Haufendorf Holzweiler

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Erkelenz
Kreis(e): Heinsberg
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 02′ 52,21″ N: 6° 24′ 16,78″ O 51,04783°N: 6,40466°O
Koordinate UTM 32.318.086,50 m: 5.658.349,37 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.528.420,78 m: 5.657.045,93 m
Holzweiler war bereits vor 1800 mit einem unregelmäßigen Ortsgrundriß und durchlaufenden, sich kreuzenden Ortsverbindungswegen in nördliche, östliche, südliche und westliche Richtung ausgestattet. Entlang dieser Wege verlief beidseitig die Bebauung, die zunächst nicht über die straßenseitigen Streifen hinaus ausgriff. Dies erfolgte erst überwiegend nach 1945. Mit vereinzelten Bebauungen im Norden und Süden der Ortschaft zwischen 1800-1845 und verstreuten Flächen im Außenbereich zwischen 1895-1928 erreichte die flächige Ausdehnung vor allem in nördliche und westliche Richtung nach 1945 eine große Dynamik. Die von den Hauptachsen abzweigenden noch zum Teil unregelmäßig verlaufenden Wege gehen in der Feldflur in die flurbereinigten, geraden, blockartig verbundenen Flurwege über, die im Norden und Osten zwischen 1895-1928 und im Westen nach 1945 entstanden sind.

Ortsstruktur
Die historische Ortsstruktur um 1800 ist in Holzweiler noch gut ablesbar, ihre Ausrichtung verlief in nord-südlicher Richtung mit einer westlichen Abzweigung. In diesem Abschnitt sind beidseitig geschlossene Fassadenensembles des 18./19. Jahrhunderts erhalten geblieben. Bemerkenswert ist die Konstellation nördlich der Pfarrkirche mit einer großen geschlossenen Hofanlage mit erhaltener Bausubstanz aus dem Jahre 1817 und einer daran anschließenden Stichstraße mit geschlossener Altbebauung. Im Kirchenbereich stehen historische Punktelemente wie Gedenkkreuze und in den Aussenbereichen des Ortes einzelne Bildstöcke aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts (1806). Hervorzuheben sind die großen Straßenbreiten z.B. der Niederstraße und die große Marktplatzgestaltung. Innerhalb des sich nordöstlich anschließenden Industriegeländes haben die dortigen Industriegebäude zum Teil einen Funktionswandel zu reiner Wohnfunktion erfahren. Das heutige Wegesystem repräsentiert den Verlauf aus der Zeit um 1800.

