Botanischer Garten Neuss

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Neuss
Kreis(e): Rhein-Kreis Neuss
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Neuss, Bergheimer Straße 67a / Körnerstraße, Botanischer Garten Neuss

    Neuss, Bergheimer Straße 67a / Körnerstraße, Botanischer Garten Neuss

    Copyright-Hinweis:
    LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Silvia Margrit Wolf
    Fotograf/Urheber:
    Silvia Margrit Wolf
    Medientyp:
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  • Neuss, Bergheimer Straße 67a / Körnerstraße, Botanischer Garten Neuss

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Seit Generationen dient der Botanische Garten Neuss als außerschulischer Lernort und innenstadtnahes Erholungsgrün. Zugleich ist er ein authentisches Zeugnis der Nachkriegszeit und mit seiner historischen Grüngestaltung ein Gartendenkmal. Dieser Botanische Garten gehört zu den ersten öffentlichen Grünanlagen, die in Neuss nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen wurden. Für seine Neuanlage wurde ab 1948 ein ehemaliger Sportplatz genutzt, der sich südlich an den ursprünglichen Schulgarten und die Stadtgärtnerei anschloss. Dieser war nicht mehr als Sportstätte zu nutzen, seit man dort im Zweiten Weltkrieg u.a. mehrere Bunker errichtet hatte. Statt diese innenstadtnahe Fläche weiter zu bebauen und dort den in der Nachkriegszeit dringend benötigten Wohnraum zu schaffen, wurde entschieden, das Dreikönigenviertel stärker zu durchgrünen. Angesichts der verheerenden Kriegszerstörungen in den engen Altstadtquartieren hatte eine städtebauliche Neuorientierung stattgefunden, um durch gezielte städtische Grünplanungen weiträumige Freiflächen zu erhalten.

Für die Gestaltung des 1961 offiziell eröffneten Botanischen Gartens war der Gartenarchitekt und Stadtbaumeister Heinrich de Cleur (1907–1991) verantwortlich. Der lange Entstehungszeitraum ab 1948 war den begrenzten Mitteln in der Nachkriegszeit geschuldet. Unter diesen besonderen Bedingungen wurde die neue Gartenanlage abschnittsweise entworfen und realisiert. Ein Gesamtentwurfsplan existiert nicht, denn Heinrich de Cleur fertigte Entwurfszeichnungen zu Teilbereichen an, die teils im Zuge der Ausführung noch abgewandelt wurden. Ein Schulungsgebäude mit großem Unterrichtsraum wurde jedoch schon ab 1949 in Zeiten von Materialknappheit unter Verwendung gebrauchter Ziegel errichtet. Die auf dem ehemaligen Sportplatzgelände vorhandenen Bunker in die Neuanlage einzubeziehen war naheliegend, weil deren Beseitigung mit großem Aufwand verbunden gewesen wäre. Deren geschickte Nutzung für die Errichtung eines Plateaus mit Pflanzenschauhaus und für das modellierte Alpinum mit Aussichtskanzel verdeutlicht einen verantwortungsbewussten Umgang mit Relikten des Krieges.

Die Gestaltung dieses Botanischen Gartens umfasst viele zeittypische Elemente und Materialien der 1950er und 1960er Jahre, insbesondere ein tropfenförmiges Wasserbecken inmitten des zentralen Platzes. Qualitätvoll ist auch die kontrastierende Mischung der Materialien, welche vor allem bei den Bodenbelägen und Mauern auffällt. Sie ist einerseits sicherlich der begrenzten Verfügbarkeit von Baumaterialien in der frühen Nachkriegszeit und der Realisierung dieser Gartenanlage in mehreren Bauabschnitten über einen längeren Zeitraum geschuldet. Dieser Materialmix und die kontrastreiche Kombination unterschiedlicher Verlegungsarten verkörpern andererseits aber auch neue gartenarchitektonische Vorstellungen dieser Zeit, in der neben Naturstein immer stärker auch Beton zum Einsatz kommt. Hier wurden neben Bodenbelägen, Sockeln und Mauern sogar eine Pergola in Beton ausgeführt.

Die historisch wertvolle Anlage ist darüber hinaus ein Beispiel für die institutionelle Weiterentwicklung eines Schulgartens. Während Schulgärten stärker darauf abzielten, gartenbauliche Kenntnisse zu vermitteln, also praktische Fähigkeiten beim Anbau von Pflanzen, bilden in städtischen Botanischen Gärten die nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten zusammengetragenen Pflanzensammlungen den Schwerpunkt. Sie wurden für die Nutzung durch Schulklassen und die Bevölkerung als Anschauungs- und Lehrgärten angelegt. Unterrichtshallen oder Schulungsgebäude sind deshalb in der Regel ebenso darin zu finden wie Gewächshäuser. Häufig werden bis heute gerade in den städtischen Gärten nicht nur Pflanzen, sondern auch Tiere in Volieren, Aquarien und Terrarien präsentiert. Weitere Beispiele für städtische Botanische Gärten, die bereits in die Denkmalliste von Nordrhein-Westfalen eingetragen wurden, sind der Botanische Garten Krefeld (Sandberg 1–2, ab 1928 aus einem Schulgarten hervorgegangen) und der Botanische Garten Solingen (Vogelsang 2a, 1963 eröffnet).

Die Pflanzensammlung des Botanischen Gartens Neuss wurde anders als bei einem Universitätsgarten für die Zielgruppen des städtischen Bildungssystems geschaffen, also hauptsächlich für die Schüler- und Erwachsenenbildung. Es handelt sich überwiegend um charakteristische Baum- und Straucharten verschiedener Kontinente, die teilweise nach ihrer geografischen Herkunft zu Pflanzengesellschaften gruppiert, überwiegend jedoch nach ästhetischen Gesichtspunkten zusammengestellt wurden. Letzteres wird bei der kontrastreichen Verwendung von Gehölzen mit markantem Wuchsbild und auffälligem Laub deutlich: So prägen zwei alte Hängebuchen (Fagus sylvatica f. pendula) mit ihren überhängenden Ästen den zentralen Platz und den Großen Teich. Außerdem bieten dort eine Sumpfzypresse (Taxodium distichum) und ein Trompetenbaum (Catalpa bignonioides) reizvolle Laubkontraste. Die wertvolle Gehölzsammlung ist in einem von der Stadt Neuss sowie den Freunden und Förderern des Botanischen Gartens Neuss e.V. herausgegebenen Plan dargestellt.

Die Eintragung des Botanischen Gartens Neuss in die Denkmalliste der Stadt Neuss wurde am 30.03.2016 vom LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland beantragt (LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Datenbank-Nr. 72996).

(Kerstin Walter, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, 2016)

Literatur

Barfurth-Igel, Annette (2011)
Von „grüner Medizin“ zum „grünen Klassenzimmer“. Ein Streifzug durch die Geschichte des Botanischen Gartens in Neuss. S. 87–102, Neuss.
(2014)
100 Jahre Botanischer Garten Neuss. Mit Texten von Georg Gremmer und Karl-Heinz Maiwald. Neuss.

Botanischer Garten Neuss

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Bergheimer Straße 67 a
Ort
Neuss - Neuss
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Übernahme aus externer Fachdatenbank, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1948
Koordinate WGS84
51° 11′ 24,03″ N, 6° 41′ 32,48″ O / 51.19001°, 6.69236°
Koordinate UTM
32U 338745.06 5673485.8
Koordinate Gauss/Krüger
2548446.14 5673012.65

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„Botanischer Garten Neuss”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/BODEON-72996-14122016-262010 (Abgerufen: 13. November 2018)
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