St. Annen-Kirche in Herzhorn

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Herzhorn
Kreis(e): Steinburg
Bundesland: Schleswig-Holstein
  • Die St. Annen Kirche in Herzhorn (2007)

    Die St. Annen Kirche in Herzhorn (2007)

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  • Ansicht der St. Annen Kirche in Herzhorn vom Marktplatz (2015)

    Ansicht der St. Annen Kirche in Herzhorn vom Marktplatz (2015)

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  • Historisches Gemälde der St. Annen Kirche in Herzhorn

    Historisches Gemälde der St. Annen Kirche in Herzhorn

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Junge Kirche auf alter Warft
Die St. Annen-Kirche steht seit 1954 auf dieser Wurt. Die dritte Kirche von 1781 ist am 05. Dezember 1937 abgebrannt. Sehenswürdigkeiten in der St. Annen-Kirche sind heute: Das alte Portal an der Nordseite, außen eingemauerte Grabplatten, die von Fritz Höger entworfene Kirchentür, ein Tauffenster von Hermann Wehrmann, geschnitzte Holzskulpturen von Otto Flath und Arbeiten des Kunstschmiedes Wilhelm Lorenz. Im Kirchturm läuten die Katharinen-Glocke von 1471 und die St. Annen-Glocke von 2003.

Herzhorn hat die mit Abstand jüngste Dorfkirche in der Elbmarsch. Die St. Annen-Kirche wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut. Die Kirchwarft aber, auf der sie steht, ist sehr viel älter. Sie stammt aus der Anfangszeit unseres Dorfes und wurde um 1520 aufgeschüttet. Seit fünf Jahrhunderten spielt sich hier nun schon die kirchliche Geschichte unseres Dorfes ab.

Geschichte des Kirchenbaus
Bereits um 1470 wurde in der Nähe des heutigen Splethendamms eine Kirche gebaut. Sie fiel aber zu Beginn des 16. Jahrhunderts einer Sturmflut zum Opfer. Noch früher, um 1350, stand auf Herzhorner Gebiet im Bereich des Außendeichs beim heutigen Herrenfeld in der Ortschaft Nygenstadt eine Kirche. Aufgrund ständiger Überflutungen mussten Ort und Kirche schon 1402 wieder aufgegeben werden. Bis heute gehört das Herrenfeld zum Gebiet der Kirchengemeinde Herzhorn. 1965 fand man bei Ausgrabungen Ziegelbrocken, die aus dem alten Nygenstadt stammen. Ein kleines Ziegelstück hat Bürgermeister Klaus Lange der Kirchengemeinde geschenkt. Es fand seinen Platz in der heutigen St. Annen-Kirche und erinnert an die Ursprünge des Kirchspiels Herzhorn.

Als Herzhorn im Jahre 1511 durch den Bau des Deiches zwischen Lesigfeld und Bielenberg (Obendeich) dauerhaft gegen die Fluten der Elbe gesichert wurde, fand bald auch die Kirche ihren Platz auf der bis heute bestehenden Kirchwarft. Im Jahre 1521 wurde hier die erste Kirche erbaut und am 26. Juli 1522 geweiht. 20 Jahre später trat mit Herman Harstius der erste lutherische Pastor seinen Dienst in Herzhorn an.

1536 kam die Katharinenglocke nach Herzhorn. Ihr Klang ist bis heute weit über die Marsch zu hören. Diese Glocke wurde bereits 1471 gegossen und von der Kirchengemeinde Barkau für 160 Mark gekauft. Damit ist sie eine der ältesten erhaltenen Kirchenglocken Nordelbiens. Dass die Katharinenglocke die Jahrhunderte unbeschadet überstanden hat, verdankt sie dem glücklichen Umstand, dass sich der Glockenturm bis 1954 immer außerhalb der Kirche befunden hat. Die Kirche selber wurde mehrfach zerstört und wieder aufgebaut, so-dass sich mit der jetzigen St. Annen-Kirche von 1954 bereits der vierte Kirchbau auf der Kirchwarft befindet.

Der erste und zweite Kirchenbau
Die St. Annen-Kirche von 1521 hatte nur eine Lebensdauer von 107 Jahren. 1628 wurde sie im Dreißigjährigen Krieg während der Belagerung Glückstadts und Krempes durch die Truppen Wallensteins zerstört. 1634 wurde noch während des Krieges die zweite St. Annen-Kirche gebaut. Die geretteten und nach Krempe verbrachten Kirchenglocken holte man zurück. Beim Bau dieser Kirche wurden wohl nicht die besten Materialien verwendet. Allerdings war sie durch Stiftungen von Kanzel, Altar und Gestühl reich ausgestattet. Die zweite Kirche war jedoch sehr klein geraten, sodass sie 1708/09 durch den Anbau der sogenannten „Neuen Kirche“ erweitert wurde. Der 7. Herzhorner Gemeindepastor Nicolaus Ludwig Esmarch (Amtszeit: 1682 –1719) schrieb dazu in einem Protokoll:
„Im Namen Jesu! Amen! Nachdem durch Gottes Segen die Gemeine alhier in Herzhorn, dergestalt gewachsen und zugenommen, dass die Kirche für di-selbe viel zu kleine gewesen und alle Sonn- und Festtage in derselben ein groß Gedränge befunden. Als ist endlich 1708. Durch einhelligen Schluss der Gemeine beliebet worden. Da denn Reimer Rust sich freywillig erboten, dieselbe aus seinen eigenen Mitteln zu bauen, und auß- und inwendig fertig zu liefern. Mit dem Bedinge, dass er die Stände und Begräbnisse in dieser neuen Kirche nach seinem Gefallen verkaufen und das Geld dafür einholen möge, bis er seine angewanten Baukosten wieder hätte.“