In Holzweiler ist eine große Anzahl historischer Gebäude aus dem 19. Jahrhundert erhalten geblieben. Diese stehen insbesondere entlang der Kofferer Straße und Holzweiler Straße. Vereinzelt stehen noch Gebäude, die älter als 1800 sind, so an den Straßen „Am Berg“, „Kofferer Straße“, „Markt“, „Niederstraße“ und „Brüderstraße“. Dazwischen streuen insbesondere in der Südhälfte des Ortes Bauten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ein Neubaubereich liegt am östlichen Ortsausgang und eine Neubau-Reihung am Nordtteil.
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Mittelalterliche Siedlungsgeschichte
Als publizierte Grundlage zur Darstellung der Siedlungsgenese von Holzweiler liegen zwei Monographien vor, die Paul Blaesen verfaßt hat. Darin ist detailliert die Entwicklung Holzweilers von seinen Anfängen bis heute dargestellt, die folgenden Ausführungen stützen sich im Wesentlichen auf diese Arbeit.
Die erste urkundliche Erwähnung von Holzweiler datiert auf den 4. Juni 898 (Blaesen 1981, S. 249): „ ...in pago vero muolla et iulihigeuve in villis holtuvilare. brismike. curnilo. hustine. buhslar. furtmala. hobo salica et alias XX“. Holzweiler ist somit in einer Aufzählung von übertragenen Gütern enthalten, die sich im Mühl- und Jülichgau befanden. „Holtvilare“ war ein Geschenk an das Essener Stift von König Zwentibold. Dementsprechend ist mehrmals von „hoba salica“, also terra salica (Salland) die Rede.
Die Größenverhältnisse der Hufen sind dieser ältesten Urkunde nicht zu entnehmen, hierüber liegen erst Daten aus einem um 1400 entstandenen Urbar vor (Blaesen 1981, S. 52), das 350 Morgen angibt. Holzweiler hatte vermutlich im 14. Jh. eine Einwohnerzahl von 500 Personen mit ca.130 Familien innerhalb des durch den Dorfgraben begrenzten Areals. Die Königsgüter waren Teile von mehreren Hofverbänden, so daß der Hofverband „Holtvilare“ um 900 aus einem Herrenhof und etwa 20 abhängigen Unterhöfen bestand. Damit scheint Holzweiler um 900 ein größerer karolingischer Weiler gewesen zu sein. Der älteste Schriftquellenbeleg beschreibt somit einen bereits vorhandenen Weiler, der möglicherweise ehemals merowingisches Reichsgut war. Das Gebiet war vermutlich in nachrömischer Zeit zunehmend bewaldet; überliefert ist, daß der Mühlgau vom Jülichgau durch einen ausgedehnten Waldstreifen getrennt war. Die Lage des frühmittelalterlichen „holtvilare“ innerhalb der heutigen Ortschaft ist im heutigen Dorfkern zu vermuten (Blaesen 1981, S. 62).
Belegt ist dies mit dem unmittelbar südöstlich der heutigen Kirche gelegenen ehemaligen Fronhof, der im 17. Jh. durch einen Brand zerstört wurde und am Standort des ersten Herrenhofes errichtet worden sei. Dieser Fronhof wird in einer Beschreibung des Wegenetzes von 1551 erwähnt und befand sich an einem exponierten Standort. Der Fronhof hatte im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit eine große Bedeutung in Holzweiler. Das Vermessungsprotokoll von 1746 gibt 200 Morgen Grundbesitz an, allerdings waren die Gebäude um 1700 bereits abgebrannt. Bezüglich der Kirche von Holzweiler vermutet der Pfarrchronist (Blaesen 1981, S. 65) einen Kirchenbau als Eigenkirche des Grundherren bereits vor 900. Er begründet dies mit der Erwähnung einer Pfarrkirche im „liber valoris“, das allerdings im 14. Jh. entstanden ist, dem Hinweis aus der Schenkungsurkunde von 898 „cum omnibus cohaerentibus terris, ecclesis“ und der Ansicht, daß der Herrenhof so bedeutend war, daß mit einem Kirchenbau gerechnet werden muß.
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Neuzeit
Militärgeschichtlich war Holzweiler von kriegerischen Ereignissen im 16. Jh. im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen Jülich und Geldern betroffen. Aus diesem Grund entstand in der Mitte des 16. Jhs. eine Landwehr an der Gemarkungsgrenze zwischen Holzweiler und Kückhoven, die 1837 eingeebnet und als Feldweg umgenutzt worden ist. Ihr Verlauf ist auf der Tranchot-Karte noch gut erkennbar. Weiterhin sollte ein Schutzgraben mit einem Erdwall den Ortskern von Holzweiler sichern. Bereits in einem Urbar von 1400 (Blaesen 1981, S. 249f.) ist ein Dorfgraben als Grenze zum zehntbaren Land erwähnt, 1585 wurde er auf Anordnung des Amtmannes von Kaster ausgebaut. Somit scheint der Dorfgraben im 14. Jh. angelegt worden zu sein und stellte eine Bebauungsgrenze in Holzweiler dar. Der Verlauf des Grabens könnte entlang der Gasse „de Gräät“ zwischen Titzer- und Koffererstraße, heutige Straße „Am Berg“, „Birjerjaß“, „Friedrich-Gelsam-Straße“, „Schottengasse“, „Seilerweg“, „Hellerstraße“ gelegen haben. Das 16. Jh. brachte für Holzweiler Kriegsschäden durch spanische Truppen und Pestepedemien. Auch der Dreißigjährige Krieg führte zu Verheerungen, die quellenmäßig recht gut dokumentiert sind (Blaesen 1981, S. 132).

Vermutlich bestanden um 1550 innerhalb des Dorfgrabens ca. 100 Gebäude. In einem Rentbuch sind 33 Hofnamen überliefert (Blaesen 1981, S. 229). In diesem Rentbuch sind Bauvorschriften enthalten, demnach mußten die Fachwerkgebäude mit einer ausreichend hohen Einfahrt zur Straße hin ausgestattet sein. Die Wirtschaftsgebäude lagen hinter den Wohngebäuden. Das Weistum von 1551(Blaesen 1981, S. 250) beschreibt weiterhin ausführlich das Wegenetz: Niderstraße, Koverstraße, Brödergaß und Wimmersgaß. Entlang der Dorfpütz (Maar) ging ein Weg nach Immerath, entlang des Dorfgrabens verliefen Pfade und mehrere Gassen führten weiter in Feldwege. Die Bebauungsfläche scheint sich zwischen 1300-1550 nicht wesentlich erweitert zu haben, bis auf wenige Gebäude im Süden des Ortes. Um 1400 scheint in Holzweiler südöstlich vom Ortskern eine Mühle gestanden zu haben, die vermutlich nach einem Brand um 1500 ein zweites und nach 1642 ein drittes Mal neuerrichtet wurde bis sie 1894 durch Blitzschlag zerstört wurde.

