Schleidenhof in Erp

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Erftstadt
Kreis(e): Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 46′ 3,51″ N: 6° 43′ 23,94″ O 50,76764°N: 6,72332°O
Koordinate UTM 32.339.457,89 m: 5.626.457,51 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.551.071,87 m: 5.626.047,36 m
  • Schleidenhof (2018)

    Schleidenhof (2018)

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    Schleidenhof (1989)

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    Schleidenhof (1938)

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    Schleidenhof (2018)

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    Schleidenhof (2018)

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    Schleidenhof (1944)

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    Schleidenhof (1980)

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Lage
Der Schleidenhof an der Luxemburger Straße 30 liegt im Zentrum des Stadtteils Erftstadt-Erp. Das seit 1969 zu Erftstadt gehörende Dorf Erp liegt ca. 25 Kilometer südwestlich von Köln. Innerhalb der naturräumlichen Großeinheit der Kölner Bucht gehört dieser Bereich zur Zülpicher Börde, genauer der Erper Lössplatte.

Geschichte
Der Namen des Hofes geht auf die Edelherren von Schleiden zurück, die den Hof als nachweisbare Eigentümer bis 1403 als Allod, danach als kurkölnisches Lehen besaßen. 1451 fiel der Hof durch Erbgang an die Grafen von Manderscheid-Blankenheim, behielt seinen Namen aber bei. Von 1514 stammt der erste urkundlich erwähnte Pachtvertrag (Bartsch et al. 1998, S. 4).
Aus dem Jahr 1628 ist bekannt, dass Judith vom Scheidt den Hof unter gräflichem Sitz kaufte (Esser 1969, S. 49). Weitere detaillierte Angaben zu den Besitzverhältnissen des Schleidenhofs sind nicht bekannt. Unter der französischen Besatzung der Rheinlande (1794-1815) wurde der fürstliche Besitz 1807 enteignet und in private Hände überführt. Ende des 19. Jahrhunderts war die Industriellenfamilie Cockerill im Besitz des Hofes, dessen Schwiegersohn den Hof im Jahr 1909 an die Familie Leser verkaufte (Bartsch et al. 1998, S. 5).
Der Schleidenhof bildete den Mittelpunkt einer Villikation, d.h. eines Hofverbandes von fünf Fronhöfen. Das Hof- und das Dorfgericht wurde jedes halbe Jahr auf der Scheunentenne des Gutes abgehalten. Zeugnis an die Tätigkeit des Schultheißens und der Schöffen ist der Turm, der sich auf der rechten Seite der Hofeinfahrt befindet. Bis im Jahr 1753 ein seperates Wachhaus auf der Luxemburger Straße 31, gegenüber des Schleidenhofs, gebaut wurde, wurden in dem fensterlosen Untergeschoss des Turm Arrestanten festgehalten (Welters 1955, S. 83).
Erp erlitt 1944 enorme Kriegszerstörungen, die ebenfalls den Schleidenhof trafen. Die Aufnahme von 1944 zeigt einen ummauerten Rundbogen als Hofeinfahrt. Dieser ist heute nicht mehr vorhanden. Das Wohnhaus blieb allerdings erhalten, was die Aufnahme von 1938 im Vergleich zu dem Foto von 2018 zeigt.