70 Jahre später war die Kirche so baufällig geworden, dass man sich zum Abriss entschloss. 146 Jahre hatte diese Kirche überdauert.

Der dritte Kirchenbau
Am 12. Oktober 1781 wurde die dritte St. Annen-Kirche eingeweiht. Erbaut wurde sie im „Sonnin-Stil“ vom Glückstädter Baumeister Balthasar Andreas Hähnel. Die Kanzel und ein Teil des Gestühls wurden aus der alten Kirche übernommen. Patron der Kirche war jeweils der Besitzer der Bülowschen Wildnis. Zur Unterhaltung der Kirche standen 5½ Morgen Land zur Verfügung. Die Gemeinde durfte sich jeweils den Prediger selbst aussuchen. Das galt für den Pastor wie auch für den Diakon, eine Zustimmung durch den König war nicht erforderlich. Der Pastor hatte an Sonn- und Feiertagen zu predigen, der Diakon durfte Gründonnerstag und Karfreitag die Predigt halten. Außerdem hatte er an jedem Mittwoch vormittags seine gottesdienstliche Verpflichtung. Diese Kirche war 156 Jahre lang bis zum 5. Dezember 1937 das Wahrzeichen unseres Dorfes. Bis 1893 befand sich auf der Kirchwarft auch der Friedhof. Einige alte Grabsteine erinnern bis heute daran. Der neue Friedhof wurde 1894 an der Grillchaussee angelegt und dort eine Friedhofskapelle gebaut. Aus dieser Zeit stammt auch das heutige Pastorat auf der Kirchwarft. Es wurde 1890 errichtet.

„De Kark brennt!“ In Windeseile verbreitete sich am Abend des 5. Dezember 1937 die Nachricht im Dorf. Alte Herzhorner können sich noch gut daran erinnern. In der Tageszeitung Glückstädter Fortuna erschien dazu am 6. Dezember 1937 folgender Bericht:
„Die Herzhorner Kirche fiel gestern der völligen Vernichtung durch Feuer anheim. Um 6 Uhr wurde die Freiwillige Feuerwehr Glückstadt alarmiert, wenige Minuten später rückte bereits der neue Mannschaftswagen mit kleiner Motorspritze ab und mit ihr zugleich setzte eine Völkerwanderung nach Herzhorn ein. Unserer kleinen Motorspritze folgte die große und dann auch noch die Motorspritze des Löschzuges IV (Löschzug Temming). Die Wehren der ganzen Umgegend, die Wildnisse, Borsfleth, Süderau, Krempe, Kollmar und andere eilten hinzu, zu helfen und zu löschen. Aus 20 Rohren wurden Wassermengen in die Gluten geschleudert, doch war kaum etwas zu retten. Die zwar bereits 1780 in ihrer heutigen Form entstandene, aber wirklich sehr gut erhaltene Kirche, die schon bald nach der Entdeckung des Feuers einer riesigen, gigantischen, brennenden Fackel glich, brannte restlos nieder. Der starke Funkenflug konnte den schneenassen Strohdächern der Nachbarschaft kaum gefährlich werden. An den Brandherd eilten der Landrat, sämtliche Bürgermeister der Umgegend, die Gendarmerie und der Kreiswehrführer. Die Ursache des Brandes steht noch nicht einwandfrei fest, man glaubt, dass eine solche in der erst kürzlich fertig gestellten Heizungsanlage zu suchen sei.“

Die neue Heizungsanlage hatte aufgrund von Konstruktionsfehlern Feuer gefangen. Nur der Glockenturm blieb verschont. Nach der Katastrophe wurde bald mit den Planungen für einen Neubau begonnen. Der aus Bekenreihe stammende Architekt Fritz Höger, dessen berühmtester Bau das Hamburger Chilehaus ist, zeichnete 1938 einen Entwurf für eine neue St. Annen-Kirche, der aber nicht realisiert wurde. Das 1939 aufkommende Bauverbot für Bauten über 5 000 Reichsmark machte dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Dadurch musste Herzhorn 17 Jahre ohne Kirche auskommen. Bis weit in die Nachkriegszeit hinein fand das kirchliche Leben im Pastorat statt. Die Gottesdienste an hohen Festtagen wurden im Saal der Gastwirtschaft „Zur Linde“ gefeiert. Außerdem ging man auch nach Gehlensiel, wo das dortige Gasthaus Diedrichs sein Platzangebot dem kirchlichen Leben zur Verfügung stellte. Der Erntedankgottesdienst fand in diesen Jahren auf dem sogenannten „Knüppelschen Hof“ statt, der einst im heutigen Wohngebiet der Wilhelm-Ehlers-Straße stand.

