Das Ensemble aus rotem Ziegel ist weitgehend im Zustand der Erbauungs- bzw. Frühzeit erhalten. Beim Bahnhofsempfangsgebäude handelt es sich um einen ursprünglich nahezu symmetrisch gestalteten Baukörper mit einem zweigeschossigen Hauptteil und gleisseitig zwei dreigeschossigen Eckrisaliten. Die Fenster sind im ersten Obergeschoss segmentbogig und im zweiten rundbogig. Prägnant sind die rundbogigen Zwillingsfenster im ersten Obergeschoss, die in ein vertieftes Feld eingelassen sind. Das zweite Obergeschoss der Risalite ist in Fachwerk konstruiert und besitzt quadratische, auf der Spitze stehende Fenster sowie weit überstehende, flach geneigte Kreuzdächer mit Hängewerk. Horizontal ist das Gebäude durch Sohlbankgesimse und einen umlaufenden Rautenfries gegliedert. Südlich fügt sich ein eingeschossiger Dienstraum mit Drempel an, nördlich der Güterboden. Gleisseitig liegt der eingeschossige Stellwerkanbau mit Klinkerbändern und Pultdach von 1930, der einen Vorgänger ersetzte.
Erhalten sind auch die Nebengebäude Toilettenhaus, Waschhaus und Stall sowie der zugehörige Wasserturm von bau- und technikgeschichtlicher Bedeutung. Es handelt es sich um einen dreigeschossigen, durchfensterten Baukörper mit oktogonalem Grundriss. Die beiden Obergeschosse bilden den ziegelsichtigen Turmschaft mit Ecklisenen, darüber erhebt sich ein Fachwerkgeschoss mit Ziegelausfachung und ein hervorkragendes Zeltdach.
Mit einem Speichervolumen von ca. 100 l wurde der erhöhte Wasserbedarf mit wachsendem Verkehrsaufkommen kurz vor 1900 gedeckt, als der Streckenabschnitt Cottbus – Guben zweigleisig ausgebaut wurde. Durch die immer längeren Strecken, die größer werdenden Lokomotiven und dem ansteigenden Wasserbedarf baute man spezielle Türme mit großen Speichervolumen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Teilabbau der Bahngleise durch die Sowjetunion zwecks Reparationszahlungen kam der Strecke mit dem Aufbau der Industriezentren Eisenhüttenstadt und Guben nach 1945 neue Bedeutung zu. Der Bahnhof selbst entwickelte sich ab den 1970er Jahren durch das Kraftwerk Jänschwalde zum Kohle- und Kraftwerkbahnhof und war an den nichtöffentlichen Berufsverkehr angebunden, der vom 1977 bis 1992 von der Deutschen Reichsbahn betrieben wurde. Aufgrund des Tagebaus Cottbus-Nord wurde der Abschnitt am 18.09.2002 stillgelegt und der Verkehr an eine Umleitungsstrecke übergeben, die bis heute in Betrieb ist.
Der Bahnhof Peitz-Ost besitzt als Baudenkmal geschichtliche, verkehrsgeschichtliche und wirtschaftliche Bedeutung.
Datierung:
- Erbauung: 1871-1877
- Inbetriebnahme: 1872
- Erbauung Wasserturm: 1896-1897
- Erweiterung: 1930er
Quellen/Literaturangaben:
- Denkmalgutachten, Hida-Nr.: 09125821.
- Arbeitskreis Eisenbahngeschichte Cottbus, Angedampft und abgedampft!?
Zur Bahngeschichte der Stadt Peitz, Cottbus 2010, URL: https://www-docs.b-tu.de/fg-eisenbahn/public/Berichte/Thiel/2010_04Sept_Peitz.pdf (Zugriff am 05.01.2023).
- Denkmaltopographie Spree-Neiße, Bd. 16.1, Worms 2012, S. 311f.
BKM-Nummer: 32000663
(Erfassungsprojekt Lausitz, BLDAM 2023)