Siedlungen der Gewerkschaft „Victor“ zwischen Wartburgstraße und Henrichenburger Straße

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Castrop-Rauxel
Kreis(e): Recklinghausen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Die Siedlung bildet die Architektur innerhalb der Zeitstellungen von den 20er bis hin in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts ab und vermittelt die Entwicklung der Formen des Sozialen Wohnungsbaus in diesem Zeitraum. Der Siedlungsbereich liegt zwischen
  • der Heerstraße im Norden,
  • der Henrichenburger Straße im Osten,
  • der Römerstraße im Süden sowie
  • der Wartburgstraße im Westen.

Die Errichtung der Siedlungen ist in Abhängigkeit zur Aufnahme der Förderung auf der Zeche Victor I/II im Stadtteil Bladenhorst sowie später der Zeche Victor III/IV im Stadtteil Ickern zu sehen. Ab 1872 erfolgte das Abteufen des Schachtes Victor I sowie Einstellen der Förderung 1907 und Beginn der Aufgabe als Auszieh-, Seilfahrts- und Materialtransport-Schacht. Der Schacht Victor wurde 1966 still gelegt. Ab 1894 wurde der zweite Schacht Victor II abgeteuft und die Förderung 1899 aufgenommen. Der Schacht Victor II wurde 1966 still gelegt. Ab 1899 erfolgten die Abteufarbeiten am dritten Schacht Victor III und Aufnahme der Förderung 1905. Der Schacht Victor III wurde 1974 still gelegt. Ab 1901 wurde mit dem Abteufen eines vierten Schachtes Victor IV begonnen, der bis 1907 als Wetterschacht eingerichtet wurde. Der Schacht Victor IV wurde 1974 still gelegt.
„Grundlage für den ausgedehnten Wohnungsbau war der planmäßige Ankauf von Grundstücken, Kotten, Höfen und Gütern durch die Gewerkschaft Victor. Gleichzeitig beugte sie dadurch eventuellen Bergschadensforderungen fremder Eigentümer vor. Die Zeche wurde vor allem in Habinghorst und Ickern neuer Großgrundbesitzer“ [CRAMM, 2000; Seite 124]. Die Entwicklung des Zechenstandortes im Stadtteil Ickern an der Grenze zur Gemarkung der Gemeinde Habinghorst rief eine hohe Beschäftigtenzahl und demzufolge eine starke Wohnungsnachfrage hervor, die durch die Gewerkschaft Victor gedeckt werden musste. Die Bebauung im Stadtteil Habinghorst gehört daher im Zusammenhang mit den Siedlungen in den Stadtteilen Rauxel, Bladenhorst und Ickern „zu einer der größten Agglomerationen von Bergarbeiter-Siedlungen des Ruhrgebietes“. Die Entwicklung der Siedlung gliedert sich in folgende Abschnitte:

Siedlungsbereich 1
Als einzelne Baugruppe liegt der Siedlungsbereich westlich von der Henrichenburger Straße. Diese besteht aus zueinander versetzt angeordneten, zweigeschossigen Reihenhaus-Zeilen mit steil geneigten Walmdach von 1921. Die Häuser sind schlicht mit expressionistisch beeinflussten Türbekrönungen und -rahmungen gestaltet. Ehemals farbig abgesetzte Gesimsbänder sind zwischenzeitlich von einem Dämmputz verdeckt worden. Bauherr war die Bergmannssiedlung Herne GmbH. Verfasser war hier - wie auch andernorts - Architekt und Baumeister Emil Lickwegvom Baubüro der Gewerkschaft Victor.
Die Siedlung zeichnet sich durch großkronige Bäume (Platanen und Kastanien) aus, die den Bereich zwischen Bebauung und Straße gliedern.

Siedlungsbereich 2
Ein weiteres Siedlungskonzept für den Bereich der Westerholtstraße wurde 1922 ebenfalls vom Architekten Emil Lickweg entworfen. Es wurde teilweise durch die Wohnungsbaugesellschaft der Bergmannssiedlung Herne m.b.H., Bochum, verwirklicht. Eine platzartige Öffnung im Nordteil gegenüber dem als „Alten Friedhof“ bezeichneten Teil ist heute noch abzulesen, jedoch teilweise auf der Westseite aufgefüllt. Die übrigen Einfamilienhäuser sind zwischenzeitlich privatisiert und bis heute überwiegend in ihrem Erscheinungsbild überformt worden.

Siedlungsbereich 3
Westlich der Baugruppe an der Henrichenburger Straße entstand 1928/1929 an der Westerholtstraße eine Baublock mit Mehrfamilienhäusern, die sich durch Putz und Gliederung durch Ziegelbänder auszeichnen. Bauherr war die Bergmannssiedlung Herne GmbH, Bochum. Als Verfasser zeichnete der Architekt Ülzner.
Um- und Ausbau der Gebäude wurden 2005/2006 durch den Bauherrn TreuHandStelle (THS) GmbH, Gelsenkirchen, die Wohnanlage durchgeführt. Verfasser war Architekt Hermann Stoffers, Gelsenkirchen.

