Synagoge Gemünd

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Landeskunde
Gemeinde(n): Schleiden
Kreis(e): Euskirchen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Informationstafel zu den jüdischen Gemeinden Schleiden und Gemünd am Judenfriedhof in Schleiden-Gemünd (2016).

    Informationstafel zu den jüdischen Gemeinden Schleiden und Gemünd am Judenfriedhof in Schleiden-Gemünd (2016).

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    Knöchel, Franz-Josef
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Die jüdische Gemeinde Gemünd seit dem frühen 19. Jahrhundert
Vereinzelt lebten Juden schon in der Frühen Neuzeit in Schleiden und Gemünd, das sich im 19. Jahrhundert zu einem jüdischen Zentrum entwickelte. Seit 1858 war Gemünd Hauptort des Synagogenbezirks Schleiden-Malmedy.
Gemeindegröße um 1815: 40 (1812), um 1880: 68 (1885), 1932: 28, 2006: – (vorstehende Angaben alle nach Reuter 2007). Pracht (1997, S. 373) führt ferner für die Jahre 1857 75, 1872 81, 1895 88, 1905 58, 1911 51 und für 1933 34 jüdische Bewohner an.
Für das 18. Jahrhundert sind „nie mehr als drei jüdische Familien“ anzunehmen. „Erst danach bildete sich in Gemünd eine kleine Betgemeinschaft heraus, die sich im Laufe des 19.Jahrhunderts zu einer Synagogengemeinde entwickelte und der auch die wenigen Juden Schleidens und des Ortes Kall angehörten.“ (www.jüdische-gemeinden.de, dort auch die Angabe für Ende der 1880er Jahre „fast 90 jüdische Bewohner“.
Die Informationstafel am Friedhof nennt ferner für 1895 88 Personen im seinerzeitigen (im Vergleich zu den Nachbarorten) „jüdischen Zentrum“ Gemünd sowie für 1933 34 Personen.

Bethaus, Mikwe und Synagoge
Zunächst existierte eine Betstube in einem Privathaus in der Mühlengasse bzw. Mühlenstraße (heute Aachener Straße), ebenfalls soll sich rituelles Bad (Mikwe) in einem Privathaus befunden haben.
Seit 1864 gab es Pläne für einen Synagogenbau in Gemünd. Die langwierigen Planungen wurden durch einen Einspruch des Schleidener Landrates, durch Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Bezirkssynagogengemeinde und offenbar auch durch finanzielle Probleme der jüdischen Gemeinde verzögert. 1870 schlug die Abteilung des Inneren bei der Aachener Regierung vor, die Kosten durch die Verwendung von Bauplänen einer bereits in Schwanenberg (Gemeinde Erkelenz im Kreis Heinsberg) errichteten Synagoge zu reduzieren. Unter geringfügigen Abweichungen wurde der Bau schließlich nach diesen Plänen auf einem Grundstück in der Mühlenstraße umgesetzt.
Am 27. Februar 1874 konnte die in einfacher Bauweise neu erbaute Synagoge in der damaligen Mühlenstraße eingeweiht werden. Sie bestand aus einem etwa 70 Quadratmeter großen Betraum mit 90 Sitzplätzen für die männlichen Besucher und 30 Sitzplätzen für Frauen auf der Empore, einer Vorhalle mit Eingang im Westen und einem kleinen Vorbau im Osten für den Thoraschrein.
Das Gebäude wurde in der Reichspogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 von auswärtigen SA-Angehörigen bis auf die Grundmauern niedergebrannt, 1942 beseitigte man auch die Ruine. Das Grundstück ging zunächst in kommunale Hand über und wurde später von einem Privatmann erworben, der die letzten Trümmer beseitigen ließ.
Heute befindet sich am früheren Standort ein Werkstattgebäude, das offensichtlich teilweise auf Grundmauern der Synagoge errichtet wurde.

Gedenken
Eine Erinnerungstafel in der Nähe des Synagogenstandorts gedenkt seit 1979 dem jüdischen Lehrer und letzten Vorsteher der Schleidener Synagogengemeinde Moses Fernbach (1893-1983). Ihre Inschrift lautet:
„Zum ehrenden Gedenken an die jüdischen Bürger unserer Stadt,
die in den Jahren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ihr Leben verloren haben.
Ihre Synagoge stand an dieser Stelle und wurde am 9. November 1938 zerstört.
Stadt Schleiden 1979“

Seit November 2014 erinnert eine weitere Gedenktafel des Arbeitskreises Stolpersteine Gemünd mit erneuerten Texten und Bildern an der Bundesstraße B 266 / Aachener Straße an das zerstörte jüdische Gotteshaus.

Der frühere Standort des Gotteshauses in der damaligen Mühlengasse lässt sich über die historischen Karten nicht exakt bestimmen, es ist daher hier symbolisch mit einer Geometrie im Bereich Aachener Straße / Am Kreuzberg verzeichnet.

(LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2013 / Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2016)

Quelle
Informationstafel am jüdischen Friedhof Gemünd (Begehung am 24.11.2016)

Internet
synagogen.info: Schleiden, Mühlenstraße (Ortsteil Gemünd) (abgerufen 30.11.2016)
www.jüdische-gemeinden.de: Gemünd/Eifel (Nordrhein-Westfalen) (abgerufen 30.11.2016)
www.ksta.de: Synagoge angezündet, Stele erinnert an Pogromnacht in Gemünd (Kölner Stadt-Anzeiger vom 10.11.2014, abgerufen 30.11.2016)

Literatur

Neu, Peter (1979)
Gemünd. (Rheinischer Städteatlas, Lieferung V, Nr. 28.) S. 3f., Köln und Bonn.
Pracht, Elfi (1997)
Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil I: Regierungsbezirk Köln. (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern im Rheinland 34.1.) S. 373-378, Köln.
Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) S. 43, Bonn.

Synagoge Gemünd

Schlagwörter
Ort
53937 Schleiden - Gemünd
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1874, Ende 1938 bis 1942
Koordinate WGS84
50° 34′ 15,21″ N, 6° 30′ 12,74″ O / 50.57089°, 6.50354°
Koordinate UTM
32U 323224.31 5605083.75
Koordinate Gauss/Krüger
2535716.31 5604032.22

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Synagoge Gemünd”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-261945 (Abgerufen: 20. November 2018)
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