen Besitztümer und so auch das Kirchengebäude der Evangelischen Kirche zugesprochen. Im 19. Jahrhundert erhielt das Gebäude mit dem Umbau des Chorturms sein markantes Äußeres.

Gebäude
Innenraum
Kirchenglocken
Geschichte
Internet


Gebäude
Die Evangelische Pfarrkirche in Laubenheim befindet sich im Ortskern, direkt an der Naheweinstraße. Sie liegt deutlich erhöht gegenüber dem Straßenniveau. Eine Stützmauer grenzt das Areal von der Hauptstraße ab. Der Zugang zum Gelände erfolgt über die Kirchgasse. Über einen gepflasterten Hof gelangt man zum Haupteingang in der Südseite des Langhauses.

Die Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts als Saalkirche im spätgotischen Stil errichtet. Der gen Osten ausgerichtete Chorturm wurde in den Jahren 1864-66 unter der Leitung des Kreisbauinspektors Carl Conradi (1809-1882) aus Bad Kreuznach in neugotischem Stil neu aufgebaut. Der Glockenturm lässt sich in drei horizontale Zonen einteilen. In der mittleren Zone ist in der in nördliche Richtung ausgerichteten Fläche ebenfalls eine Uhr integriert. Diese wird von zwei kleineren Fenstern gerahmt. In der obersten Zone befinden sich drei gotische Maßwerkfenster. Zwei kleinere Fenster außen und ein größeres in der Mitte. Bekrönt wird der Kirchturm von einem abgeknickten Helm, der von vier Filialen bekränzt wird.

In der Nord- und der Südfassade des Langhauses befinden sich jeweils drei Fenster mit Fischblasenmaßwerk. Strebepfeiler gliedern ebenfalls die Außenfassaden. Auf der Südseite des Glockenturms befindet sich ein sechseckiges Treppentürmchen. Das Langhaus schließt mit einem Satteldach mit Dachgauben ab.

Innenraum
Der Innenraum der Kirche ist schlicht gehalten. Ein Bogen trennt den Saal des Langhauses vom Chor ab. Dieser Bogen sowie auch die Fensterrahmen heben sich in Rot von den weißen Wandflächen ab. Vor dem Bogen befinden sich der hölzerne Altar und - links von diesem - die erhöhte Kanzel. Über dem Altar hängt ein großes Kruzifix aus Holz und Metall. In westliche Richtung schließt das Langhaus mit der Orgelempore ab.

Kirchenglocken
Heute beherbergt der Glockenturm zwei Glocken. Die kleinere Glocke hat einen Durchmesser von 61 Zentimetern. Sie stammt aus dem Jahre 1491 und wurde laut Inschrift von einem Clas von Enen gegossen: „maria haeissen ich, clas von enen gos mich MCCCLXXXXI“. Der Glockengießer Clas von Enen hatte zuvor auch Glocken in den Trierer Kirchen St. Matthias (1477) und St. Gangolf (1475) gegossen (www.hfrg.de). Die zweite Glocke, hergestellt um das Jahr 1500, hat einen Durchmesser von 108 cm. Sie enthält folgende Inschrift als Schulterumschrift in Form eines Knittelverses: „IN DER IR GATTES LVDEN ICH WIGANT KALWORT VON BVZBACH GOS MICH“. Demnach wurde diese Glocke von einem Glockengießermeister namens Wigant Kalwort hergestellt. Bei Kalwort handelt es sich vermutlich um den Bruder von Ludwig Kalwirt, auch Kaluert, aus Butzbach im Wetterau-Kreis. Eine weitere Glocke von Wigant Kalwort befand sich in der Kirche in Ockstadt bei Friedberg im Wetterau-Kreis. Diese Glocke wurde jedoch umgegossen (www.inschriften.net).

Geschichte
Bereits vor der Erbauung des heutigen Gebäudes soll sich am Standort der heutigen Kirche schon eine Kapelle befunden haben. Dabei soll es sich um eine Tempelherrenkapelle bzw. Mauritiuskapelle gehandelt haben. Gesichert ist, dass sich an der Stelle der heutigen Pfarrkirche bereits im 12. Jahrhundert ein Kirchengebäude befand. Dieses stand in Verbindung zur adeligen Familie von Bolanden.