Siedlungsbereich 4
Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde 1952 an der Wartburgstraße, Frankenstraße und an der Germanenstraße von der Stadt Castrop-Rauxel als Bauherr eine Wohnsiedlung mit Mehrfamilienhäusern in Zeilenbauweise errichtet. Verfasser war Stadtbaurat Bentele, Castrop-Rauxel.
Die Gebäude wurden 1990 umgebaut und modernisiert. Bauherr war die Hilbers Bau- und Handels GmbH, Nottuln. Als Verfasser ist Architekt H.-D. Kromer, Lengerich angegeben.

Siedlungsbereich 5
Schließlich wurde 1954/1955 an der Straße „Am Urnenfeld“ eine Siedlung mit 41 Einfamilien-Reihenhäusern errichtet. Bauherr war hier die Treuhandstelle für Bergmannswohnstätten, Essen und Bergmannssiedlung Bochum, Zweigniederlassung der Treuhandstelle für Bergmannswohnstätten im rheinisch-westfälischen Steinkohlenbezirk GmbH, Dortmund. Als Verfasser unterzeichnete Architekt Friedrich Kirchmeier, Bochum. Die Häuser in der Siedlung sind zwischenzeitlich privatisiert und vereinzelt erneuert worden.

Siedlungsbereich 6
Unmittelbar daran entstand 1957/1958 die Siedlung an der Wartburgstraße und Gotenstraße eine zweigeschossige Bebauung mit geneigtem Dach. Die Zeilen fassen beidseitig den Straßenraum (Bauherr: Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft m.b.H.) Castrop-Rauxel; Verfasser: . Die Gebäude werden zur Zeit durch Energie-einsparende Maßnahmen erneuert. Das Fleckenbild ist jedoch weitgehend erhalten geblieben.

Siedlungsbereich 7
Diesen schloss sich der Siedlungsbereich an der Teutonenstraße zwischen der Heerstraße im Nordosten, der Wikingerstraße im Süden und der Wartburgstraße im Westen an. Die Siedlung nahm in strenger städtebaulicher Ordnung eine gemischte Wohnbebauung aus Mehrfamilienhäusern als Zeilenbauten, Reihen- sowie Doppel-Einfamilienhäusern auf. Gemeinsames Merkmal ist auch hier vielfach, dass die Häuser mit ihren Hauszugängen einander zugeordnet sind.
Zur städtischen Infrastruktur dieses Siedlungsbereiches gehört die Gastwirtschaft an der Wartburgstraße 193 (ehemals Hofstelle Kleinalstedde, später auch Gastwirtschaft).

Literatur

Beushausen, Ursel (2008)
Alte Höfe und Kotten in der Bauerschaft Habinghorst (Manuskript). Castrop-Rauxel.
Bollerey, Franziska / Hartmann, Katharina (Bearb.) / Matzke, Sabine / Thelen, Urban (Mitarb.) (1978)
Siedlungen aus den Regierungsbezirken Arnsberg und Münster, Beitrag zu einem Kurzinventar (Dokumentation des Forschungsvorhabens "Wohnen und Arbeiten im Ruhrgebiet", Arbeitsschritt 1). (Dortmunder Arbeitshefte 8.) Greven.
Cramm, Tilo (2000)
Der Bergbau ist nicht nur eines Mannes Sache. Das Bergwerk Victor-Ickern in Castrop-Rauxel. Essen.
Hartung, Karl (o.J.)
Die zwölf Bauerschaften in Castrop-Rauxel. (Castrop-Rauxel, Kultur und Heimat; Heimatblätter für Castrop-Rauxel und Umgebung; Ortsverband Castrop-Rauxel des Westfälischen Heimatbundes (Hrsg.). Jahrgang 25, 1973, Heft 3 / 4 und Jahrgang 26, 1974, Heft 1/2.) Castrop-Rauxel.
Thomas, Anne / Beushausen, Ursel (2003)
Gemeindegeschichte Habinghorst. Aufzeichnungen des Pfarrers Rüping (Manuskript). Castrop-Rauxel.
(o.J.)
Karten im Stadtarchiv der Stadt Castrop-Rauxel (Bezeichnung, Gemarkung, Flur). Castrop-Rauxel.
(o.J.)
Archiv des Immobilienmanagements der Stadt Castrop-Rauxel (Bezeichnung, Straße, Haus-Nr.). Castrop-Rauxel.

Siedlungen der Gewerkschaft „Victor“ zwischen Wartburgstraße und Henrichenburger Straße

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1910 bis 1914
Koordinate WGS84
51° 35′ 32,5″ N, 7° 18′ 22,86″ O / 51.59236°, 7.30635°
Koordinate UTM
32U 382680.81 5717059.95
Koordinate Gauss/Krüger
2590571.2 5718357.79

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„Siedlungen der Gewerkschaft „Victor“ zwischen Wartburgstraße und Henrichenburger Straße”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-P363N504-20090709-0001 (Abgerufen: 19. Oktober 2017)
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