Denkmalbereich „Siedlung Gartenstadt Wedau“

Wedau-Siedlung, Duisburg-Wedau, Siedlung

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Duisburg
Kreis(e): Duisburg
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 23′ 31,16″ N: 6° 47′ 49,09″ O / 51,39199°N: 6,79697°O
Koordinate UTM 32.346.728,73 m: 5.695.720,12 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.555.515,48 m: 5.695.557,39 m
Die Siedlung Wedau ist eine der drei Siedlungen im Rheinland, die nach den Beispielen der Gartenstadtbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet wurden. Zwischen 1913 und 1930 sind im Auftrag des Beamtenwohnungsvereins Duisburg Bauverein Wedau e.G. m.b.H. 611 Wohnhäuser und 1043 Wohnungen fertig gestellt worden.

Die Siedlung liegt im Südosten der Stadt Duisburg im Ortsteil Wedau. In der unmittelbaren Umgebung befindet sich die Sechs-Seen-Platte, ein großflächiger Naherholungsraum. Im Westen stellt der Dickelsbach eine natürliche Grenze dar, im Osten begrenzt ein Industriegebiet mit dem zwischenzeitlich teilweise stillgelegten Bahnbetriebsgeländes den Bereich. Sie erstreckt sich über eine Fläche von insgesamt etwa 40 Hektar. Ihr liegt ein bei Baubeginn festgelegter planerischer Entwurf zu Grunde, bestehend aus einer geradlinigen Grundrisskonzeption sowie einem differenzierten System sozialer und öffentlicher Einrichtungen, sodass trotz mehrerer Bauphasen eine einheitliche Gartenstadt entstand. Das Siedlungsgelände ist umgeben von Wiesen, Feldern, Wäldern und einem Baggersee an der südlichen Grenze. Um das auf Selbstversorgung der Bewohner angelegte Konzept umzusetzen, wurde jedem Mieter 200 Quadratmeter Gartenland zugeteilt um hierauf Kleintierzucht und Gemüseanbau zu betreiben.

Die Entstehung der Siedlung Wedau ist im Zusammenhang mit dem Ausbau des Wedauer Bahnhofes zu sehen. Hatte sich die Rheinische Eisenbahngesellschaft zunächst auf den Ausbau des linksrheinischen Eisenbahnnetzes konzentriert, stieß sie mit der Eröffnung der Bahnlinie Osterrath – Essen 1866 auch ins Ruhrgebiet vor. 1874 wurde zur Entlastung dieser Bahnlinie und zum Kohlentransport die Bahnlinie Troisdorf – Speldau mit der Signalstation Wedau errichtet. Im Jahr 1890 folgte die Eröffnung des Rangierbahnhofes Wedau. Bereits 1907 lagen erste Pläne zum weiteren Ausbau der Wedauer Bahnanlagen vor. Zu dieser Zeit umfasste die Anlage 40 Gleise, ein Personen-Bahnhof oder ein Haltepunkt fehlte hingegen. 1911 waren die Erweiterungspläne fertiggestellt und die Königliche Eisenbahnverwaltung hatte die Unterbringung des künftigen Bahnpersonals zu regeln. Im Jahr 1913 erhielt der Beamten-Wohnungsverein zu Duisburg den Auftrag alsbald 300 Wohnungen zu errichten.

Die Architekten Caspar Maria Grod, Dalhaus und Mosebach zeichneten sich verantwortlich für die Entwurfsplanung. Nach ihren Plänen entstanden im ersten Bauabschnitt zwischen 1913 und 1915 312 Häuser mit 485 Wohnungen. Der zweite Bauabschnitt (1920-1923) nach dem Ersten Weltkrieg lehnte sich an die vorhandene Gestalt an; die baulichen Erweiterungen dienten überwiegend zur Schaffung gemeinnützigen und preisgünstigen Wohnraums für kinderreiche Familien, Kriegerwitwen und -waisen, zum einen um die Wohnungsnotsituation zu lindern und zum anderen, um den sogenannten Kriegerheimstättengedanken zu verwirklichen. In diesen Abschnitt fällt auch die Errichtung der katholischen und 1924 der Bau der evangelischen Kirche. Ab 1923 fungierte der neugegründete Bauverein Wedau e.G.m.b.H. als Bauträger und trat ab 1925 als Eigentümer der Siedlung auf. Zwischen 1924 und 1927 wurden 17 weitere Wohnhäuser errichtet, danach ließ die Bautätigkeit zunächst nach um ab 1930 zum aktuellen Bestand anzuwachsen.

Der städtebauliche Entwurf wird geprägt von einer geradlinigen Straßenführung, die durch den Wechsel von Baufluchten, kleinen Platzanlagen und versetzten Straßeneinmündungen aufgelockert wird. Die Siedlung gliedert sich in rechteckige, von Hauszeilen gerahmte Haus- und Gartenbereiche, die durch ein System von zusätzlichen Wirtschaftswegen erschlossen werden. Die im Idealplan angelegten Grünflächen und Baumpflanzungen wurden teilweise realisiert. Alleebäume dienen zur Verlängerung der zurückverlegten Hausfluchten, Einmündungen werden durch Einzelbäume akzentuiert. Die Vorgärten werden regelmäßig durch Hecken umsäumt, bisweilen hat sich die ursprüngliche Backstein-Beeteinfassung erhalten. Die eher schlicht gehaltenen Haustypen erhalten eine architektonische Qualität durch ihre hohen gestaffelten Dächer und den ursprünglich grünen Schlagläden vor hell verputzten Wandflächen.

