Holzhausen am Hünstein

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Dautphetal
Kreis(e): Marburg-Biedenkopf
Bundesland: Hessen
  • Fachwerkhäuser in Holzhausen am Hünstein (2006)

    Fachwerkhäuser in Holzhausen am Hünstein (2006)

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Das heute 2160 Einwohner zählende Dorf wurde erstmals erwähnt, als Heinrich von Damshausen 1251 auf seine Güter zugunsten der Deutschordensballei Hessen verzichtete. Im Jahr 1640 wurde Holzhausen von kaiserlichen und schwedischen Truppen heimgesucht. 1681 erlangte das ursprünglich zur Pfarre Dautphe gehörende Dorf kirchliche Eigenständigkeit, als hier eine für Holzhausen und Damshausen zuständige Pfarrei eingerichtet wurde.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlangte der Bergbau größere Bedeutung. Über drei Jahrzehnte hinweg förderte die Grube Geldkaue täglich bis zu 1.700 Zentner Kupfererz. Bei den zahlreichen Fachwerkhäusern lassen sich zwei Typen unterscheiden: der stattliche Vierseithof des Großbauern und das Einhaus mit Wohnräumen und Stall unter einem Dach für den Kleinbauern.

Die Fachwerkbauten sind auf Grauwackesockeln in Rähmbauweise mit einer deutlichen Geschosseinteilung errichtet. Die zur Aussteifung gegen seitliches Verschieben der Fachwerkkonstruktion schräg eingesetzten Hölzer - Streben, Kopf- und Fußbänder genannt - bilden in Hessen oft die Sonderform des Wilden Mannes: Fußstreben („Beine“), Winkelholz („Kopf“) und Riegel („Arme“) erinnern an eine stilisierte menschliche Gestalt.

Die Gefache weisen besonders dekorative Kratzputze auf. Die Kratzputztechnik wurde um 1800 von Weißbindern entwickelt: ein gesprenkelter Putz wird nach dem Trocknen mit einem glatten Fernputz überzogen. Dieser Untergrund wird mit Weißkalk, unter Zugabe von Magermilch, eingefärbt. Jener Arbeitsschritt, in dem der Kalkanstrich gebunden - und damit wischfest - wird gab dem Handwerk der Weißbinder seinen Namen. Im nächsten Arbeitsgang wird die Kontur des Ornaments mit einem löffelartigen Modelliereisen in den frischen Kalkputz eingezeichnet, während für die Musterung der Ränder ein vorgefertigter Stempel oder ein Bündel von Holzstäbchen verwendet wird. Schließlich erhalten die Ornamente eine dunkle Einfärbung.

Die Motive - Ranken, Blumen und Tiere - tragen oftmals die individuelle Handschrift des Handwerkers. Die Verleihung des Bundestitels im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ an Holzhausen während des europäischen Denkmalschutzjahres 1975 gab den entscheidenden Anstoß zur Wiederbelebung dieser fast vergessenen Handwerkskunst. Seit den 1980er-Jahren werden gestaltete Putze in Hessen und Rheinland-Pfalz von den Landesdenkmalämtern systematisch erfasst.

(Jan Spiegelberg, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e. V. / LVR-Fachbereich Regionale Kulturarbeit, Abteilung Landschaftliche Kulturpflege, 2016)

Literatur

Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2007)
Jakobswege. Wege der Jakobspilger in Rheinland und Westfalen, Band 5: In 7 Etappen von Marburg über Siegen nach Köln. S. 52-56, Köln.

Holzhausen am Hünstein

Schlagwörter
Ort
35232 Dautphetal
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1251
Koordinate WGS84
50° 48′ 47,34″ N, 8° 31′ 31,37″ O / 50.81315°, 8.52538°
Koordinate UTM
32U 466562.71 5629154.22
Koordinate Gauss/Krüger
3466623.74 5630966.49

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„Holzhausen am Hünstein”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-258310 (Abgerufen: 17. November 2018)
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