Bleierzbergbau am Tanzberg bei Keldenich

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Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Kall
Kreis(e): Euskirchen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 32′ 21,59″ N: 6° 35′ 17,11″ O / 50,53933°N: 6,58809°O
Koordinate UTM 32.329.096,32 m: 5.601.376,58 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.541.733,67 m: 5.600.565,38 m
  • Bleibergbau am Tanzberg in Keldenich, ehemaliges Maschinenhaus (2018).

    Bleibergbau am Tanzberg in Keldenich, ehemaliges Maschinenhaus (2018).

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  • Ehemaliges Bleibergwerk in Kall-Keldenich, Abraumhalde (2018).

    Ehemaliges Bleibergwerk in Kall-Keldenich, Abraumhalde (2018).

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  • Ehemaliges Bleibergwerk Kall-Keldenich, Blick über eine Halde (2018)

    Ehemaliges Bleibergwerk Kall-Keldenich, Blick über eine Halde (2018)

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  • Grube Tanzberg, ehemaliges Bleibergwerk in Kall-Keldenich. Gedenkstein (2018)

    Grube Tanzberg, ehemaliges Bleibergwerk in Kall-Keldenich. Gedenkstein (2018)

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  • Bleibergbau am Tanzberg in Keldenich, Überblick über das ehemalige Zechengelände (2018).

    Bleibergbau am Tanzberg in Keldenich, Überblick über das ehemalige Zechengelände (2018).

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  • 2018 Archäologietour Nordeifel, Infoblatt Bleierzbergbau am Tanzberg bei Keldenich (PDF-Datei)

    2018 Archäologietour Nordeifel, Infoblatt Bleierzbergbau am Tanzberg bei Keldenich (PDF-Datei)

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Die ältesten schriftlichen Überlieferungen zum Bleierzbergbau der Eifel stammen aus dem 14. Jahrhundert und beziehen sich auf den Tanzberg bei Keldenich. Bereits für die römische Zeit gibt es zahlreiche Indizien, die hier für eine Gewinnung des im römischen Reich begehrten Metalls sprechen.

Mittelalter und Neuzeit
Mechernicher Bleierzlagerstätte
Naturschutzgebiet Tanzberg
Hinweise / Internet / Literatur

Mittelalter und Neuzeit
Im Mittelalter wurden die Bleierze in oberflächennahen Abbaugruben (Pingen) ausgebeutet. In der Neuzeit legte man Stollen an, die vom Urfttal ausgehend den Erzgängen im Buntsandstein folgten. Am Tanzberg holte man die Bleierze an die Oberfläche. Sie wurden direkt vor Ort weiterverarbeitet.
Aus dem geförderten Grundmaterial wurden 22 Mineralien gewonnen: Anglesit, Ankerit, Bornit, Calcit, Cerussit, Chalkopyrit, Covellin, Dickit, Dolomit, Galenit, Gips, Hemimorphit, Langit, 'Limonit', Linarit, Malachit, Millerit, Pyrit, Pyrolusit, Pyromorphit, Ranciéit, Serpierit (Weiß 1990).
Von den ehemaligen Förderanlagen und Verarbeitungsstätten zeugen heute noch das Gelände an der Frankenstraße, gekennzeichnet durch die lange und hohe Böschungsmauer. Auf dem Plateau standen die Fördertürme, die Wasch- und Aufbereitungsanlagen sowie das Maschinenhaus. Das Maschinenhaus mit den charakteristischen Runddächern ist erhalten geblieben und wird als Wohnhaus genutzt.
Die noch heute erkennbaren Halden sind im Mittelalter und der Neuzeit entstanden.

