Herzdriggerbrunnen in Altenglan

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Altenglan
Kreis(e): Kusel
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Bronzene Brunnenfigur des Herzdriggerbrunnens in Altenglan (2003)

    Bronzene Brunnenfigur des Herzdriggerbrunnens in Altenglan (2003)

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    Weber-Leibrecht, Kirstin
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  • Das "Herzdriggerlied", Komposition und Text: Ludi Seitz und J. M. Eble; Vortrag: Katastrophenorchester Altenglan (mp3-Audiodatei, 9,6 mB).

    Das "Herzdriggerlied", Komposition und Text: Ludi Seitz und J. M. Eble; Vortrag: Katastrophenorchester Altenglan (mp3-Audiodatei, 9,6 mB).

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  • Das Herzdrigger-Gedicht von Helene Schlosser aus Altenglan

    Das Herzdrigger-Gedicht von Helene Schlosser aus Altenglan

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  • Das Herzdrigger-Rezept von Helene Schlosser aus Altenglan

    Das Herzdrigger-Rezept von Helene Schlosser aus Altenglan

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Der Herzdriggerbrunnen ist Blickfang und Identifikationspunkt in der Ortsmitte von Altenglan. Sein Bau wurde im Jahre 1981 von der Ortsgemeinde beschlossen. Design und bauliche Umsetzung stammen vom Grafiker und Bildhauer Walter Graser.

Symbolik
Räumliche Lage
Konzeption und Materialien
Geschichte des Herzdriggerbrunnens
Herzdrigger als Identitätsstifter