Wirtschaftliche Entwicklung
Der Schleidenhof war und ist der größte Hof in Erp, auch wenn er heute nicht mehr landwirtschaftlich genutzt wird. So ist beispielsweise überliefert, dass im Jahr 1669 390 Morgen Ackerland zum Schleidenhof gehörten, die im Besitz des Grafen Hermann von Blankenheim-Manderscheid standen. Wie die anderen großen adeligen Höfe in Erp, war der Schleidenhof ebenfalls von landständischen Steuern befreit (Esser 1969, S. 49).
Unter der Familie Leser, die ab 1909 im Besitz des Hofes sind, blieb der Hof einer der größten landwirtschaftlichen Höfe in Erp. Durch zahlreiche Landarbeiter konnten die Ackerparzellen bestellt werden. In der Regel handelte es sich dabei um die Familien aus Erp, die auf dem Hof Leser über Jahrzehnte arbeiteten. So erzählt ein Augenzeuge (2018), dass er selbst auf dem Hof gearbeitet hat seit er vierzehn Jahre alt war, weil sein Vater dort Stallmeister war. Der Sohn lernte damit früh den Umgang mit Pferden und mit sechszehn Jahren mit einem Zweiergespann das Feld pflügen. Zu Mittag mussten die Tiere im Stall gefüttert werden und die Arbeiter zogen sich in das Wohnhaus des Schleidenhofs zurück. Auf der Aufnahme von 1938 sind zwei Eingänge zu erkennen. Der eine war der Haupteingang der Familie Leser und der andere führte zum Speisezimmer der Landarbeiter. Die Zahl der Pferde und der Knechte auf dem Schleidenhof war beträchtlich, was ebenfalls die Aufnahme von 1938 verdeutlicht.
Außerdem berichtete der Augenzeuge (2018), dass im Schleidenhof als einer der ersten Höfe in Erp die Mechanisierung Einzug erhalten hat. So gab es in den 1940er Jahren einen Schlepper und in den 1960er Jahren wurde eine automatische Melkmaschine sowie eigene Silos angeschafft.
Die Fokussierung des Nutzpflanzenanbaus lag auf der traditionellen Fruchtfolge von Zückerrübe, Weizen und Gerste.

Kultuhistorische Bedeutung
Der denkmalgeschützte Schleidenhof zählt als eines der ehemaligen Großgüter in Erp zu den ortsbildprägenden historischen Kulturlandschaftselementen, durch die die ehemalige landwirtschaftliche Struktur und Bedeutung des Ortes auch nach dem wirtschaftlichen Strukturwandel, der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stattgefunden hat, ablesbar geblieben ist. Trotz des funktionalen Wandels des Schleidenhofes von der Landwirtschaft zur reinen Wohnfunktion sind die Bausubstanz und das Ensemble der Gebäudekomplexe eines mitteldeutschen Vierkanthofes mit Wohnhaus und Wirtschaftsgebäuden persistent. Besonders der ehemalige Gefängnisturm des Schleidenhofes mit seiner sechseckigen Haube zur rechten Seite der Hofeinfahrt stellt ein ortsbildprägendes Kulturlandschaftselement dar. Außerdem ist das Wohnhaus mit den Mauerankern „A 1746“ als eines der ältesten Gebäude in Erp zu identifizieren. Mit dem verputzten hohen Sockel und den acht Fensterachsen ist das traufständige, zweigeschossige Gebäude mit dem Krüppelwalmdach größer als die übrigen Gebäude (Bartsch et al. 1998, S. 1).

Hinweis
Das Wohnhaus mit dem ehemaligen Gefängnisturm ist unter der Denkmalnummer 103 in der Liste der Baudenkmäler in Erftstadt-Erp aufgeführt.
Die historischen Fotos stammen aus der Sammlung Jüssen, die dem LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte übergeben wurden.

(Sabrina Ranke, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2018)

Internet
denkmalschutz.erftstadt.de: Förderkreis für Denkmalschutz und Denkmalpflege in Erftstadt e.V. 1995 (abgerufen 22.01.2019)
alltagskulturen.lvr.de: Portal „Alltagskulturen im Rheinland“, Sammlung Jüssen (abgerufen 22.01.2019)

Literatur

Bartsch, Frank; Hoffsümmer, Dieter; Stommel, Hanna (1998)
Denkmäler in Erftstadt. 6.1 Erp Ortsgeschichte. Neunkirchen.
Esser, Albert (1969)
Die Geschichte des Dorfes Erp. Erp.
Welters, Hans (1955)
Erp - ein alter Dorfplan erzählt. In: Heimatkalender des Kreises Euskirchen 1955, S. 66-92. Rheinberg.

Schleidenhof in Erp

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Luxemburger Straße 30
Ort
50374 Erftstadt - Erp
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1403

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Sabrina Ranke (2018): „Schleidenhof in Erp”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-290065 (Abgerufen: 18. März 2025)
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