Grundschule „am Deich“ in Herzhorn

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Herzhorn
Kreis(e): Steinburg
Bundesland: Schleswig-Holstein
Die Schule Herzhorn wurde bereits 1556 gegründet und zählt damit zu den ältesten Landschulen in Schleswig-Holstein. Der Neubau von 1824 wurde 1955 durch den jetzigen ersetzt. Ab 2019 soll hier das vierte Schulgebäude der langen Schulgeschichte stehen. Mit der Gründung des Schulverbandes Glückstadt 1973 wurde die Schule eine reine Grundschule, die weiterführenden Schulen sind in Glückstadt.

Die Geschichte der Schule Herzhorn vom 16. bis 18. Jahrhundert
„Anno 1556 hefft de ersame bescheiden Johann Sommer, Köster in Hertzhorne, mit christlikem Rade und Bewilligung des Erwerdigen Herrn Hermanni Hasti, Pastoren, der Ersamen Kerkgeswahren und des gantzen Cerspels eine Kinderschole darsülbst erstmahls angefangen“ - so schreibt Pastor Hinrich Rosenbohm, der in Herzhorn von 1560 bis 1608 amtierte. Damit zählt die Herzhorner Schule zu den ältesten Landschulen in Schleswig-Holstein. Die Gründung hängt wohl auch eng mit der Reformation zusammen, die in unserem Raum schnell Anhänger fand. Bekannte Reformatoren jener Zeit sind Hermann Tast in Husum, Johann Bockwold in Süderau und Krempe und Heinrich Möller von Zütphen in Meldorf. Die Gründung steht aber wohl auch im engeren Zusammenhang mit der Entstehung einer neuen Deichlinie.

1511 wurde das „Niefeld in Hertzhorne bediecket“ (Daniel Scharmer). Die Splethe wurde über die Kirchenwettern in den Herzhorner Rhin geleitet und der Oben- und Herzhorner Deich konnten gebaut werden. Sie bildeten ein Bollwerk gegen die Wasserfluten der Elbe und Priele und reizten zum Besiedeln des landwärts liegenden fruchtbaren Ackerlandes. 1521 begannen die Menschen mit dem Bau der dritten Kirche im Ortskern der Gemeinde und in ihrem Umfeld entstand auch die erste Herzhorner Schule. Der erste Unterricht soll in einer kleinen Kate abgehalten worden sein, die auf dem Kirchengrundstück stand. Der Schulweg an der Kirchenwettern entlang war vor allem im Herbst und Winter kaum begehbar. Aus diesem Grunde drängte der Schulte Harmen Meinert die Bauern, den Weg zu befestigen und ihn durch einen Zaun abzusichern, was im Jahre 1565 auch geschah.

Neben den Aufgaben des Unterrichtens musste der Lehrer oder Küster die Betreuung der Kirchengerätschaften und die Verrichtung der niederen Kirchendienste übernehmen. Zu den Aufgaben zählte auch die Leitung des Singens bei Beerdigungen. Johann Sommer blieb 21 Jahre in Herzhorn und starb im Februar 1577. Er wurde in der Kirche zur Ruhe gebettet. Seine Nachfolger waren von 1577 bis 1650 drei Diakone, die am Katheder der Schule standen, und zwar der zweiten Schule, die bereits 1572 gebaut worden war. Einige Lehrer in Herzhorn mussten auch Nebenämter wahrnehmen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Peter Tietje war in der Zeit von 1784 bis 1820 als vereidigter Landmesser tätig. Lorenz Jacob Glashoff betätigte sich in der Zeit von 1725 bis 1784 als Lotteriebetreiber, allerdings mit zweifelhaftem Ausgang. Er wollte 16 000 Lose zu je 4 Mark vertreiben. Zu gewinnen waren 16 000 Preise. Die Genehmigung für die Lotterie erhielt er im Oktober 1745, die er zum Wohle des Zucht- und Wehrhauses in Glückstadt ausgeschrieben hatte. Zwei Jahre später hatte er einen Überschuss von 1 000 Mark erwirtschaftet, wurde aber bestraft, weil er keine nachvollziehbare Abrechnung vorlegen konnte. Die Strafe wurde später wieder aufgehoben. Glashoff ist der Lehrer mit der längsten Dienstzeit in Herzhorn. Er war 59 Jahre lang im Amt.