Symbolik
Dargestellt ist ein Teller mit Klößen und ein Herzdrigger-Männchen in heimischen Materialien. Die Brunnenanlage ist Symbol für die Bewohner von Altenglan, ein arme Leute Essen sowie eine Altenglaner Tradition, die bis in die 1960er Jahre gelebt wurde. Damals haben die Altenglaner Frauen Kartoffelklöße gekocht und in einem Warmhaltebehälter („Kesselche“) zu ihren Männern gebracht, die im Steinbruch („Dimpel“) arbeiteten. Dieses häufig üppig mit Zwiebeln und Rahm verfeinerte Mittagessen lag den Steinbrucharbeitern schwer im Magen und drückte ihnen auf's Herz. Die Klöße wurden daher im Dialekt „Herzdrigger“ genannt. Zugleich werden auch die Altenglaner Bürger von alters her als Herzdrigger bezeichnet.
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Räumliche Lage
Der Herzdriggerbrunnen ist in der Ortsmitte von Altenglan im Kreuzungsbereich der Bundesstraße 423 und der Landesstraße 367 - im Einmündungsbereich von Bahnhofstraße und Glanstraße - auf dem ehemaligen Anwesen der Eheleute Dr. Hans und Hilda Schmitt angelegt. Herr Dr. Schmitt war seinerzeit der Hausarzt vieler Ortsbewohner - der Herzdriggerbrunnen somit nicht nur Dorfbrunnen, sondern auch Eingangspunkt zu einer örtlichen Arztpraxis.
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Konzeption und Materialien
Bei dem Dorfbrunnen handelt sich um ein Einzelobjekt bestehend aus vier 70 Zentimeter im Durchmesser großen Steinkugeln - drei unten und eine obenauf, die die Herzdriggerklöße symbolisieren. Auf den Kugeln thront eine Bronzefigur, die einen sitzenden Mann darstellt, der ein großes Herz an die Stelle seines eigenen Herzens drückt. Der Brunnenrand mit einer kreisrunden Vertiefung von 1,6 Metern im Durchmesser verkörpert einen Teller oder eine Schüssel. Er ist aus Hartstein hergestellt, dem regionstypischen Material, das heute noch in den Steinbrüchen rund um Altenglan abgebaut wird. Gemäß den Vorstellungen des Erschaffers Walter Graser soll die Anlage einen geschlossenen Charakter darstellen. Die dominierenden Rundformen sind dabei Ausdruck von Sicherheit und Behaglichkeit. Die Herzdriggerfigur selbst strahlt Herzlichkeit aus und begeistert seit jeher vorbeikommende Passanten.
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Geschichte des Herzdriggerbrunnens (Raub des Herzdrigger-Männchens, Zweitausgabe und Wiederfund des Originals)
Der Beschluss für die Anlage eines Dorfbrunnens in Altenglan wurde in der Sitzung des Ortsgemeinderates am 30. September 1980 gefasst. Im April 1981 wurde der heimische Grafiker, Maler und Plastiker Walter Graser, der seinerzeit in der Wohnsiedlung „Kellerhäuschen / Dreikönigszug“ am Potzberghang - oberhalb des Ortsteils Mühlbach - lebte, mit der Planung und Bauleitung beauftragt. Die Gesamtkosten des Herzdriggerbrunnens werden mit rund 16.000 Deutschen Mark beziffert.
Im August 1983 wurde die 85 Pfund schwere Herzdriggerfigur frühmorgens von zwei etwa 20 Jahre alten Männern in einem Pkw mit US-amerikanischem Kennzeichen gestohlen. Trotz Strafanzeige blieb die Herzdriggerfigur fünf Jahre lang verschwunden.
Auf Initiative des damaligen Ortsbürgermeisters Dr. Erich Benner und der Ratsmitglieder wurde eine Spendenaktion durchgeführt, in der 6.000 Deutsche Mark gesammelt werden konnten, um eine Zweitausgabe des Herzdriggers herstellen zu lassen.
Am 23. Oktober 1984 war die neue Brunnenfigur nach erneutem Entwurf von Walter Graser in der Kunstgießerei Ernst Strassacker in Süßen nahe Stuttgart fertig gestellt. Das neue Herzdriggermännchen ist mit 45 Zentimetern zwar zehn Zentimeter größer als die Ursprungsfigur. Aufgrund einer geringeren Materialstärke von nur vier Millimetern wiegt es aber nur 45 Pfund. Gegenüber seinem Vorgänger hat die Zweitausgabe freundlichere Gesichtszüge erhalten. Das fröhlicher und optimistischer wirkende Herzdriggermännchen wurde auf dem jährlichen Weihnachtsmarkt mit einer Sekttaufe eingeweiht.
Die Originalausgabe der Herzdriggerfigur wurde im Februar 1989 in einer Wohnung in Katzenbach - auf einer hölzernen Truhe im Treppenhaus - gefunden. Kriminalbeamte aus Kusel und Landstuhl konnten nach Hinweisen aus der Bevölkerung ermitteln, dass ein US-Amerikaner bei seiner Rückreise in die USA die gestohlene Figur aufgrund ihres Gewichts zurückgelassen hatte und seinen Vermieter im Glauben an einen rechtmäßigen Besitz ließ.
Das original Herzdriggermännchen steht heute im Trauzimmer der Verbandsgemeindeverwaltung Altenglan.
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Herzdrigger als Identitätsstifter (Kloßrezept, Gedicht und Liedgut sowie Herzdriggermarkt)
Die original Herzdrigger werden gemäß dem Rezept von Helene Schlosser (liebevoll auch „Schlossersch Helenche“ genannt) aus Altenglan aus rohen und gekochten Kartoffeln, Mehl, Ei und Salz hergestellt, gekocht und mit Sahne (früher Rahm) und Zwiebeln abgeschmelzt. Dazu wird Apfelkompott oder gekochtes Obst gereicht. Bis heute haben viele Altenglaner Familien unterschiedliche Rezeptvariationen für die ortstypische Hausmannskost entwickelt, die von Herzdriggern als gefüllte Klöße bis zu Herzdriggern als Beilage reichen.
Die Herzdrigger werden zudem in einem Gedicht von Helene Schlosser aus Altenglan gewürdigt.
Das Brauchtum der Altenglaner wird auch in einem Lied besungen. Der als Herzdriggerlied betitelte Song wurde von den Brüdern Karl-Ernst und Ludwig Seitz aus Liebe zu ihrer Heimatgemeinde Altenglan geschrieben und mit ihrer Band, dem Katastrophenorchester, vertont und aufgeführt.

Tradition und Identität werden insbesondere auf dem alljährlichen Herzdriggermarkt in Altenglan gepflegt und gelebt. Ausführlich und in traditionellem westpfälzer Platt wurde in der Radioshow des SWF Wir bei Euch vom 18. Februar 1988 über die Herzdrigger-Tradition in Altenglan berichtet.
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Die Informationen wurden von Ellen Weber aus Altenglan zusammengetragen, die Zeitungsartikel und Protokolle der Ortsgemeinderatssitzungen recherchierte sowie Zeitzeugeninterviews mit Frieder Haag (Altenglan), Walter Graser (Ulmet), Rudi Lanzer (Bosenbach), Inge Schlosser (Altenglan) und Karl-Ernst Seitz (Mühlbach) führte; herzlichen Dank hierfür.

(Kirstin Weber-Leibrecht, 2015)

Herzdriggerbrunnen in Altenglan

Schlagwörter
Ort
Altenglan
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1983
Koordinate WGS84
49° 33′ 7,92″ N, 7° 27′ 50,69″ O / 49.5522°, 7.46408°
Koordinate UTM
32U 388908.24 5489977.37
Koordinate Gauss/Krüger
2605982.49 5491632.92

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Herzdriggerbrunnen in Altenglan”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-244607 (Abgerufen: 19. November 2018)
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