Rheinfels-Schule in Sankt Goar

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Sankt Goar
Kreis(e): Rhein-Hunsrück-Kreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Das Gebäude der Rheinfels-Schule ist geschützt als eingetragenes Kulturdenkmal im Sinne des Denkmalschutz- und -pflegegesetzes (DSchG) des Landes Rheinland-Pfalz.

Der Bau der Schule 1903/04
Der Bau der heutigen Rheinfels-Schule wurde im Frühling des Jahres 1903 in Angriff genommen, am 8. September 1904 wurde die Schule eingeweiht. Anlass des Baus waren die mangelhaften Zustände weiterer Schulsäle, die zuvor genutzt wurden, weshalb die Stadt 1901 das Grundstück für 9.000 Mark von der Strombauverwaltung erwarb. In diesem Gebäude sollten sich erstmals in der Geschichte der Stadt die evangelische und katholische Schule im selben Bau befinden. Bis zum Jahr 1939 wurden die katholischen Schüler im rechten Teil und die evangelischen Schüler im linken Teil des Gebäudes unterrichtet. Zudem befanden sich die Wohnungen der Lehrer in dem Schulgebäude.

Verschiedene Lehrer beschrieben in ihren Chroniken die damalige Schule, weshalb eine recht genaue Vorstellung vom Aufbau des Gebäudes entstehen kann. Dem Architekten Gottlob Bernhard wurden die Erd-, Maurer- und Steinmetzarbeiten vergeben. Das neue Gebäude der Schule wurde zu einem zweistöckigen, unterkellerten Backsteinbau. Auf jeder Etage befanden sich zwei nebeneinander liegenden Klassenräume sowie die Wohnungen der betreffenden Lehrkraft. Die Klassenzimmer selbst waren 9 Meter lang, 6 Meter breit und 4 Meter hoch. Außerdem hatte jedes Zimmer drei große, nach Nordosten gerichtete Doppelfenster mit ungefähren Maßen vom 2,5 x 2 Meter. Es standen neun Schulbänke mit einer Länge von 4 Meter in einer Reihe im Klassenraum. Geheizt wurde mit einer Luftheizung, für die die Feuerung im Erdgeschoss angelegt wurde.

Die Toiletten befanden sich in einem Häuschen, welches für Mädchen und Jungen gesonderte Eingänge hatte. Neben dem Schulgebäude konnte ein 50 x 30 Meter großer Spiel- und Turnplatz für den Sportunterricht genutzt werden, welcher mit feinem blauen Kies bedeckt war. Auf dem Platz befanden sich verschiedene Turngeräte wie etwa ein Barren und ein Reck mit Sprungvorrichtung.

Die Entwicklung der Schule von 1904 bis 2015
Von 1904 bis 1939 befanden sich die evangelische und katholische Schule zusammen in dem Gebäude, wie zuvor erwähnt jeweils in die beiden Schulhälften getrennt. Am 1. Oktober 1907 wurde im oberen Schulsaal der katholischen Schule eine Gewerbliche Pflicht-Fortbildungsschule eingerichtet. Drei Lehrer unterrichteten die 23 Lehrlinge in verschiedenen Fächern wie Berufs- und Bürgerkunde, Rechnen, Buchführung und gewerblichem Zeichnen.

Die Schule wurde während des Zweiten Weltkrieges von 1939-1945 als „Deutsche Schule“ bezeichnet, in der vier Klassen unterrichtet wurden. In den Chroniken der Lehrer wurde viel über die Geschehnisse während des Krieges erzählt. Der Schulbetrieb erlitt immer wieder Unterbrechungen, sei es aufgrund Musterungen oder Fliegerangriffen. Vor diesen Fliegerangriffen wusste man sich jedoch zu schützen. So wurde im Vorfeld der Keller des Schulgebäudes durch das Abstützen der Decken und dem Anbringen von Sandwänden zum Schutz vor Splittern von den Fenstern derart ausgebaut, dass er als Luftschutzraum dienen konnte. Die Schüler und Lehrer konnten somit also im Falle eines Luftangriffs sofort die unterirdischen Räumlichkeiten aufsuchen und sich schützen. Im Jahr 1944 häufen sich die Fliegerangriffe, sodass der Unterricht nicht mehr in der Schule stattfinden kann. Am 24. Dezember des gleichen Jahres wird die Schule durch Luftminen, die auf dem Sportplatz nahe der Schule auftreffen, stark beschädigt.

Nach dem Krieg in den Jahren von 1945-1967 befand sich offiziell wieder eine evangelische und eine katholische Schule im dem Haus. Im Juni 1967 wurde in getrennten Elternversammlungen die Umwandlung der Schule zur einer christlichen Simultanschule mit einer Mehrheit von 88:15 beschlossen. Die Leitung übernahm ab dem 1. August 1967 der Hauptlehrer Egon Bauer, dem sieben Lehrkräfte zur Seite standen. Im Frühjahr 1968 wurde eine Zusammenarbeit mit dem Musikverein und der Volksschule Sankt Goar festgelegt.

Ab dem Jahr 1971 bis heute befindet sich eine Grundschule in dem Schulgebäude. Um 1970 wurden einige bauliche Veränderungen vorgenommen. Der Eingang wurde neu gestaltet, ein Vorbau einer Pausenhalle erstellt und ein Neuanstrich vorgenommen. Im Jahr 1990 erfolgte die Renovierung des Dachs sowie eine Erneuerung der Fenster.

Kultur- und Baudenkmal
Das Gebäude der Rheinfels-Schule in Sankt Goar, Am Hafen 6, ist ist geschützt als eingetragenes Kulturdenkmal im Sinne des Denkmalschutz- und -pflegegesetzes (DSchG) des Landes Rheinland-Pfalz.

(Daniel Hild, Universität Koblenz-Landau, 2015)

Literatur

Mühl, Heinz (2005)
Der Schulbetrieb in St. Goar/Rhein. Die Volks-bzw. Grundschule wurde zum 100-jährigen Bestehen renoviert. In: Hansen-Blatt, Nr. 58, S. 111-142. St. Goar.
Sebald, Eduard / Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. Direktion Landesdenkmalpflege (Hrsg.) (2012)
Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz. Stadt St. Goar. Die Kunstdenkmäler des Rhein-Hunsrück-Kreises. Teil 2.3. 2 Teilbände. (Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz, Band 10.) Berlin und München.

Rheinfels-Schule in Sankt Goar

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Am Hafen 6
Ort
56329 Sankt Goar
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1903 bis 1904
Koordinate WGS84
50° 09′ 10,37″ N, 7° 42′ 35,95″ O / 50.15288°, 7.70999°
Koordinate UTM
32U 407843.38 5556425.44
Koordinate Gauss/Krüger
3407881.61 5558208.46

Empfohlene Zitierweise

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„Rheinfels-Schule in Sankt Goar”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-244450 (Abgerufen: 21. August 2018)
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