Historisch überliefert sind schwere Grubenunglücke, wie auch eine Erinnerungstafel am Ort belegt. Sie erinnert besonders an das Bergwerksunglück von 1547, aber auch an alle anderen verunglückten Bergleute. Die schwere Arbeit unter Tage und vor allem die Unglücke haben sich in der Sage vom Tanzberg niedergeschlagen:
„Vor vielen 100 Jahren wohnten im Erdinnern in Felsspalten und Höhlen Erdgeister. Große Schätze von Gold und Silber nannten sie ihr eigen. In dem Berge zwischen Keldenich und Dottel zog sich das edle Metall in dicken Adern unter der Erde hin, von den Zwergen mit großer Sorgfalt bewacht. Aber die klugen Menschen hatten bald entdeckt, was der Boden barg. Und mit großem Fleiße trieben sie tiefe Schächte und Stollen in das Berginnere. Die Ausbeute an edlem Metall schien so unermeßlich und machte so wenig Mühe, daß ein Bergmann eher einen Malter Korn durch Erzschürfungen verdient, bevor der Müller ein solches gemahlen hatte. Da der Reichtum mit so leichter Mühe den Bergleuten in den Schoß fiel, wurden sie übermütig und üppig. Sie richteten unten im Berge Tanzsäle ein und feierten große Feste. Tag und Nacht hielten sie Zechgelage mit den Weibern. Auf den Kegelbahnen warfen sie mit Broten und Käse. Über all dies waren die Erdgeister fürchterlich erzürnt, und grausig dröhnten ihre Donnerstimmen durch das Gebirge. Niemand achtete darauf. Da nahm die Rache ihren Fortgang. Eines Nachts, als nach getaner Arbeit wieder die Bergleute mit den Dirnen unter rauschender Musik in den unterirdischen Räumen den Lüsten frönten, stürzte plötzlich das Gewölbe ein, und das stürzende Gebirge begrub sie alle samt ihren Schätzen. Ein einziger Knappe, der sich verspätet hatte und so dem Unglück entgangen war, konnte der Nachbarschaft Kunde bringen von dem schauerlichen Unglück. Obschon die Bergknappen der Umgegend mit Eisen und Schlägel, Schaufel und Haue den verschütteten Kameraden zu Hilfe eilen wollten, niemals ist es gelungen, den Ort, wo geiler Lust und frevlem Spiel ein so jähes Ende bereitet wurde, wieder aufzufinden, berichtet die Sage. Ob und wieweit sie Anspruch auf Wahrheit hat, lassen wir dahingestellt. Merkwürdig ist, daß am Feste Christi-Himmelfahrt, wenn die Segensprozession die Fluren durchwandert, von altersher bis auf den heutigen Tag die Teilnehmer an beiden Seiten der Erdsenkung niederknien und fünf Vater unser für die Verunglückten beten.“ (nach: Der Tanzberg 1927)
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Mechernicher Bleierzlagerstätte
Die Mechernicher Bleierzlagerstätte ist gebunden an die durch die Faltung des devonischen Grundgebirges entstandenen Störungszonen, die von Südwesten nach Nordosten verlaufen. Hier wurde ‒ zwischen Kall und Satzvey ‒ Buntstandstein auf den Devonschichten aufgelagert. Die Lagerstätte hat eine langgestreckte Form und beginnt im Osten an der Straße Mechernich-Breitenbenden (Hardt) und endet im Westen am Tanzberg bei Keldenich. Bei einer Längenausdehnung von etwa 9 Kilometern hat sie eine Breite von 800 bis 1200 Metern. Die Schichten streichen im allgemeinen in 60 bis 80 Grad und fallen flach nach Norden ein. Im äußersten Osten, im Bereich Kall, besteht die Lagerstätte aus einem einzigen Sandsteinlager.
In diesen Sandsteinschichten befinden sich die für die Mechernicher Lagerstätte charakteristischen Knottenerze. Unter Knotten (Knoten) versteht man 1-4 Millimeter starke Kügelchen, bestehend aus Bleiglanzkristallen, die mit Quarzkörnern verkittet und im Sandstein mehr oder weniger regelmäßig verteilt sind (Knottensandstein). Solch eine Knotte hat einen Bleigehalt von etwa 20 Prozent.
In den einzelnen Sandsteinbänken, hier Flöze genannt, ist die Verteilung der Knotten ganz unregelmäßig. Der Bleigehalt des Knottensandsteins schwankt zwischen 1 und 3 Prozent. Außer Bleiglanz findet man in der Mechernicher Lagerstätte Weißbleierz und Grünbleierz in oft schönen Kristallen, daneben auch Schwefelkies und Kupferkies.
Nach der heute herrschenden Anschauung sind die Vererzungen in Form von Lösungen in den fertig ausgebildeten Sandstein hineingelangt sind. Die Blei führenden Lösungen, die aus dem Grundgebirge aufgestiegen sind, stammen wahrscheinlich einem die Eifel durchsetzenden Gangzug (Bleierzgänge), der bei Bleialf und Rescheid aufgeschlossen ist (Abel 1954).
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Naturschutzgebiet Tanzberg
Das Naturschutzgebiet Tanzberg bei Keldenich ist neben dem Stolberger und dem Mechernicher Raum eines der wenigen Gebiete der Eifel, in denen Schwermetalle im Boden vorkommen.
Solche Gebiete sind ökologisch sehr interessant, denn hier kommen die seltenen „Metallophyten“ vor, Pflanzen, die sich im Verlauf der Evolution an Schwermetalle anpassen konnten. Diese Pflanzen sind dadurch weniger anfällig gegen die Schädigungen, die Schwermetalle in normalen Pflanzen verursachen, und sie sind deshalb heute in diesen Gebieten dominant.
In dem ehemaligen Bergbaugebiet entstand nach der Stilllegung der Abbautätigkeit ein eng verzahntes Mosaik aus Heideflächen, Gebüschen, Kleinwässern und Wald. Nicht überall im Gebiet sind die Schwermetalle gleichmäßig verteilt. An einigen Stellen dringen sie nicht bis an die Oberfläche, dort können sich Heidekraut und Blaubeere, Kiefern und Birken halten.
An anderen Stellen liegen die Schwermetalle direkt unter der Oberfläche. Sie sind für Pflanzen wie für Tiere giftig, wenn sie in den Körper aufgenommen werden und sich über längere Zeiträume dort anreichern können. Bei hohen Konzentrationen im Boden ist die Oberfläche völlig vegetationsfrei. Wo geringere Konzentrationen auftreten, kommen die typischen Metallophyten vor: Grasnelke, Taubenkropf, Frühlingsmiere und Täschelkraut.
Das Naturschutzgebiet ist aber nicht nur durch seine Schwermetalle geprägt, sondern auch durch den Kalk im Boden. Von großer Bedeutung für die Ausprägung der Pflanzendecke ist das Verhältnis von Kalk zu Blei. Kalk mildert die schädliche Wirkung der Schwermetalle auf die Pflanzen, so dass die Metallophyten in Kalkgebieten höhere Bleikonzentrationen ertragen können als auf sauren Böden.
Doch nicht nur die Schwermetallpflanzen, auch die Vegetation der mageren Böden, auf denen keine Landwirtschaft stattfinden darf und die deshalb brach liegen, ist sehenswert. Auf dem Tanzberg kommen neben seltenen Pflanzen auch geschützte Insekten sowie Reptilien und Amphibien vor (nach www.naturpark-eifel.de).
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(LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2018)