Erster Neubau und das Schulleben im 19. Jahrhundert
Ergiebigere Quellen liegen über die nächste Schule, die Vorgängerin der heutigen, vor. Nach einem Anbau an der bestehenden Schule im Jahre 1818 brannten die Schule einschließlich des danebenliegenden Diakonats am 13. September 1823 ab. Schulvorsteher der damaligen Zeit waren Joachim Scharmer und Peter Heidenreich. Für das abgebrannte Schulhaus wurden 7 200 Mark an Brandgeld gezahlt, hinzu kamen 236 Mark und 14 Schillinge als Einnahme aus dem Verkauf der Brandreste. Die Rohbaukosten der neuen Schule betrugen 8 340 Mark und der Bau dauerte 86 Tage. Er wurde am 30. August 1824 beendet. Während dieser Zeit fiel der Unterricht nicht aus, sondern fand beim Bauern Claus Piening in Mittelfeld statt.

Das neue Schulgebäude wurde zum Leidwesen der Lehrer ohne hinreichenden Schutz gegen die Bodenfeuchtigkeit errichtet. Ein Lehrer bezeichnete das Schulhaus als Lazarett. Er sah in der Feuchtigkeit die Ursache für Krankheiten im Lehrerhaus. Der angrenzende Kirchhof war seinerzeit der Spielplatz für die Kinder und bot vielerlei Anlass für Ärgernisse. Einmal wurde ein neuer Grabhügel zertreten, ein andermal grub ein Junge Blumen und Pflanzen ein und aus. Die Proteste des Totengräbers sollen erfolglos geblieben sein. Um 1870 wurde ein Turn- und Spielplatz für die Schulkinder eingerichtet, nachdem der Kirchenälteste Heinrich Schmidt das Betreten der Kirchenwarft verboten hatte.

In der Zeit des Lehrers Nielsen von 1823 bis 1859 wurden etwa 200 Kinder an der Herzhorner Schule unterrichtet. Ende der Achtzehnhundertsiebzigerjahre war die Schule dreizügig und beschäftigte zwei Lehrer. Der Hauptlehrer wohnte als Untermieter in der Bodenwohnung des Schulgebäudes, der Präparand logierte in der Hinterstube. Er konnte zweimal täglich kochendes Wasser vom Hauptlehrer verlangen. Viele Kinder waren im Sommer beurlaubt, sodass zeitweise nur die Hälfte der Kinder zum Unterricht erschienen. Hinzu kamen zahlreiche Ausfälle wegen Krankheiten. Daher ordnete der Kreisphysikus 1883 auch ein zweimaliges Fegen der Schulräume pro Tag an. 1887 fehlten bei der großen Diphtherie-Epidemie 94 Schulkinder. Der Unterricht musste ausfallen – das Dorf wirkte wie ausgestorben. 1888 zog der zweite Lehrer ins Diakonat ein. 1908 wurde ein dritter Klassenraum geschaffen. Durch den Zuzug der Heimatvertriebenen erreichte die Schülerzahl 1947 ihren Höchststand. Zu dieser Zeit war die Schule sechsklassig und hatte 287 Schülerinnen und Schüler. Die alten Schulgebäude konnten die wachsenden Ansprüche nicht mehr erfüllen.

Zweiter Neubau (heutiger Schulbau)
Nach langem Hin und Her durch zähe Verhandlungen mit dem Land konnte 1954 der Beschluss der Gemeindevertretung zum Schulneubau gefasst werden. Am 14. Oktober 1955 wurde das neue Schulgebäude eingeweiht. Es umfasste vier Klassenräume, ein Lehrerzimmer und einen Duschraum, der auch von den Herzhorner Bürgern benutzt werden durfte. Das Gebäude kostete 230 000 DM. Davon trugen die Gemeinde 160 000 DM und das Land Schleswig-Holstein 70 000 DM. Die alten Schulgebäude aus dem Jahre 1823 wurden 1956 abgerissen, das Diakonat im August 1962.

