Amtsgericht in Niederlahnstein

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Lahnstein
Kreis(e): Rhein-Lahn-Kreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Nachdem das Herzogtum Nassau von Preußen eingenommen wurde, kam es 1867 zur Einführung einer neuen Justizverfassung. Rechtspflege und Verwaltung waren bei dieser voneinander getrennt. Eins der elf Amtsgerichte wurde Oberlahnstein zugeordnet. Diese Amtsgerichte waren dem Kreisgericht Wiesbaden untergeordnet. Zu diesem Amtsgerichtsbezirk gehörte u.a. auch Niederlahnstein. Die Stadt Oberlahnstein hatte Pläne für den Bau eines neuen Gerichtsgebäudes, die jedoch nicht umgesetzt wurden.

Amtsgericht in Oberlahnstein
Das Amtsgericht wurde in der Salkellerei (Hochstraße) untergebracht. Als Gefängnis diente der Bullenstall mit dem Salturm, der sich in unmittelbarer Nähe befand. Das Erdgeschoss des alten Rathauses wurde als Gefängnis genutzt. Erster Amtsrichter war Philipp D´Avis, dessen Ziel es war, das Gericht nach Niederlahnstein zu verlegen. Seine Absichten teilte er seiner vorgesetzten Behörde mit. Die Stadt Oberlahnstein wollte die Verlegung des Gerichtes verhindern und bewilligte 1876 Gelder für einen Neubau. Der Versuch scheiterte, sodass das Gericht am 01.07.1876 nach Niederlahnstein umzog.

Amtsgericht in Niederlahnstein (heutige Johannesstraße)
Als Gerichtsgebäude stellte Niederlahnstein ein dreigeschossiges Wohngebäude mit Scheune und Hofraum in der heutigen Johannesstraße zur Verfügung. Dieses Gebäude wurde daraufhin umgebaut und die Straße erhielt den Namen „Gerichtsstraße“. Der Richter D´Avis wurde bei seiner Pensionierung am 21.10.1899 Ehrenbürger von Niederlahnstein. Da die Gerichtsgebäude in der Gerichtsstraße zu klein wurden, zog das Amtsgericht in die Räumlichkeiten der Bürgermeisterei, die sich in unmittelbarer Nähe befanden. Da diese nicht mehr ausreichten, wurde von der Justizverwaltung ein Neubau gefordert.

Heutiger Standort des Amtsgerichts (Bahnhofstraße)
Basierend auf dem Vertrag von 1909, der zwischen preußischen Justizfiskus und der Stadt Niederlahnstein geschlossen wurde, sollte auf dem von der Stadt angekauften Grundstück in der Bahnhofsstraße ein neues Gerichts- und Gefängnisgebäude errichtet werden. Auf diesem Grundstück stand der Raffenberger Hof, der dafür abgerissen wurde. Dort sollten Räumlichkeiten für das Katasteramt bereitgestellt werden, eine Wohnung für den Justizwachtmeister und ein Wohnhaus für den Richter. Ab dem 29.07.1912 war das neue Gebäude fertiggestellt. Diese Gebäude wurden an die Justizverwaltung vermietet.
In dem alten Gerichtsgebäude (früher Gerichtsstraße heute Johannesstraße) wurde das Rathaus von Niederlahnstein untergebracht.

Das heutige Gerichtsgebäude in der Bahnhofstraße hat sich äußerlich seit 1912 nicht viel verändert. Im Jahr 1930 wurde die Verwaltung zum Schlangenweg hin ausgeweitet. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gerichtsgebäude stark beschädigt, sodass 1945 das Richterwohnhaus als Dienstgebäude genutzt wurde. Das stark beschädigte, eigentliche Gerichtsgebäude wurde bis 1952 aufwändig saniert. Auch die Straße wurde modernisiert und mit Parkmöglichkeiten ausgestattet. Im Jahr 1964 wurde das Anwesen an die Justizverwaltung verkauft. Im Erdgeschoss befand sich die Wohnung des Aufsichtsbeamten der Jugendarrestanstalt. Diese wurde in Dienstbüros umgestaltet. Auch das Gefängnis, das später eine Jugendarrestanstalt war, wurde 1976 zu Dienstzimmern umgebaut. Das Haus des Amtsrichters wurde auf gleiche Weise für die Verwaltung im Jahr 2012 neu eingerichtet.

Das Objekt „Amtsgericht in Niederlahnstein“ ist ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalverzeichnis Rhein-Lahn-Kreis, S. 51).

(Milena Bagic, Universität Koblenz-Landau, 2016)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2016)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Rhein-Lahn-Kreis (Denkmalverzeichnis Rhein-Lahn-Kreis vom 04. Mai 2016). S. 51, Mainz. Online verfügbar: denkmallisten.gdke-rlp.de, Rhein-Lahn-Kreis (PDF), abgerufen am 20.10.2016
Stadtarchiv Lahnstein (2012)
Lahnstein hat Geschichte (286). Heute erinnert das Stadtarchiv Lahnstein an die Geschichte des Amtsgerichts Lahnstein. Vor 100 Jahren: Das Amtsgericht bezieht einen Neubau in Niederlahnstein. In: Rhein-Lahn-Kurier (RLK), S. 15. Lahnstein.

Amtsgericht in Niederlahnstein

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Bahnhofstraße 25
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1912
Koordinate WGS84
50° 18′ 43,15″ N, 7° 36′ 15,85″ O / 50.31199°, 7.6044°
Koordinate UTM
32U 400632.12 5574251.2
Koordinate Gauss/Krüger
3400667.49 5576041.22

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„Amtsgericht in Niederlahnstein”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-252720 (Abgerufen: 18. August 2018)
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