Geschützturm Großes Blockhaus im Lohbachtal

Wehrturm am kurzen Pfad

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Sankt Goar
Kreis(e): Rhein-Hunsrück-Kreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Von der ehemaligen Stadtbefestigung der Stadt Sankt Goar (1183 Stadtrechte) sind heute noch Teile erhalten. Bis um 1800 war die Stadt von einer Befestigung mit zehn Türmen und drei Toren umschlossen. Erhalten blieb lediglich der Mauerzug der Westseite am Berg über der Bahnlinie. Er zerfällt in zwei Abschnitte, den Nordteil und den sich südlich des Einschnitts des Lohbachtals anschließenden Abschnitt.
Das Große Blockhaus, ein Geschützturm, der zur Stadtbefestigung Sankt Goars gehört, erhebt sich gegenüber dem Nappenturm und deckt den Eingang ins Lohbachtal und den Beginn des Südabschnitts der Westmauer. Die Bezeichnung stammt aus einer Stadtansicht aus dem Jahr 1736, in der es als „Das grose Blockhaus der neue Bau genant“ geführt ist. Eine weitere Bezeichnung aus alten Dokumenten überliefert ist Wehrturm am kurzen Pfad. Hier, jenseits des Lohbachtals, beginnt der Südabschnitt der Stadtbefestigung.

Baugeschichte
Der Turm und der gegenüberliegende Komplex um den Nappenturm bildeten eine funktionale Einheit. Der Turm ist als Ruine erhalten. Er war Teil einer Anlage zu der ein stadtseitig vorgelagerter ehemals zweigeschossiger Vorbau gehörte. Die Bauzeit lässt sich anhand der bekannten Pläne und des hellen feinsandigen Mörtels in die 1730er Jahre eingrenzen. Der Grundriss ist längsrechteckig, was auch im Urkataster von 1812 angegeben ist und die Anlage ist etwas stadteinwärts verschoben. Ältere Pläne zeigen an der gleichen Stelle einen quadratischen Turm, was auf die Existenz eines zuvor bestehenden mittelalterlichen Torturms hinweist.
Sowohl Turm als auch Vorbau trugen ursprünglich Mansardwalmdächer (Dachflächen sind im unteren Bereich abgeknickt, so dass die untere Dachfläche über eine wesentlich steilere Neigung verfügt als die obere). Da die Dächer jedoch ein einer Ansicht von 1832/1833 fehlen, lässt sich hieraus schließen, dass Geschützturm und Vorbau zuvor offenbar zerstört worden. Eventuell zeitgleich mit dem Nappenturm im Jahr 1800.
Nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg sollte die Turmruine 1972-1974 für den ehemaligen Sankt Goarer Pfarrer Eiser (1923–2003) zu Wohnzwecken wieder aufgebaut werden. Das zweite Obergeschoss wurde in Bruchstein wieder errichtet. Darüber sollte ein Fachwerkgeschoss mit Zeltdach folgen. Das Mauerwerk wurde mit Zementmörtel Großteils neu verfugt. Wegen Finanzierungsschwierigkeiten musste der Ausbau jedoch eingestellt werden. Im Jahr 2008 wurde das Mauerwerk schließlich denkmalgerecht saniert und der Turm erhielt sein aktuelles Aussehen.

Bauelemente
Das Große Blockhaus hat an der Nordseite vier Geschosse über annähernd quadratischem Grundriss. Da das Kellergeschoss aus dem Felsen geschrotet ist, besitzen die anderen Seiten nur drei bzw. zwei oberirdische Geschosse. An der Nordseite weist der Bruchsteinbau den für den barocken Ausbau charakteristischen Mörtel im Kellergeschoss und im Geschoss darüber auf. Die beiden oberen Geschosse wurden 1972-74 allseitig nachverfugt. An der Nordseite sind im Kellergeschoss unten zwei ursprünglich geschlossene Entlastungsbögen eingelassen, von denen der rechts vermutlich nachträglich geöffnet wurde. Darüber liegen vier große, sich nach außen trichterförmig öffnende Musketenscharten. In diesem Bereich, der noch Großteils originale Mörtelanteile besitzt, sind Reparaturen des 19. und 29. Jahrhunderts erkennbar. In den Luken blieben Reste einer weißen Kalkfassung erhalten.
Im ersten Obergeschoss der Nordseite bzw. dem unteren Geschoss der restlichen Seiten lassen sich an einer wellenförmigen Oberkante ältere und jüngere Mauern unterscheiden. In der Nord-, Süd- und Westseite sitzen vier trichterförmige Gewehrscharten. Die hangseitigen Öffnungen werden durch die am Turm außen entlangführende Treppe und den Weg verdeckt. An der Ostseite befindet sich eine Flachbogentür, die von den Resten eines großen Rundbogens in Turmbreite eingefasst wird, der wohl zu einem angrenzenden Bau gehört. Das dritte, nach 1972 errichtete Obergeschoss besitzt drei segmentbogige Fenster an der Nord- und zwei an der Südseite. Ursprünglich war es über eine Außentreppe erreichbar, die heute nicht mehr besteht.

