Jägerbuche mit Baumkreuz nördlich Lenzholz

Kreuzbuche

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Naturschutz
Gemeinde(n): Kürten
Kreis(e): Rheinisch-Bergischer Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 01′ 32,79″ N: 7° 13′ 56,74″ O / 51,02578°N: 7,23243°O
Koordinate UTM 32.376.042,94 m: 5.654.177,99 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.586.507,51 m: 5.655.237,47 m
Die Jägerbuche ist ein „sagenumwobener“ mächtiger Grenzbaum in der Gemarkung Dürscheid am oberen Ende des Seimerich-Siefens, einem engen Nebental zum Dürschtal. Der Baum steht am Waldrand, nahe dem Quellpunkt des Seimerich-Siefens, am nordöstlichsten Punkt der ehemaligen Gemeinde/Stadt Bensberg. Er markiert einen Grenzpunkt, an dem nicht nur verschiedene Grundbesitze, sondern auch drei Jagdgrenzen und zwei kommunale Grenzen aneinander stießen (der vormaligen Gemeinde/Stadt Bensberg und der Gemeinde Kürten). Schon im Mittelalter und in der frühen Neuzeit verlief hier die Grenze zwischen den bergischen Ämtern Steinbach und Porz-Bensberg.

Die „Jägerbuche“ (gelegentlich auch „Kreuzbuche“ genannt) hat ihren Namen von einem tragischen Ereignis, das sich vor mehr als 200 Jahren abgespielt haben soll. Die Zeit gegen Ende des 18. Jahrhunderts war geprägt von großer Armut, besonders im ländlichen Bereich. Hinzu kam fremde Besatzung durch die Franzosen und die Drangsalierung durch die herrschenden Klassen. Die Fürsten beanspruchten das Jagdrecht ausschließlich für sich und stellten Jagfrevel unter harte Strafe. Das überreich vorhandene Wild wurde von Jagdhütern bewacht und die Bauern mussten die enormen Wildschäden entschädigungslos hinnehmen. Immer wieder kam es zu Konflikten zwischen Bauern und Jagdhütern, die auch tödlich endeten. So fand man nach einem besonders strengen Winter nahe bei der Buche die Leiche eines gewaltsam zu Tode gekommenen Jagdhüters. Es ist nie geklärt worden, wie er zu Tode kam. Bis auf den heutigen Tag hat die Jägerbuche ihr Geheimnis bewahrt. Irgendjemand, vielleicht der Wilddieb, hat dann zum Gedenken ein schlichtes Kreuz in der Buche aufgehängt. In späteren Zeiten haben die jeweiligen Jagdpächter das Kreuz immer wieder erneuert.

Der Kegelclub „Schmieß Du en öm“ und die Erneuerung des Kreuzes
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in Dürscheid verschiedene Jugendgruppen, die sich im Rahmen der katholischen Pfarrgemeinde formierten. Als die Jugendlichen ins Erwachsenenalter kamen, entwickelten sich daraus mehrere Clubs, insbesondere Kegelclubs. Einer davon, der 1969 offiziell gegründet wurde, nannte sich „Schmieß Du en öm“. Die Mitglieder waren sehr heimatverbunden und kümmerten sich neben dem Kegelsport auch um heimatkundliche Themen. Diesem Club gehörte Hans Heider aus Dürscheid-Meiswinkel an, auf dessen Waldbesitz die sagenhafte Jägerbuche steht. Er hat die Geschichte der Buche und des Gedenkkreuzes erforscht und im Rheinisch-Bergischen Kalender veröffentlicht.

Viele Jahre war es Tradition, dass die jeweiligen Jagdpächter sich um das Kreuz kümmerten und es pflegten. Das war jedoch in den 1980er/1990er Jahren nicht mehr geschehen, so dass das einfache Holzkreuz immer mehr verwitterte. Auf Anregung von Hans Heider entschloss sich daher der Kegelclub „Schmieß Du en öm“, die alte Tradition aufzunehmen und das Kreuz zu erneuern. Das handwerklich geschickte Mitglied Hermann Josef Menke fertigte ein neues Kreuz aus Eichenholz an. Den Korpus erhielt man von Fritz Roth, dem Chef des Beerdigungsinstituts Pütz-Roth in Bergisch Gladbach, der privat in der Gemeinde Kürten lebte. Das Kreuz erhielt ein schützendes Dach mit Kupferabdeckung, so dass es die nächsten Generationen überstehen dürfte. Karl Höller, damals Ingenieur in der Maschinenfabrik von Josef Keller (beide Clubmitglieder), entwickelte mit seinen technischen Kenntnissen eine kardanisch-pendelnde Aufhängung, die die Bewegungen des Baumes ausgleichen kann. Das neue Kreuz wurde in rund vier Metern Höhe am Doppelstamm der Buche angebracht und mit einer kleinen Feier am Pfingstsamstag des Jahres 1994 eingeweiht. Dabei erteilte der Kaplan Martin Cürten, ein Neffe von Hans Heider, den kirchlichen Segen.

