Evangelische Stadtkirche Solingen

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Architekturgeschichte
Gemeinde(n): Solingen
Kreis(e): Solingen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 10′ 18,43″ N: 7° 05′ 4,65″ O 51,17179°N: 7,08463°O
Koordinate UTM 32.366.101,19 m: 5.670.672,38 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.575.899,02 m: 5.671.317,37 m
  • Evangelische Stadtkirche Solingen (2013)

    Evangelische Stadtkirche Solingen (2013)

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  • Evangelische Stadtkirche Solingen (2015)

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Die evangelische Stadtkirche am Fronhof stellt in ihrer heutigen Gestalt ein exemplarisches Zeugnis der protestantischen Sakralarchitektur der Nachkriegsmoderne dar, zugleich aber auch einen Ort mit außergewöhnlich langer Kontinuität kirchlicher Nutzung. Der Standort am Fronhof gehört zu den historischen Keimzellen der Stadt Solingen; bereits um das Jahr 1000 entstand hier eine erste Saalkirche. Auf diesen frühmittelalterlichen Bau folgten eine romanische Basilika um 1200 sowie spätere Umbauten, die im Zuge der Reformation im 16. Jahrhundert in eine reformierte Predigtkirche überführt wurden.

Die baugeschichtliche Entwicklung ist dabei von einer wiederholten Abfolge von Zerstörung und Neubeginn geprägt. Nach Bränden und substantiellen Veränderungen im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Kirche mit ihrem mehrfach erneuerten Turm im November 1944 nahezu vollständig zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte nicht als Rekonstruktion, sondern bewusst als architektonischer Neuanfang: Zwischen 1954 und 1956 entstand nach Plänen des Solinger Architekten Wilhelm Schrader ein moderner Kirchenbau, der programmatisch die funktionalen und liturgischen Anforderungen der evangelischen Nachkriegskirche reflektiert.

Die Kirche ist als Nachkriegsbau der 1950er Jahre ungewöhnlich konsequent als multifunktionales Gemeindezentrum konzipiert worden. Der Neubau von 1954-1956 unterscheidet sich damit deutlich von traditionellen axialen Sakralräumen. Statt einer klassischen, ausschließlich liturgisch bestimmten Kirche entstand ein gestapelter Funktionsbau in Stahlbetonskelettbauweise, der Gottesdienst, Gemeindeleben und städtische Öffentlichkeit räumlich miteinander verbinden sollte. Das ursprüngliche Raumprogramm der Nachkriegskirche gliederte sich in mehrere funktionale Ebenen. Zentrum war der eigentliche Kirchsaal, der als schlichter protestantischer Predigtraum ausgebildet wurde. Der Raum war nicht als historisierende Basilika gedacht, sondern als nüchterner Versammlungsraum mit klarer Konzentration auf Wortverkündigung, Kanzel, Abendmahlstisch und Musik. Große Bedeutung erhielt die Orgelempore, da die Kirchenmusik im evangelischen Nachkriegskirchenbau programmatisch als Bestandteil der Verkündigung verstanden wurde. Der Saal besaß eine flexible Nutzbarkeit und konnte auch für größere Gemeindeversammlungen oder Vorträge verwendet werden.

Unter und neben dem Kirchraum befanden sich Gemeinderäume unterschiedlicher Größe, die für Unterricht, Jugendarbeit, Frauenhilfe, Bibelkreise und soziale Gemeindearbeit vorgesehen waren. Gerade diese Einbindung nichtliturgischer Räume war typisch für die evangelische Nachkriegsmoderne, die Kirche ausdrücklich als „Gemeindezentrum“ verstand. Hinzu kamen Verwaltungs- und Nebenräume, Küsterbereich, Technikräume sowie Erschließungsflächen und sogar ein Kinosaal. Der seitlich angeordnete Turm nahm nicht nur Glocken und Uhr auf, sondern integrierte zugleich das vertikale Treppenhaus - ebenfalls ein charakteristisches modernes Funktionsprinzip.

Schraders Entwurf löst sich deutlich von der tradierten Typologie der axial ausgerichteten Längskirche. Stattdessen entwickelte er einen dreigeschossigen, kubischen Mehrzweckbau in Stahlbetonskelettbauweise mit seitlich angefügtem Turm. Diese konstruktive Offenheit erlaubt eine flexible Nutzung und verweist auf die Prinzipien des Neuen Bauens, bei denen Funktion, Konstruktion und Form in ein rationales Verhältnis gesetzt werden. Der Kirchenraum selbst ist als schlichter, weitgehend schmuckloser Saal ausgebildet, dessen Wirkung weniger aus ornamentaler Ausstattung als aus Proportion, Lichtführung und Materialität resultiert.