In der Siedlung konnten nicht nur architektonische und soziale Ideen umgesetzt werden, sondern auch neue Reformideen im Bereich der Kultur und der Pädagogik. So wurden kulturelle Einrichtungen, wie ein Gesellschaftshaus, Vereinshäuser, ein Theatersaal (1928), eine Bücherei, Fortbildungseinrichtungen, eine Schule und Kindergärten, ein Ledigenheim und eine Licht-, Luft- und Freibadeanstalt geschaffen. Im Bereich des Versorgungs- und Dienstleistungssektors schuf man verschiedene Einzelhandelsgeschäfte, wie Gartenbaubetriebe und eigene Kleintierzucht, die Gaststätte „Unter den Eichen“, eine Arztpraxis und eine Apotheke sowie eine Sozialstation und Rechtsberatungsstelle. Darüber hinaus wurde ein Konsumverein und eine eigene Spar- und Darlehenskasse gegründet, auch verfügte die Siedlung über ein eigenes Klärwerk.

Die potentiellen Mieter hatten vor Abschluss des Mietvertrages der Genossenschaft beizutreten und Anteilseigner zu werden. Die hieraus resultierenden Rechte, wie gegen unbegründete Mieterhöhungen und Kündigungen Einspruch zu erheben, konnten sie im Rahmen der Generalversammlung vertreten. Die Genossenschaft sah sich nicht als ein auf Gewinn orientierten Eigentümer, vielmehr waren gewinnbringende Absichten zu vermeiden und beispielsweise bei der Belegung des Wohnraumes kinderreiche Familien zu bevorzugen.

Sowohl das Gebäudeinnere, die Gestaltung der einzelnen Baukörper, die Lage innerhalb des Siedlungsgrundrisses als auch die Zuordnung zu den anderen Siedlungsbauten sind eng aufeinander bezogen, sodass eine qualitätvolle städtebauliche Einheit entsteht. Da auch bei den späteren Bauabschnitten stets Bezug auf den Ursprungsplan von Caspar Maria Grod genommen wurde, kann zweifelsfrei von einer einheitlichen Konzeption gesprochen werden. Die Gartenstadt Wedau gilt als ein herausragendes Beispiel für die Umsetzung des Gartenstadtgedankens auf genossenschaftlicher und gemeinnütziger Basis mit dem Ziel, die Lebensumstände der Menschen in einem industriell geprägten Ballungsraum zu verbessern. Ihre Vorbildlichkeit ist bis heute erhalten, lediglich kleinere Veränderungen, wie Blumenbeete im Straßenraum, Bauminseln, moderne Straßenpflasterungen sowie heterogene Einzäunungen in den Vorgartenbereichen.

Schutzziele des Denkmalbereiches sind das äußere Erscheinungsbild der Gebäude und der städtebauliche Grundriss der Wedausiedlung, die zentrale Platzanlage Wedauer Markt mit Infrastruktureinrichtungen und Baumbepflanzung, die linearen Straßenführungen, die Platzaufweitungen und Raumfolgen, die durch Staffelungen und Versatz der Gebäudezeilen und Hausgruppen sowie durch Verschiebungen der Straßeneinmündungen gebildet werden, das Erschließungs- und Straßengrün und die planmäßig angelegten Baumbepflanzungen, die Vorgärten einschließlich der Einfriedungen, die Hausgärten und die Freiflächen, die Wege im rückwärtigen Gartenbereich, die Architekturdetails, die für das Erscheinungsbild der Siedlung typisch sind.

Die Satzung besitzt seit 1999 Rechtskraft.

(Nadja Fröhlich, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, aus: Pufke (Hrsg.) 2016)

Literatur

Bollerey, Franziska; Hartmann, Kristiana (1985)
Siedlungen aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf. Essen.
Grothe, Hermann / Hanf, Konrad (Hrsg.) (1916)
Die Verwirklichung des Kriegerheimstättengedankens. In: Kreigerheimstätten, Gedanken und Vorbilder, Zweiter Teil, Sonderausgabe der „Baurundschau“, Hamburg.
Krampffmeyer, Hans (1918)
Die Gartenstadtbewegung. In: Die Wohnungs- und Siedlungsfrage nach dem Kriege, Stuttgart.
Pufke, Andrea (Hrsg.) (2016)
Denkmalbereiche im Rheinland. (Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 83.) S. 146-149, Petersberg.
Stöters, Friedhelm (1987)
Wedau, die Geschichte einer Siedlung. Duisburg.
(2002)
Denkmalbereich Wedau, Duisburg am Rhein. [Gestaltungsfibel]. Duisburg.
(2000)
Rundgang durch das alte Duisburg und seine Stadtbezirke und Stadtteile Bissingheim, Hamborn, Hochfeld, Homberg, Meiderich, Neudorf, Rheinhausen, Ruhrort, Walsum und Wedau. Gudersberg-Gleichen.
(1913)
Gartenstadt Wedau. Satzung, bestätigt durch den Vorstand des Beamten-Wohnungsvereins zu Duisburg e.G.m.b.H.. Duisburg.

Denkmalbereich „Siedlung Gartenstadt Wedau“

Schlagwörter
Ort
47279 Duisburg - Wedau
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Denkmalbereich gem. § 5 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Übernahme aus externer Fachdatenbank, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung

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„Denkmalbereich „Siedlung Gartenstadt Wedau“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/BODEON-3395-13062019-293788 (Abgerufen: 15. Juli 2020)
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