Weitere Informationen zur Jägerbuche
Die mysteriöse Geschichte um die Jägerbuche ist in der Bevölkerung auch heute noch sehr lebendig. Je nachdem, wen man fragt, bekommt man allerdings ganz unterschiedliche Versionen erzählt. Generell wird am häufigsten die Geschichte mit dem Jagdaufseher erzählt. Dabei wird entweder ein Unglücksfall zugrunde gelegt (der Jagdhüter kommt im Schneesturm um), oder aber ein Verbrechen (der Jagdhüter wird bei Ausübung seines Berufes von einem Wilddieb erschossen). In beiden Fällen wird das Ereignis erst offenkundig, als im Frühjahr der Schnee schmilzt und die Leiche gefunden wird.
Der Kürtener Heimatforscher Werner Lüghausen, der die Wegekreuze in der Gemeinde Kürten gemalt und beschrieben hat, bezeichnet die Buche als „Kreuzbuche“. Er beschreibt das Kreuz folgendermaßen: „Ein kleines Holzkreuz mit Corpus Christi ist auf zwei Latten in einer in Höhe von etwa 5 mtr. befestigt. (Der Corpus soll früher an Ketten befestigt in der Buche gehangen haben)“ (Lüghausen 1999, S. 195). Dazu hat er in den 1980er Jahren folgende weitere Erzählungen gesammelt:

Erzählung 1:
Vor langen Jahren lief in der dortigen Gegend ein Ochse umher, der sein Horn in einen Baum stieß. Da ging aus dem Baum ein Muttergottes Bild hervor. Zur Erinnerung an dieses denkwürdige Ereignis setzte man ein Kreuz zur Anbetung an diese Stelle („Bergische Sagen“ von Otto Schell).

Anmerkung: Diese Version passt eigentlich weniger zu diesem Kreuz an der Jägerbuche. Der Heimatforscher Otto Schell scheint hier die Erzählungen zur Jägerbuche mit den Geschichten zum Gnadenbild in der Biesfelder Kirche vermischt zu haben.

Erzählung 2:
Unter dieser Buche hätte ein Einwohner vor einem Gewitter Schutz gesucht, dort sei er vom Blitz erschlagen worden, daher die Gedenkstätte.

Erzählung 3:
In der Buche hätte sich der Sohn einer Familie erhängt. Die Eltern hätten zum Andenken das Kreuz angebracht (nach Angaben eines Bechener Bürgers).

Erzählung 4:
Eine Frau überliefert von ihrem Großvater: Unter der Buche sei ein Mensch umgekommen und seit dieser Zeit würde sich unter der Buche kein Laub mehr sammeln.

(Biologische Station Rhein-Berg, erstellt im Rahmen des Projektes „Auf den Spuren unserer Bergischen Kulturlandschaft“ in Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein für die Gemeinde Kürten und Umgebung. Ein Projekt im Rahmen des LVR-Netzwerks Kulturlandschaft, 2020)

Quelle
Kunibert Förster (2020): Die Jägerbuche und der Kegelclub „Schmieß Du en öm“ (unveröffentlichtes Manuskript)

Literatur

Förster, Kunibert / Geschichtsverein für die Gemeinde Kürten und Umgebung e. V. (Hrsg.) (2009)
Kulturhistorische Zeugnisse in der Gemeinde Kürten. Von Wegekreuzen, Mühlen und Dolinen. S. 65, Kürten.
Heider, Hans (1996)
Die Jägerbuche bei Meiswinkel hütet ihr Geheimnis. Ein 200 Jahre altes Kreuz im einstigen Kürtener Grenzraum wurde erneuert. In: Rheinisch-Bergischer Kalender, S. 65. Bergisch Gladbach.
Lüghausen, Werner (1999)
Wegekreuze in der Gemeinde Kürten. 137 Kreuze erforscht, gemalt und beschrieben. S. 194f, Kürten.

Jägerbuche mit Baumkreuz nördlich Lenzholz

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Lenzholz
Ort
51515 Kürten - Dürscheid
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Naturschutz
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung

Empfohlene Zitierweise

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„Jägerbuche mit Baumkreuz nördlich Lenzholz”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-318911 (Abgerufen: 23. April 2021)
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