Der Turm, der das Ensemble stadträumlich markiert, übernimmt dabei nicht nur die traditionelle Funktion als vertikales Zeichen, sondern verweist durch die Integration des Treppenhauses auf die funktionale Durchdringung aller Bauteile. Seine weithin sichtbare Inschrift „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort“ aus dem Buch Jeremia verleiht dem Bau eine symbolische Präsenz im Stadtraum und knüpft an die lange religiöse Tradition des Ortes an. Im Kontext der Nachkriegsstadtplanung ist die Stadtkirche auch eng mit der Gestaltung des Fronhofs verbunden, der in den 1950er Jahren als zentraler innerstädtischer Platz neu geordnet wurde - und dessen Neugestaltung derzeit kontrovers diskutiert wird. Die Kirche fungiert hier als identitätsstiftender Solitärbau innerhalb einer ansonsten von Blockrandbebauung geprägten Umgebung.

Eine grundlegende Neubewertung und Weiterentwicklung erfuhr das Gebäude durch die umfassende Sanierung und Umgestaltung in den Jahren 2012 bis 2014. Ziel dieser Maßnahmen war es, die ursprünglich eher introvertierte Anlage stärker in den urbanen Kontext einzubinden und als offenen Begegnungsort zu etablieren. Kernpunkt war die Öffnung des Kirchengebäudes zum Fronhof durch einen neu geschaffenen Haupteingang, der die Beziehung zwischen Kirchenraum und öffentlichem Platz deutlich intensiviert. Ergänzt wurde dies durch den Einbau eines Kirchencafés, das sich mit einem markanten Erker in den Stadtraum ausdehnt, sowie durch die Umgestaltung des Obergeschosses zu einem flexibel nutzbaren Bürgersaal.

Auch der liturgische Raum wurde im Zuge der Sanierung neu gefasst: Durch eine reduzierte, qualitätvolle Neugestaltung des Altarbereichs und eine gezielte Lichtführung konnte die sakrale Wirkung innerhalb der nüchternen Nachkriegsarchitektur erheblich gesteigert werden. Die Maßnahmen folgen damit einem zeitgenössischen Verständnis von Kirchenbau, das Sakralität nicht mehr primär aus historischer Form, sondern aus räumlicher Atmosphäre und Nutzungsoffenheit entwickelt.
Die Planung und Umsetzung des Umbaus lag beim Solinger Architekturbüro Großkemm + Richard Architekten Innenarchitekten, das die Um- und Neugestaltung über die wesentlichen Leistungsphasen hinweg verantwortete und auch das konzeptionelle Leitmotiv der „Öffnung“ der Kirche zum Stadtraum hin entwickelte.

Die Umgestaltung - gewürdigt mit dem Architekturpreis 2015 der Evangelischen Kirche im Rheinland - zeigt exemplarisch, wie ein Bau der Nachkriegsmoderne durch behutsame Eingriffe funktional und gestalterisch aktualisiert werden kann, ohne seine ursprüngliche architektonische Logik zu negieren. In der Fachjury-Begründung zum Architekturpreis 2015 wird hervorgehoben, dass dieses Büro die Transformation von einer eher introvertierten Nachkriegskirche zu einem urban integrierten Begegnungsort entwickelt hat - insbesondere durch den neuen Eingang zum Fronhof, das neue Kirchencafé und die Umwandlung des Gemeindesaals in einen Bürgersaal.

Insgesamt verkörpert die evangelische Stadtkirche am Fronhof somit eine vielschichtige Synthese aus historischer Tiefenschichtung, moderner Bauauffassung und zeitgenössischer Transformation. Sie steht nicht nur für den Wiederaufbauwillen der Nachkriegszeit, sondern auch für die fortlaufende Anpassung sakraler Architektur an sich wandelnde gesellschaftliche und städtebauliche Anforderungen.

(Karl Peter Wiemer, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V., 2026)

Internet
stadtkirche-solingen.de: Ev. Stadtkirchengemeinde Solingen - Geschichte (abgerufen 14.05.2026)
de.wikipedia.org: Evangelische Stadtkirche Solingen (abgerufen 14.05.2026)
de.wikipedia.org: Fronhof (Solingen) (abgerufen 14.05.2026)
bauberatung.ekir.de: Besondere Auszeichnung: Stadtkirche Solingen - Architekturpreis 2015 (abgerufen 14.05.2026)
www.klingenkirche.de: Evangelische Stadtkirchengemeinde - „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort“ (abgerufen 14.05.2026)
www.zeitspurensuche.de: Evangelische Stadtkirche (abgerufen 14.05.2026)
www.zeitspurensuche.de: Wilhelm Schrader (abgerufen 14.05.2026)

Literatur

Clemen, Paul (Hrsg.) (1894)
Die Kunstdenkmäler der Städte Barmen, Elberfeld, Remscheid und der Kreise Lennep, Mettmann, Solingen. (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band 3 2.) Düsseldorf.

Evangelische Stadtkirche Solingen

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Kirchplatz 14
Ort
42651 Solingen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Architekturgeschichte
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1954 bis 1956

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Karl Peter Wiemer: „Evangelische Stadtkirche Solingen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-262022 (Abgerufen: 17. Mai 2026)
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