Innen sind die West-, Süd- und Ostwand des Kellers Großteils aus dem Fels geschrotet, nur die Nordwand ist neu errichtet. Balkenlöcher in der Nord- und Südwand belegen, dass zwischen dem Keller- und dem ersten oberirdischen Geschoss eine Balkendecke eingezogen war. Ein Kaminabzug ist in die Ostwand eingelassen. Das oberirdische Geschoss endet in einem Tonnengewölbe, in das zwei Rauchabzüge integriert sind.
Von dem langgestreckten kasemattenartigen (vor Artilleriebeschuss geschütztes Gewölbe im Festungsbau), ehemals zweigeschossigen Vorbau steht noch die Nordmauer des Untergeschosses mit fünf trichterförmigen Musketenscharten in Höhe der Scharten des Turms. Die an der Talseite nach außen gebogene Mauer folgt hier dem Terrain. Vom oberirdischen Geschoss blieb nur ein kurzes Stück Mauer mit einem Bogenansatz an der Südseite erhalten. Der Bogenansatz und in der Turmecke erhaltene Rechteckgewände belegen, dass sich hier, analog zum Turm, eine zweite Schartenreihe anschloss. Weitere Mauerreste wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Heutige Erscheinung
Heute sind das Große Blockhaus und die Reste des Vorbaus von Wald umgeben. Ein Fußweg führt an der Anlage vorbei und man kann die Gebäude aus der Nähe betrachten und die Anlage außen herum begehen. Eine vergitterte Öffnung ermöglicht den Blick in den aus dem Fels geschroteten Keller.

(Sebastian Weinand, Universität Koblenz-Landau, 2015)

Literatur

Sebald, Eduard (2004)
Die Stadtmauer von St. Goar - ein bedeutendes Zeugnis spätmittelalterlicher und barocker Baukunst am Mittelrhein. Festvortrag, gehalten am Mittwoch, dem 30. Juli 2003, anlässlich des Hansenfestes von Dr. Eduard Sebald M. A.. In: Hansen-Blatt, Nr. 57, S. 61-68. Sankt Goar.
Sebald, Eduard (2003)
"Ein Stück ältesten Rheinlebens" - Neue Erkenntnisse zur Stadtmauer von St. Goar. In: Baudenkmäler in Rheinland-Pfalz, (Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz, 57. Jg.) S. 72-76. Mainz.
Sebald, Eduard / Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. Direktion Landesdenkmalpflege (Hrsg.) (2012)
Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz. Stadt St. Goar. Die Kunstdenkmäler des Rhein-Hunsrück-Kreises. Teil 2.3. 2 Teilbände. (Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz, Band 10.) Berlin und München.

Geschützturm Großes Blockhaus im Lohbachtal

Schlagwörter
Ort
56329 Sankt Goar
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1183 bis 1240
Koordinate WGS84
50° 08′ 59,41″ N, 7° 42′ 51,06″ O / 50.14984°, 7.71418°
Koordinate UTM
32U 408137.39 5556081.71
Koordinate Gauss/Krüger
3408175.74 5557864.6

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Geschützturm Großes Blockhaus im Lohbachtal”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-245789 (Abgerufen: 19. November 2018)
Wir verwenden Cookies, um die Nutzbarkeit unserer Seiten zu optimieren. Falls Sie mit der Speicherung von Cookies nicht einverstanden sind, finden Sie weitere Informationen auf unserer Internetseite.
Seitenanfang