Alte Schmiede in Gehlweiler

Hof und Dorfschmiede der Familie Simon im fiktiven Hunsrückort Schabbach

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Gehlweiler
Kreis(e): Rhein-Hunsrück-Kreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Die Alte Schmiede in Gehlweiler im Rhein-Hunsrück-Kreis (2007).

    Die Alte Schmiede in Gehlweiler im Rhein-Hunsrück-Kreis (2007).

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  • Hofgebäude mit alter Schmiede in Gehlweiler im Rhein-Hunsrück-Kreis (2003).

    Hofgebäude mit alter Schmiede in Gehlweiler im Rhein-Hunsrück-Kreis (2003).

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Die Alte Schmiede im Zentrum der kleinen Ortsgemeinde Gehlweiler (knapp 250 Einwohner) ist ein typisches Beispiel für die bauliche Kombination von Wohnhaus, zugehörigem landwirtschaftlichen Hof und Schmiede (oder einer Mühle, Wagnerei o.ä.), wie sie in ländlich geprägten Gegenden wie dem Hunsrück über lange Zeit hin anzutreffen war.
Bis weit ins 20. Jahrhundert noch von drei Generationen einer Familie bewohnt und bewirtschaftet, lieferten oft weder der Hof noch der Handwerksbetrieb alleine die wirtschaftliche Grundlage für die Ernährung der oftmals großen Familien, sondern deren Verbindung. Soweit die Verhältnisse es zuließen, wurde dies noch ergänzt um Einkünfte aus Verpachtung von Land oder unselbständiger Arbeit zumindest eines Familienmitglieds im nächstgrößeren Ort.

Die Simon-Schmiede in der Filmreihe „Heimat“
Berühmtheit erlangte die Alte Dorfschmiede als zentraler Drehort für die 1984 erstmals ausgestrahlte Fernseh-Filmreihe „Heimat – Eine deutsche Chronik“.
Der aus dem Hunsrück stammende Regisseur und Autor Edgar Reitz (*1932) erzählt darin in insgesamt 11 zwischen 58 und 138 Minuten langen Teilen chronologisch die Geschichte des dörflichen Lebens in dem fiktiven Örtchen „Schabbach“ von 1919 bis 1982. Im Mittelpunkt von „Heimat“ steht die Familie Simon, in deren Haus sich die verschlungenen Lebenswege der Schabbacher Familien immer wieder treffen.

Der von dem Hunsrücker Laienschauspieler Willi Burger gespielte Dorfschmied Mathias Simon heizte die Esse in der Gehlweiler Schmiede wieder an, die der dortige Hufschmied schon 1958 „wegen der neuen Gummibereifung“ geschlossen hatte. Zu Beginn der „Heimat“-Dreharbeiten musste man zunächst die Eternit-Platten vom Fachwerk reißen, die – wie häufig bei älteren Gebäuden und neuen Moden folgend – die Fassade zierten (Der Spiegel 1984).

Die bei Kritik und Publikum hochgelobte sowie national und international mehrfach ausgezeichnete Filmreihe wurde bis 2006 zu einer Trilogie mit Prolog und Epilog erweitert.

Die Dreharbeiten zu der ersten Filmstaffel fanden ab 1980 hauptsächlich in den beiden im Rhein-Hunsrück-Kreis gelegenen Dörfern Gehlweiler und Woppenroth statt. Hunderte Einwohner wirkten als Statisten mit (zum Teil auch in größeren Rollen) und die Dialoge wurden weitestgehend im Dialekt des rhein- bzw. moselfränkischen „Hunsrücker Platt“ gesprochen: „Ue, unne, vore, hinne, drue, drunne, drauße, drinne“ (Oben, unten, vorne, hinten, dort oben, dort unten, draußen, drinnen) oder „Die Goot und der Pat, im Himmel schwätze se Hunsrücker Platt.“ (Die Taufpatin und Taufpate, im Himmel sprechen sie Hunsrücker Platt.)

Nicht nur die Biographien der Akteure rund um die Weltkriege, die NS-Zeit, die Zeit des Wiederaufbaus und der „goldenen“ Nachkriegsjahre werden in „Heimat“ thematisiert, sondern auch das Leben im Dorf und der Wandel, der sich in diesen Jahrzehnten im ländlichen Raum vollzog:
Während man in den 1920er Jahren noch naiv (und erfolglos) im örtlichen „Goldbach“ nach dem begehrten Edelmetall schürfte und das erste Radio im Ort als Sensation galt, lebte man eher schlecht als recht von der Landwirtschaft. Ausgehend vom Bau der Hunsrückhöhenstraße 1938/39 und einer allmählich „höheren“ Schulbildung ändern sich dann allmählich die Perspektiven und Möglichkeiten der Akteure. Nicht zuletzt auch das Verlassen des Orts und Erfahrungen durch Auswanderung oder Krieg wirken sich immer mehr auf das Leben im „genau zwischen Paris und Berlin“ gelegenen Schabbach aus.
In der dritten Familiengeneration nach dem letzten Schmied Matthias Simon ist die Dorfschmiede dann längst verwaist. Dafür thront über Schabbach nun die Fabrik der „Simon Optik oHG“.

Denkmal
Das Objekt „Hauptstraße 26“ ist ein eingetragenes Kulturdenkmal: „Hofanlage; Krüppelwalmbachbau, Fachwerk verputzt, 1821, Fachwerkökonomietrakte, 19. Jh., Fachwerkschmiede“ (Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz 2014).

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2016)

Quelle
„Herzlich willkommen in Hollyroth – Augenschein in den “Heimat„-Dörfern des Hunsrück“, in: Der Spiegel 40/1984 vom 01.10.1984, S. 262-263

Internet
heimat.edgar-reitz.com: Heimat – Eine deutsche Chronik (abgerufen 09.03.2016)
www.heimat123.de: Filmprotokoll, Informationen zu Darstellern und Drehorten usw. (abgerufen 10.03.2016)
de.wikipedia.org: Heimat – Eine deutsche Chronik (abgerufen 10.03.2016)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2014)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Rhein-Hunsrück-Kreis (Denkmälerverzeichnis Rhein-Hunsrück-Kreis, 20. August 2014). S. 25-26, Mainz. Online verfügbar: http://denkmallisten.gdke-rlp.de/Rhein-Hunsrueck-Kreis.pdf, abgerufen am 13.03.2015

Alte Schmiede in Gehlweiler

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Hauptstraße 26
Ort
55490 Gehlweiler
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1821, Ende nach 1958
Koordinate WGS84
49° 53′ 0,15″ N, 7° 27′ 58,84″ O / 49.88338°, 7.46634°
Koordinate UTM
32U 389823.98 5526791.85
Koordinate Gauss/Krüger
2605426.83 5528468.63

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„Alte Schmiede in Gehlweiler”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-248580 (Abgerufen: 21. Januar 2018)
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