Bis zur Reformationszeit war Laubenheim Teil der katholischen Kirchengemeinde Münster. Im frühen 16. Jahrhundert bildete sich parallel eine protestantische Gemeinde. Diese hielt ihre Gottesdienste im Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite ab. Das Gebäude mit der Anschrift Naheweinstraße 21 ist heute ein Wohnhaus und befindet sich in Privatbesitz. Im Jahre 1557 wurde in Laubenheim die lutherische Kirchenordnung eingeführt. Die Katholische Kirche Laubenheim verlor in Folge dessen ihre Besitztümer im Ort. Alle Besitztümer, so auch das Kirchengebäude, wurden der protestantischen Gemeinde zugesprochen. Nach einer Veränderung in der Herrschaft im Oberamt Simmern, dem Laubenheim zugeordnet war, wurde im Jahre 1598 das reformierte Bekenntnis eingeführt.

Nachdem im Zuge des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) vorübergehend wieder eine katholische Pfarrei in Laubenheim eingeführt worden war, wurde der reformierte Pfarrer Hochspeyer im Jahre 1625 abgesetzt. Dieser Zustand währte jedoch nur kurzzeitig und so konnte im Jahre 1632 bereits wieder reformierter Gottesdienst in Laubenheim stattfinden. Im Jahre 1660 wurde die Pfarrei wieder mit eigenen reformierten Pfarrern besetzt. Die lutherischen Laubenheimer gehörten hingegen der Gemeinde in Gensingen an.

Die Glaubensrichtung in der heutigen evangelischen Pfarrkirche war ständigem Wechsel und Unsicherheiten unterlegen. Auch die Zuständigkeit bei Erhalt und Instandsetzung der Kirche blieb fortan stets ungewiss. Ende des 17. Jahrhunderts wurde der obere Teil des Kirchturms zerstört. Weder ein genauer Zeitpunkt noch die Ursache der Zerstörung sind eindeutig überliefert. Als mögliche Ursachen werden eine Zerstörung durch französische Truppen, ein Blitzeinschlag oder auch der Zerfall wegen mangelnder Wartung des Turmes vermutet.

Im Jahre 1706 wurde die Kirchenteilung offiziell geregelt. Die Reformierten bekamen die Kirche und somit das alleinige Nutzungsrecht zugesprochen. Die Katholiken nutzen seitdem das ehemalige Gemeindehaus als Kirche.
Im Jahre 1817 fand der 300. Jahrestag der Reformation mit der Kirchenunion zwischen Lutheranern und Protestanten statt. Spätestens mit der im Jahre 1825 in Laubenheim umgesetzten Union wurde die um das Jahr 1770 errichtete Lutherische Kirche obsolet. Aus ihr wurde eine Scheune und später ein Wohnhaus (siehe Abbildung in der Mediengalerie). Zwischen den Jahren 1864 und 1866 nahm sich der Kreuznacher Kreisbauinspektor Carl Conradi (1809-1882) der Evangelischen Pfarrkirche an. Der bis dahin noch immer zerstörte Chorturm wurde wiederhergestellt. Zuletzt wurde die Pfarrkirche im Jahre 2003 aufwendig renoviert.

Die Evangelische Kirche in Laubenheim wird im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Kreis Bad Kreuznach (Stand 2021) geführt. Der Eintrag lautet: „Ev. Pfarrkirche Naheweinstraße (Denkmalzone) ev. Pfarrkirche; spätgotischer Saalbau, 2. Hälfte 15. Jh., Chorturm mit neugotischem OG, 1864-66, Kreisbaumeister Conradi, Kreuznach; ev. Pfarrhaus, Heimatstil, 1920er Jahre, Pfarrgarten, kleine Anlage mit Kriegerdenkmälern 1870/71 und 1914/18 bzw. 1939/45; bauliche Gesamtanlage.“ (GDKE 2021).


(Stephanie Schepp, Universität Koblenz-Landau, 2021)

Internet
www.hfrg.de: Clas von Enen gos mich ... 1476, von Nikolaus Hein (abgerufen 10.11.21)
www.inschriften.net: Inschriftenkatalog: Bad-Kreuznach (abgerufen 10.11.21)

Literatur

Bergholz, Thomas (2008)
Kirche ordnen - Welt gestalten. 450 Jahre Kirchenordnung in Simmern-Trarbach. In: Monatshefte für Evangelische Kirchengeschichte des Rheinlandes, 57. Jahrgang, Bonn.
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2021)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Bad Kreuznach. Denkmalverzeichnis Kreis Bad Kreuznach, 27. Oktober 2021. Mainz. Online verfügbar: https://gdke.rlp.de/Kreis_Bad_Kreuznach_2021_10_27.pdf
Hofmeister, Günter (2020)
Zur Geschichte von Laubenheim. Laubenheim.

Evangelische Kirche Laubenheim

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Naheweinstraße
Ort
55452 Laubenheim
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Denkmalzone gem. § 5 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Landeskunde, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1450 bis 1500

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Empfohlene Zitierweise
„Evangelische Kirche Laubenheim”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343154 (Abgerufen: 27. November 2022)
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