Wegkreuz an der Erkrather Kirchstraße

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Erkrath
Kreis(e): Mettmann
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Ursprünglicher Aufgang zur katholischen Kirche in Erkrath mit Vereinshaus und Wegekreuz von 1763 (ca. 1943).

    Ursprünglicher Aufgang zur katholischen Kirche in Erkrath mit Vereinshaus und Wegekreuz von 1763 (ca. 1943).

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    Urheber unbekannt / Repro: Osmann, Horst-Ulrich
    Fotograf/Urheber:
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  • Das Wegkreuz von 1763 an der katholischen Kirche in Erkrath (2000).

    Das Wegkreuz von 1763 an der katholischen Kirche in Erkrath (2000).

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Seit mehr als 60 Jahren steht in Erkrath an der Kirchstraße ein altes Wegkreuz sprichwörtlich „im Schatten“ der Kirche. Das ortsgeschichtlich interessante und historisch wertvolle Kalksteinkreuz stand ursprünglich einige Meter weiter westlich am Treppenaufgang zur Kirche an der Straßenkreuzung. Dort war es für die Erkrather Kreuzstraße namensstiftend.
Als die alte Treppe 1955/56 grundlegend umgebaut wurde, versetzte man das Wegekreuz in eine extra geschaffene Mauernische am heutigen Platz. Von einer 1985 erfolgten Restaurierung durch einen örtlichen Steinbildhauermeister, bei der damals die 200 Jahre alte Inschrift noch einmal leserlich herausgearbeitet wurde, ist heute (fast) nichts mehr sichtbar. Die wieder zur Unleserlichkeit verwitterte, als Chronogramm ausgeführte Inschrift überliefert Anlass und Namen des Stifters: „1763, Den 22. Mertz, Petrus Blindt, Ehefrau Catharina von der Linden, genant Blint. Wo kein Creutz, da ist kein Christ, Dies Kreutz der Christen Zeichen ist, Gott der uns jetzt den Fried beschert, sey ohnaufhörlich fort geehrt“. Die Addition der im Text enthaltenen Römischen Zahlzeichen ergibt ebenfalls die Jahreszahl 1763. Die Inschrift wird dahingehend interpretiert, das der Stifter Peter Blindt und seine Ehefrau Catharina, geborene von der Linden, das Wegekreuz aus Dankbarkeit und zur Erinnerung an den zuvor geschlossenen Frieden von Hubertusburg, der den Siebenjährigen Krieg (1756–1763) beendete, errichten ließen.

Siebenjähriger Krieg
Im Siebenjährigen Krieg - auch als dritter Schlesischer Krieg bekannt - versuchte Preußen unter Friedrich II. (dem Großen) mittels eines Bündnissystems mit Großbritannien/ Kurhannover die vormalige österreichische Provinz Schlesien zu behaupten. Auf der Gegenseite stand eine Koalition der österreichischen Habsburgermonarchie mit Frankreich und Russland. In der patriotisch „preußischen“ Geschichtsschreibung ging es in diesem Krieg vordergründig um den Besitz Schlesiens, durch dessen Okkupation Preußen zur europäischen Großmacht aufstieg und nun seine Expansionsansprüche auch im Heiligen Römischen Reich durchzusetzen suchte. Gleichzeitig aber konkurrierten Frankreich und England um Kolonien in Nordamerika und Indien. Russland wollte sein Staatsgebiet auf Kosten Polens nach Westen erweitern. Wegen seiner weit über Europa ausgreifenden Wirkung wird der siebenjährige Krieg heute als einer der ersten Weltkriege bewertet. Obwohl im Herzogtum Jülich-Berg keine direkten Kampfhandlungen stattfanden, hatte das Land unter den Ereignissen doch erheblich zu leiden. Ansprüche Preußens an das Herzogtum Berg konnte Kurfürst Karl Theodor (1742–1799) nur durch ein Bündnis mit Frankreich abwenden. Dafür musste er die Stationierung französischer Truppen in Düsseldorf in Kauf nehmen, Truppendurchzüge gestatten, Verpflegung und Lebensmittel liefern und Hilfstruppen stellen. Das wechselnde Kriegsglück auf beiden Seiten führte immer wieder zu Durchzügen, Einquartierungen und Kontributionsforderungen, die die Landbevölkerung unmittelbar trafen.