Rektoren und Lehrer in der Nachkriegszeit
In der Nachkriegszeit wurden die Lehrer Otto Trusdorf aus Ostpreußen und Georg Schröder aus Pommern angestellt. Hauptlehrer Hinrich Schröder, der die Schule vier Jahrzehnte in vorbildlicher Weise geführt hatte, wurde am 1. Oktober 1946 in einer würdigen Feier aus dem Amt verabschiedet. Er hat noch bis zum 1. März 1947 weitergearbeitet und ist im April 1955 in Herzhorn verstorben. Heinrich Brundert war erster Lehrer an der Schule Strohdeich, bevor er Hauptlehrer in Herzhorn wurde. Er leitete die Schule vom 1. April 1947 bis zum 31. Oktober 1951 und wurde dann nach Rickling im Kreis Segeberg versetzt.
Sein Nachfolger war Heinrich Brandt, der bis zum 11. Juni 1971 arbeitete und in Herzhorn tiefe Spuren hinterlassen hat. Er war nicht nur ein vorbildlicher Lehrer und Rektor der Schule, sondern auch eine Person des Vertrauens für die Schülerinnen und Schüler sowie für die Menschen der politischen und kirchlichen Gemeinde. Lange Zeit gehörte er dem Vorstand des MTV Herzhorn an. Er gründete mit ehemaligen Schülerinnen und Schülern den Spielmannszug Herzhorn, war Leiter des Frauenchores, Kantor der St. Annen-Kirche und Sachkundiger für alle heimatgeschichtlichen Begebenheiten.
Ihm folgte Kurt Jönßon, der die Schule in der Engelbrechtschen Wildnis bis zu ihrer Auflösung 1968 geleitet hatte. Er konnte im Jahre 1980 die in Herzhorn lang herbeigesehnte Sporthalle einweihen. In seine Amtszeit fiel ferner das neue Schulgesetz des Landes Schleswig-Holstein, das die Einrichtung von Dorfgemeinschaftsschulen und die Gründung von größeren Schulverbänden vorsah. Die Dorfschulen des Glückstädter Umlandes wurden mit den Schulen in Glückstadt zu einem Zweckverband zusammengelegt. Die Schulen in Borsfleth, Blomesche Wildnis, Engelbrechtsche Wildnis und Neuendorf mussten geschlossen werden und in Kollmar und Herzhorn verblieben lediglich Grundschulen.
Kurt Jönßon blieb 10 Jahre lang Schulleiter. Ihm folgten von 1981 bis 1988 Ulrich Kriszio, von 1988 bis 1989 Rosemarie Schwanhold als kommissarische Leiterin, von 1989 bis 1996 Jürgen Maaß und ab 1996 Klaus Dössel.

Der Schulbetrieb heute
1998 musste die Schule um einen Klassenraum erweitert werden. 2004 erfolgte der Umbau der ehemaligen Hausmeisterwohnung. Hier wurden ein Computerraum und ein Aufenthaltsraum für die betreute Grundschule eingerichtet. 2009 wurden die Sanitärräume in der Schule erneuert und die Sporthalle saniert (Dach, Hallenfußboden, Sanitärräume). Der Schulhof ist mit Spielgeräten für aktive Pausen gestaltet.

Im Jahr 2017 besuchen ca. 100 Kinder die Grundschule, die sich auf vier Klassen verteilen. Seit 2013 ist Carola Frank-Heyse Schulleiterin. Über den Förderverein „Betreute Grundschule Herzhorn e. V.“ können tägliche Betreuungszeiten von 07.30 – 13.30 Uhr sichergestellt werden. Die 5 Klassenräume, 3 Nebenräume und der Mehrzweckraum mit ausreichend Computerarbeitsplätzen ermöglichen differenzierte Lernformen. Viele Jahre wurde eine Schulpartnerschaft mit dem weißrussischen Dorf Koselushje gepflegt. Kinder wurden für 3 Wochen bei Gasteltern in Herzhorn untergebracht und in dieser Zeit teilweise gemeinsam unterrichtet. Einen Höhepunkt im Schuljahr stellt das traditionelle Kinderfest mit Königsspielen, einem Umzug durchs Dorf und Aufführungen und Kindertänzen in der Sporthalle dar.

Durch die stark rückläufigen Geburtenzahlen und der vom Land festgelegten Mindestfrequenz von 80 Schülerinnen und Schülern für Grundschulen wurden die Grundschulen Herzhorn und Kollmar des Schulverbandes Glückstadt 2013 zur „Schule am Deich“ zusammengelegt mit Kollmar als Außenstelle. Durch den beschlossenen Neubau der Grundschule in Herzhorn, der 2019 bezugsfertig sein soll, ist der Schulstandort Herzhorn aber langfristig gesichert.

(Autor: Klaus Lange nach Aufzeichnungen von Wilhelm Ehlers, Erfasser: Herbert Frauen, Heimatverband für den Kreis Steinburg, 2017)

Literatur

Ehlers, Wilhelm (2011)
Die Geschichte des Kirchspiels und der Herrschaft Herzhorn. ein Beitrag zur politischen und wirtschaftlichen Geschichte der holsteinischen Elbmarschen. Glückstadt.
Lange, Klaus; Frauen, Herbert (2010)
Herzhorn. Mosaiksteine zur Geschichte eines Ortes. (Bd. 2.) Herzhorn.

Grundschule „am Deich“ in Herzhorn

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Hinterstraße 3
Ort
25379 Herzhorn
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1556
Koordinate WGS84
53° 47′ 14,79″ N, 9° 29′ 8,23″ O / 53.78744°, 9.48562°
Koordinate UTM
32U 531994 5959982
Koordinate Gauss/Krüger
3532076.76 5961926.85

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„Grundschule „am Deich“ in Herzhorn”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-273446 (Abgerufen: 20. August 2018)
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