Siedlung Ginsterweg in Schwerin

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Castrop-Rauxel
Kreis(e): Recklinghausen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Die Siedlung am Ginsterweg vermittelt eine zusammenhängende Siedlungsplanung und -entwicklung in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Siedlung, auch „Schweriner Berg“ wegen ihrer Lage oberhalb (südwestlich) der Zeche Graf Schwerin genannt, liegt im Winkel der Straßen obere Dortmunder Straße im Osten und Hellweg im Süden. Nach Westen wird der Siedlungsteil durch das Tal des Landwehrbachs mit der Straße Oberspredey und im Norden durch die Cottenburgstraße begrenzt.

Das Quartier ist infrastrukturell auf den Neuroder Platz im Osten der Siedlung an der Dortmunder Straße bezogen, wo sich die Einrichtungen zur Nahversorgung und der evangelischen Kirche konzentrieren. Auch die Grundschule an der Cottenburgstraße nördlich der Westhofen-Straße hat vor allem hier ihren Einzugsbereich.

Die Siedlung wurde zwischen 1950 und 1954 für die Unterbringung der Bergleute und ihrer Familien für die Zechen Graf Schwerin in Castrop-Rauxel und Lothringen in Bochum-Gerthe gebaut. Während der Bauphase wurde die Siedlung wegen der unbefestigten und bei Regenwetter häufig unpassierbaren Straßen von den Bewohnern Korea-Siedlung genannt, weil zur gleichen Zeit der Korea-Krieg stattfand. Auch kam es auch zu der Namensgebung Stadt Gottes, weil ein Möbelgeschäft Heiland dort unterwegs war und die Familien mit Mobiliar ausstattete.
Die Erschließung erfolgt von Osten über den Ginsterweg von der Dortmunder Straße sowie im Süden über den Erlenweg, Pappelweg und Hoher Weg vom Hellweg aus.
Das städtebauliche Rückgrat der Siedlung ist der Ginsterweg, an dessen Südseite sich von West nach Ost die traufenständige Leit-Bebauung in offener Bauweise entlang entwickelt. Dieser ist auf der Nordseite eine giebelständige Bebauung von Nord-Süd-gerichteten Gebäuden gegenüber gestellt.
Südlich des Ginsterwegs wiederholt sich am Holderweg die West-Ost-gerichtete Bebauung.

An der Einmündung des Erlenwegs in den Ginsterweg öffnet sich die der Straßenraum zu einer West-Ost gerichteten, längsgestreckten Platzfläche, die von geschlossener Bebauung gefasst wird.
Die Gebäude sind als Mehrfamilienhäuser zweigeschossig als Zweispänner mit einem Satteldach errichtet worden. Als „Zweispänner“ werden Gebäude bezeichnet, in denen von einem mittigen Treppenhaus jeweils zwei Wohnungen erschlossen werden. In der Zwischenzeit sind Maßnahmen zur Energie-Einsparung durchgeführt worden, die das Erscheinungsbild weitgehend bewahrt haben. Fenster und Türen sind maßvoll erneuert und vorgefundene, einzelne Reliefs über den Hauseingängen sind erhalten worden. Diese Reliefs mit Sport-Motiven stellen einen engen Bezug zu den Olympischen Sommerspielen in Helsinki 1952 her und belegen die Entstehungszeit der Siedlung, gleichwohl helfen diese Embleme - auch in der Wiederholung - früher wie heute der guten Orientierung der Bewohner.

Nördlich des Ginsterwegs seitlich des Hohen Weges ist in den Straßen „Am Rotdorn“ und „Am Weißdorn“ eine Bebauung mit Reihenhäusern angefügt, die in der letzten Zeit noch durch einige Neubauten in den Proportionen der übrigen Gebäude ergänzt bzw. ersetzt worden sind.

Die Leitbebauung setzt sich nach Westen auf der Nordseite des Ginsterwegs bis zum Erlenweg mit Reihenhäusern fort und findet ihren Abschluss in einem L-förmigen Gebäude im Norden und der heutigen Alten- und Pflegeheim-Anlage (seit 1967) im Süden der Straße. Dieser Komplex hat sich aus dem ehem. Berglehrlingsheim entwickelt, das 1956 das evangelische Johanneswerk mit Zuschüssen der Bergbau AG Lothringen für die Zeche Graf Schwerin erbaut hat. Heute ist das Haus erweitert und modernisiert.
Der Erlenweg wird seinerseits ebenfalls durch eine Leitbebauung auf der Ostseite aus Mehrfamilienhäusern begleitet.

Das Gebiet zwischen Ginsterweg und Hellweg ist im Westen durch eine Bebauung aus Einfamilen-Einzel- und Doppelhäusern gekennzeichnet. Während sich die Mehrfamilienhäuser in Besitz von verschiedenen Wohnungsbaugesellschaften befinden, stehen hier die Gebäude im Einzeleigentum. Demzufolge sind gestalterische Merkmale in diesem Siedlungsteil auch durch individuelle Baumaßnahmen weit stärker verändert worden.

Literatur

Heist, Erich (2004)
Eigene Erinnerungen (Manuskript). Castrop-Rauxel.
Thau, Bärbel (o.J.)
Das Haus am Ginsterweg in Castrop-Rauxel. o. O.

Siedlung Ginsterweg in Schwerin

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1950 bis 1954
Koordinate WGS84
51° 32′ 17,43″ N, 7° 19′ 50,54″ O / 51.53818°, 7.33071°
Koordinate UTM
32U 384230.31 5710995.56
Koordinate Gauss/Krüger
2592368.72 5712360.08

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„Siedlung Ginsterweg in Schwerin”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-P363N504-20081111-19 (Abgerufen: 21. Oktober 2017)
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