Zwischen 1550-1800 dehnte sich die Siedlungsfläche entlang Titzerstraße nach Süden, Koffererstraße und Aschenhütte nach Südwesten, Nieder- und Hellenstraße nach Norden und der Landstraße nach Westen und Osten aus. Um 1800 bestand Holzweiler aus ca.150 Häusern und hatte eine Bevölkerungszahl von 900 Personen. Die Bebauung erreichte um 1800 im Süden und Südwesten entlang der Straßenachsen die heutige Ausdehnung. Urkundlich überliefert ist in Holzweiler ein Hofgericht, das bis 1657 erwähnt ist, ein weiteres Schöffengericht und die Funktion Holzweilers als Vogtei.

Bei archäologischen Dorfkernuntersuchungen und Beobachtungen in anderen Ortslagen im Braunkohlenrevier sind unterirdische Gänge beobachtet worden. Holzweiler soll ebenfalls über ein untertägiges Gangsystem verfügen, das während des Dreißigjährigen Krieges 1618-1648 angelegt wurde. Insbesondere nach 1630 ist dieses Gangsystem neben und stellenweise unter den Kellern sowie entlang der Brunnen in den Löß gegraben worden. Vermutlich existieren wie in Belmen und Königshoven auch Verbreiterungen mit kleinen Erdhöhlen. Paul Blaesen erwähnt Gänge unter dem Holzweilermarkt, der Koffererstraße, der Titzerstraße und bis zum Hagelkreuz (Blaesen 1981, S. 129).
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Historische Gebäude
  1. Wohnhaus Titzer Straße 30: Zweigeschossiges Gebäude im Erdgeschoß Backstein, im Obergeschoß Fachwerk
  2. Katholische Kirche St.Cosmas und Damian: Die neugotische Backstein-Basilika ist zwischen 1857-1859 errichtet worden, der Turm 1914-1923.
  3. Heiligenhäuschen „In der Weidwäsch“: Das Heiligenhäuschen aus weiß geschlämmten Backstein stammt aus dem 18. Jahrhundert.
  4. Wohnhaus Holzweiler Markt 16: Das jetzige Gebäude ist ein Umbau der ehemaligen Gasthauskapelle aus dem 15. Jahrhundert im 19. Jahrhundert.
  5. Ehemalige Schule Landstraße 39: Der zweigeschossige, siebenachsige ehemalige Schulgebäude ist um 1840 errichtet worden.
  6. Heiligenhäuschen Landstraße/Im Grünfeld: Das aus Backstein errichtete Heiligenhäuschen ist Ende des 19. Jahrhundert errichtet worden.
  7. Kreuzwegstation Friedrich-Gelsam-Straße: Die verputzte Kreuzwegstation stammt aus dem 18./19. Jahrhundert.
  8. Holzweiler Hof, Brüderstraße: Die heutige vierflügelige Backsteinhofanlage stammt aus dem Jahre 1729, die Wirtschaftsgebäude aus dem 19. Jahrhundert. Der Hof hat ältere Vorgängerbauten.
  9. Hofanlage Brüderstraße 3: Vierflügelige Backsteinhofanlage 1. Hälfte 19. Jahrhundert.
  10. Wohnhaus Holzweiler Markt 4: Das zweigeschossige Wohnhaus datiert in die 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts.
  11. Wohnhaus Titzer Straße 4: Der vierflügelige Backsteinhof datiert in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.
  12. Hofanlage Brüderstraße 2: Vierflügeliger Backsteinhof mit zeigeschossigem Wohnhaus, 1. Hälfte 19. Jahrhundert.
  13. Hofanlage Brüderstraße 18: Giebelständiges zweigeschossiges Wohnhaus, 1. Hälfte 19. Jahrhundert.
  14. Hofanlage Kofferer Straße 36: Vierflügeliger Backsteinhof, nach Inschriftentafel datiert auf 1865.
  15. Bauernhaus Niederstraße 3: Giebelständiges zweigeschossiges Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert.
  16. Hofanlage Am Berg 1: Der später veränderte Fachwerkhof datiert ins 18. Jahrhundert.
  17. Hagelkreuz südwestlich Holzweiler: Das ca. 7 m hohe maßwerkverzierte Kreuz auf einem gemauerten Unterbau des 19. Jahrhunderts wird auf 1450 datiert.

(Klaus-Dieter Kleefeld, LVR-Redaktion KuLaDig, 2017)
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Literatur

Blaesen, Paul (1988)
Holzweiler. Ein rheinisches Dorf in preußischer Zeit 1815-1947. Mönchengladbach.
Blaesen, Paul (1981)
Holzweiler. Ein Beitrag zur Geschichte bis Anfang des 19. Jahrhunderts. Köln.

Haufendorf Holzweiler

Schlagwörter
Ort
41812 Erkelenz - Holzweiler
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 500 bis 900

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Empfohlene Zitierweise
„Haufendorf Holzweiler”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-264166 (Abgerufen: 25. Februar 2026)
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