Die Stifterfamilie Blindt
Wer war der Stifter des 1763 errichteten Wegekreuzes? Johann Peter Blindt, geboren am 24. Februar 1707 auf dem Erkrather Hof Pabst-Ullental (heute Eulental) als Sohn von Jost Arnold Blindt und Margaretha Haug, war seit dem 4. Oktober 1735 mit Maria Catharina von der Linden verheiratet. Sie war eine Tochter des Peter von der Linden und der Agnes Kürten, geboren am 17.Mai 1714 im Dorf Erkrath im Haus Neu-Wittenbroch. Peter von der Linden amtierte 1711 und 1717 als Schöffe des Erkrather Landgerichtes. Schwiegersohn Johann Peter Blindt war Metzger und Schankwirt. Als Schützenkönig der Erkrather Sebastianusbruderschaft ließ er 1746 eine gravierte Silberplakette fertigen, auf der ein (Bier-) Fass und ein Metzgerbeil als Handwerkssymbole und folgender Text abgebildet sind: „O Ihr Brüder über das Recht mit S. Sebastian wollen wir streiten, Erkrath den 1. Juni 1746, Joh. Petro. Blind“. Bei diesem sonst nicht dokumentierten Streit der Sebastianusbrüder ging es wohl um die Nachfolge im Amt des Hauptmanns der Bruderschaft, das Johann Peter Blindt langjährig bis zu seinem Tod 1777 ausübte. Dass Blindt das Amt seines 1742 verstorbener Schwagers Theodor Schirpenbroch, Bauer und Pächter auf dem Hochdahler Hof, ebenfalls Hauptmann der Sebastianusbruderschaft, übernahm, war offenbar ein strittiges Thema innerhalb der Bruderschaft und wurde bei der Gestaltung der Königsplakette reflektiert.

Das Dank- und Gelöbniskreuz wurde aus heimischem - wahrscheinlich Neandertaler - Kalkstein mit hohem Sockel gefertigt. Eine Muschelnische im mittleren Drittel mit auskragender, halbkreisförmiger Stellfläche für Blumen oder Kerzen wird im oberen Drittel von einem Kreuz mit Corpus überhöht.
Das Kreuz ist in seiner Ausführung kein Unikat. Schon eine flüchtige Internetrecherche ergibt eine größere Zahl von Bildern mit gleichen oder ähnlichen Bildhauerarbeiten. Als Zeichen einer früher verbreiteten Volksfrömmigkeit, vor allem aber mit dem Bezug zur heimische Stifterfamilie Blindt, überliefert das seit 1985 in die Denkmalliste eingetragene Wegekreuz einen wichtigen orts-, zeit- und kulturgeschichtlichen Einblick.

(Horst-Ulrich Osmann, Bergischer Geschichtsverein, Abt. Erkrath, 2017)

Internet
bruderschaft-erkrath.de: Wegkreuz an der Kreuzstraße (abgerufen 01.04.2017)

Literatur

Osmann, Horst-Ulrich (2016)
Friedenssehnsucht und Gotteslob in Stein gemeißelt - Sebastianerbruder Peter Blindt stiftete Wegekreuz in Erkrath. In: Düsseldorfer Familienkunde, Heft 4, o. O.

Wegkreuz an der Erkrather Kirchstraße

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Kirchstraße 1
Ort
40699 Erkrath
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1763
Koordinate WGS84
51° 13′ 19,6″ N, 6° 54′ 47,59″ O / 51.22211°, 6.91322°
Koordinate UTM
32U 354278.51 5676594.09
Koordinate Gauss/Krüger
2563841.98 5676752.86

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„Wegkreuz an der Erkrather Kirchstraße”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-266592 (Abgerufen: 20. August 2018)
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