Rheinfelshafen Sankt Goar

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Sankt Goar
Kreis(e): Rhein-Hunsrück-Kreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Karte aus dem Geschichtlichen Atlas der Rheinlande, VII.15: Gütertransport auf dem Rhein und seinen Nebenflüssen 1890 (Andreas Kunz, 2006).

    Karte aus dem Geschichtlichen Atlas der Rheinlande, VII.15: Gütertransport auf dem Rhein und seinen Nebenflüssen 1890 (Andreas Kunz, 2006).

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    Landschaftsverband Rheinland
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    Andreas Kunz; Katrin Becker
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Viele alte Darstellungen und Grafiken aus Holz, Kupfer, Stahl und Lithographie zeigen den Hafen Sankt Goars bis zum Jahre 1857 als Naturhafen. Der Platz wurde als Ort des Handels genutzt, um verschiedene Produkte, seien es Nahrungsmittel oder Gebrauchsgegenstände, auszutauschen.

Der Hafen als Schutzhafen
Mit der sich immer weiterentwickelnden Schifffahrt wurden man auf bestimmte Probleme aufmerksam und versuchte diese durch verschiedene Maßnahmen zu lösen, um den Sankt Goarer Hafen attraktiver zu machen. Die Fachleute des Wasserbaus erkannten den Hasenbach auf der rechten Rheinseite nördlich des alten Sankt Goarshausen als Problematik. So führten die Geröllmassen des Hasenbachs dazu, dass sich diese an ebendieser Mündung des Rhein ablagerten und somit der Strom zum linksseitigen Ufer gelenkt wurde und sich immer stärker in die Bucht einschnitt. Um dem Rhein nun eine bessere Führung zu geben, begannen die Maßnahmen am rechten Rheinufer. Im Jahr 1858 wurde auf der Seite Sankt Goars ein Hafendamm (Parallelwerk) errichtet. Am Hafendamm wurde in den nächsten vier Jahren immer weiter gearbeitet, sodass die Länge dessen etwa 600 Meter betrug. Mit diesen Baumaßnahmen hatte man die Bucht geschützt und die Aufnahmefähigkeit des Hafens enorm erhöht. Somit entstand ein Schutzhafen in Sankt Goar, der vor allem beim damals oft vorkommendem Eisgang nötig war. Der Hafen verblieb laut verschiedener Bilder mindestens bis zum Jahr 1877 in diesem Zustand.

Die Verkleinerung des Hafens
Von 1889 bis 1892 wurde der Hafen verkleinert. Zwar war der Rhein auch weiterhin ein wichtiger Verkehrsweg, die Schiffe wurden jedoch immer größer und hatten damit einhergehend einen größeren Tiefgang. Dies bedeutete, dass die Hafensohle hätte vertieft werden müssen. Im südlichen Teil des Hafens war dies aufgrund der hohen Felsmasse, die entfernt werden musste, kaum möglich noch rentabel. Somit wurde entschieden, diesen 250 Meter langen Bereich des Hafens mit den im vorderen Teil des Hafens gewonnen Massen aufzufüllen. Somit blieb ein etwa 350 Meter langer und 1,10 Meter tieferer Hafen, der die nötige Tiefe für die Schifffahrt jener Zeit hatte sowie eine neue Landfläche, auf der ab 1894 gebaut werden konnte. Das Gelände, das die „Batterie“ genannt wird, wurde 1895 von G. Bernhard gekauft und bebaut. Dort entstand die CNFR-Reederei und später die Wasserschutzpolizei. Auf dem Hafengelände wurde im Jahr 1899 das damalige Amtsgerichtsgebäude sowie 1904 die Schule errichtet.

Die heutige Nutzung des Hafens
Bis heute hat sich das Gelände des Hafens nicht grundlegend verändert, was wohl an der Enge des Rheintals und den damit eingeschränkten Möglichkeiten liegt. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) sowie die Vorgänger mit ähnlichen Aufgaben waren seit jeher im Hafen angesiedelt, da er geschichtlich als Schutzhafen angelegt worden war. Besonders im Frühjahr waren die Situationen aufgrund des Eisgangs auf dem Rhein kritisch. Seit 1963 fand jedoch kein Eisgang mehr statt.

Das Hafengelände wurde von weiteren Betrieben genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde von der französischen Besatzung ein Schiffbergungs- und Reparaturbetrieb (C.O.N.E.) eröffnet. Nachdem diese abzogen, wurde ein Teil des Hafens verpachtet und 1950 vom Werftbetrieb Bachmann & Johanny genutzt. Seit 1971 ist die Wasserschutzpolizei mit einer eigenen Anlegestelle im Hafen Sankt Goars heimisch. Von 1975-1991 wurde der Hafen außerdem von der Bauunternehmung Dyckerhoff & Wittmann AG gepachtet. Nach deren Abzug wurde eine Sportbootanlage in dem Hafen errichtet.

(Daniel Hild, Universität Koblenz-Landau, 2015)

Literatur

Buchholz, Paul-Martin (2003)
Der Hafen von St. Goar, auch genannt "Rheinfelshafen" (Teil II). In: Hansen-Blatt, Nr. 56, S. 65-80. St. Goar.
Buchholz, Paul-Martin (2002)
Der Hafen von St. Goar, auch genannt "Rheinfelshafen" (Teil I). In: Hansen-Blatt, Nr. 55, S. 77-91. St. Goar.
Sebald, Eduard / Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. Direktion Landesdenkmalpflege (Hrsg.) (2012)
Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz. Stadt St. Goar. Die Kunstdenkmäler des Rhein-Hunsrück-Kreises. Teil 2.3. 2 Teilbände. (Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz, Band 10.) Berlin und München.

Rheinfelshafen Sankt Goar

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Am Hafen
Ort
56329 Sankt Goar
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1858
Koordinate WGS84
50° 09′ 17,41″ N, 7° 42′ 27,64″ O / 50.15484°, 7.70768°
Koordinate UTM
32U 407682.15 5556645.81
Koordinate Gauss/Krüger
3407720.33 5558428.91

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„Rheinfelshafen Sankt Goar”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-244531 (Abgerufen: 27. Mai 2018)
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