Hinweise
Die Halde des Bleierzbergbaus ist eingetragenes Bodendenkmal (LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, Nr. EU 129).
Die Relikte des Bleierzbergbaus am Tanzberg waren Station der Archäologietour Nordeifel 2018 (nähere Informationen hierzu im Führungsblatt in der Medienleiste).

Internet
www.naturpark-eifel.de: Die Kalkeifel (abgerufen 19.09.2018)
www.wisoveg.de: Der Mechernicher Erzbergbau, Heimatkalender 2014 (abgerufen 19.09.2018)
www.mineralienatlas.de: Grube Tanzberg (abgerufen 19.09.2018)
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Literatur

Abel, Karl (1954)
Der Mechernicher Erzbergbau. In: Heimatkalender Kreis Schleiden 1954, o. O. Online verfügbar: www.wisoveg.de, abgerufen am 21.09.2018
o. A. (1927)
Der Tanzberg. Eine Eifeler Sage. In: Unsere Heimat, Beilage zum Euskirchener Volksblatt, 4. Jahrgang, Nr. 13, 1927, S. 117-118. Euskirchen.
Weiß, Stefan (1990)
Atlas der Mineralfundstellen in Deutschland-West. S. 51, München.

Bleierzbergbau am Tanzberg bei Keldenich

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Frankenstraße
Ort
53925 Kall - Keldenich
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung, Archäologische Prospektion, Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1300 bis 1400

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Bleierzbergbau am Tanzberg bei Keldenich”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-283500 (Abgerufen: 5. Dezember 2019)
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