Villa Eselsburg in Wellmich

Villa Elise

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Sankt Goarshausen
Kreis(e): Rhein-Lahn-Kreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Die Geschichte der Villa Eselsburg begann im Jahre 1898, als die Familie Grunot aus Berlin ein Grundstück in der Berglage zwischen Wellmich und St. Goarshausen erwarb und sich darauf ein Wohnhaus errichten ließ, die heutige Eselsburg. Der Name Eselsburg rührt daher, dass ehedem ein Esel das gesamte Baumaterial für den Hausbau den Berg hinauf schleppen musste. Ursprünglich jedoch war das Gebäude nach Frau Elise Grunot benannt, es hieß „Villa Elise“ und noch heute befinden sich die Initialen „EG“ (für Elise Grunot) in einem schmiedeeisernen Eingangstor. Das Anwesen wurde von der Familie lediglich als Feriendomizil genutzt, jedoch wurde es durchgehend von zwei Bediensteten bewohnt.

Der heutige Besitzer kaufte das Anwesen im Jahre 1984 und ließ eine umfassende Sanierung und Modernisierung durchführen, bei der unter anderem das Dach eine neue Schieferdeckung erhielt sowie eine Zentralheizung mit Erdgas installiert wurde (anstelle der Beheizung durch Ölöfen). Darüber hinaus wurde das Haus im Rahmen der Arbeiten an die Kanalisation angeschlossen, zuvor bestand lediglich eine Sickergrube, die regelmäßig ausgepumpt werden musste.

Der Blütenweg verläuft parallel zur Bundesstraße zwischen Hang und Bahngleisen. Das Gebäude liegt etwa 13,5 Meter (75 Stufen) über dem Straßenniveau und ist heute über eine siebenläufige Treppenanlage (Stufen aus Sandstein, Basalt und Betonwerkstein) mit sechs Zwischenpodesten erschlossen. Mehrere flankierende Bruchsteinstützmauern schützen die Anlage vor dem Hang.
Auf Höhe des ersten Podests befindet sich ein Beladeplatz für den Lastenaufzug, der im Osten des Anwesens installiert wurde.

Der nahezu quadratische Baukörper der Villa (mit einer Grundfläche von rund 140 Quadratmetern, ohne Anbau) besteht aus drei Vollgeschossen sowie einem Dachgeschoss. Die lichte Raumhöhe beträgt im Erdgeschoss 2,70 Meter, im ersten Obergeschoss 3,33 Meter und im zweiten Obergeschoss 3,32 Meter. Die Höhe der Firstunterkante im Dachgeschoss beträgt 2,50 Meter.
Die beiden ersten Geschosse sind aus Massivmauerwerk (Bruchsteinmauerwerk), das zweite Obergeschoss und das Dachgeschoss als Holzfachwerk ausgeführt (vermutlich mit Lehmziegeln ausgefacht). Den oberen Abschluss des Gebäudes bildet ein zweiteiliges Sparrendach: Zum einen ein Krüppelwalmdach auf der Nordhälfte, die ganze Breite des Gebäudes überspannend und daher bis in den 2 Stock hineinreichend, zum anderen ein Satteldach mit gleicher Firsthöhe auf der südlichen Hälfte, jedoch quer zum Krüppelwalmdach stehend. Das Satteldach besitzt einen etwa zwei Meter weiten Überstand auf der Rheinseite, um den vorgehängten Balkon abzudecken. An der Rheinseite befindet sich darüber hinaus ein Zwerghaus mit Schieferdeckung.

Das Erdgeschoss besitzt auf der Ostseite (Eingangsseite) einen jüngeren Anbau als Wintergarten mit einer Grundfläche von 24 Quadratmetern.
Auf der Südseite (Schauseite / Rheinansicht) befindet sich eine dekorativ ausgeformte Balkonkonstruktion in Ständer-Bauweise, gestrichen in der Farbe (Rot) des Fachwerkes und der Klinkerkränze, welche die Fenster der ersten beiden Geschosse sowie die Eingangstür umrahmen.
Die Erreichbarkeit über die lange Treppe kann insbesondere für ältere Menschen ein großes Hindernis darstellen und das Interesse an einer Nutzung des Anwesens zu Wohnzwecken mindern. Vermutlich haben diese Umstände dazu beigetragen, dass das Haus über mehrere Jahre leer stand und sich kein Mieter finden ließ. Derzeit wird die Villa jedoch vom Inhaber selbst bewohnt.

Der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz zufolge ist die Villa dem „Schweizer Stil“ zuzuordnen und ist ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalverzeichnis Rhein-Lahn-Kreis, S. 79).

(Alexander Gantner, Universität Koblenz-Landau, 2015)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2013)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Rhein-Lahn-Kreis (Denkmalverzeichnis Rhein-Lahn-Kreis vom 22. April 2013). S. 79, Koblenz. Online verfügbar: http://denkmallisten.gdke-rlp.de/Rhein-Lahn-Kreis.pdf, abgerufen am 05.01.2014
Lauer, Rosemarie; Schwarz, Hans (1993)
Chronik Wellmich und Ehrenthal. Die nördlichen Vororte der Loreleystadt St. Goarshausen. S. 473 u. 585, Sankt Goarshausen.

Villa Eselsburg in Wellmich

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Blütenweg 15
Ort
56346 Sankt Goarshausen - Wellmich
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Schriften, Literaturauswertung, Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1898
Koordinate WGS84
50° 10′ 8,57″ N, 7° 41′ 57,93″ O / 50.16905°, 7.69942°
Koordinate UTM
32U 407120.21 5558235.98
Koordinate Gauss/Krüger
3407158.15 5560019.71

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„Villa Eselsburg in Wellmich”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-244616 (Abgerufen: 19. August 2018)
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