Das heutige Kirchengebäude (der vierte Kirchenbau)
Erst im Jahre 1952 wurde daran gedacht, den Neubau der Kirche zu planen. Die damalige Propsteisynode unterstützte die Kirchengemeinde Herzhorn tatkräftig mit den nötigen Geldern, hinzu kamen die Mittel aus dem Landeskirchenamt. Auch die Herzhorner taten alles, damit ihre Kirche endlich wieder im Dorf ste-hen konnte. Zunächst wollte man noch die alten Mauern der abgebrannten Kirche im Neubau verwenden, doch da diese mittlerweile mit Salpeter überdeckt waren, wurden sie in den Januartagen des Jahres 1953 gesprengt. Davor wurden noch die Grabplatten aus der Ruine geborgen. Nachdem man sich besonders durch die Wasbecker Kirche bei Neumünster inspirieren ließ, der Bauausschuss hatte sich zusammen mit dem Propst mehrere Kirchen im Lande angeschaut, wurde der Bauauftrag schließlich an den Glückstädter Architekten Schröder vergeben. Etliche Arbeiten wurden einheimischen Firmen übertragen. Viele Dorfbewohner packten zusätzlich mit an. 1954 konnte auf der Kirchwarft die vierte St. Annen-Kirche eingeweiht werden. In den Neubau wurden aus der alten Kirche das Portal von 1780/81 und mehrere historische Grabplatten übernommen. Die alte Katharinenglocke fand ihren Platz nun erstmals im direkt in die Kirche integrierten Glockenturm. Die feierliche Einweihung durch Bischof Halfmann erfolgte am 14. Februar 1954.

Zum 50. Geburtstag der Kirche im Jahre 2004 wurde die Katharinenglocke restauriert. Eine weitere Glocke, die St. Annen-Glocke, wurde im September 2003 in Passau gegossen. Finanziert wurden beide Projekte vor allem durch Spenden aus der Gemeinde. Am 16. Februar 2004 fand die festliche Glockenweihe durch Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter statt. Das volle Geläut erklang erstmals am Heiligen Abend 2004.

27 Pastoren haben im Laufe der vergangenen 500 Jahre ihren Dienst in Herzhorn getan:
1. Hinricus Bradenstael (1501-1512)
2. Hermann Harstius (1548-1560)
3. Hinrich Rosenbohm (1560-1608)
4. Ludowiks Keyser (1609-1644)
5. Abraham Tuchscherer (1645-1671)
6. Jochim Henrici (1672-1682)
7. Nicolaus Ludwig Esmarch (1682-1719)
8. Andreas Esmarch (1719-1739)
9. Nicolaus Bock (1740-1775)
10. Johann Friedrich Bernink (1775-1790)
11. Johann Delfs (1790-1806)
12. Georg Heinrich Kroymann (1806-1834)
13. Gottlieb Ernst Barlach (1835-1842)
14. Karl Petersen (1843-1855)
15. Andreas Detlev Jensen (1856-1864)
16. Hans Möller (1865-1884)
17. Carl Johnsen (1884-1919)
18. Karl Thielsen (1919-1934)
19. Asmus Boger (1936-1963)
20. Hans Jürgen Kaiser (1964-1973)
21. Jan Detlef Harbeck (1973-1978)
22. Klaus Bregas (1979-1981)
23. Joachim Dallmeyer (1982-1989)
24. Thomas Möller (1989-1993)
25. Kay Mordhorst (1994-2005)
26. Friedrich Kleine (2006-2014)
27. Gabriele Petersen (seit 2015)

(Autoren: Friedrich Kleine, Herbert Frauen und Klaus Gremnitz, Erfasser: Herbert Frauen, Heimatverband für den Kreis Steinburg 2017)

Literatur

Ehlers, Wilhelm (2011)
Die Geschichte des Kirchspiels und der Herrschaft Herzhorn. ein Beitrag zur politischen und wirtschaftlichen Geschichte der holsteinischen Elbmarschen. Glückstadt.
Lange, Klaus; Frauen, Herbert (2010)
Herzhorn. Mosaiksteine zur Geschichte eines Ortes. (Bd. 2.) Herzhorn.

St. Annen-Kirche in Herzhorn

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Am Markt 3
Ort
25379 Herzhorn
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1954
Koordinate WGS84
53° 47′ 12,57″ N, 9° 29′ 7,91″ O / 53.78682°, 9.48553°
Koordinate UTM
32U 531988.5 5959913.34
Koordinate Gauss/Krüger
3532071.27 5961858.16

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„St. Annen-Kirche in Herzhorn”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-273399 (Abgerufen: 19. November 2018)
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