Heisinger Mark

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Das Waldgebiet Heisinger Mark als Grenzbezirk
Die so genannte Heisinger Mark ist ein Teil des Schellenberger Waldes.
Dabei „handelt es sich um ehemalige Mark- bzw. Gemeindewaldungen, die aufgrund der Fürsorge der hier ansässigen adeligen und bürgerlichen Familien von der weitgehenden Waldvernichtung, wie sie im Norden Essens stattfand, verschont blieben.“ (Jungschlaeger 1988, S.32). Über die Bedeutung der Bezeichnung Mark schreibt Imme (1905, S. 38): ";Das W. (Wort) mark, das in dem N. (Namen) unsrer Grafschaft Mark, … fortlebt, bedeutet eigentlich Flur- oder Landesgrenze, Grenzbezirk überhaupt, und erhielt dann vielfach auch die Bedeutung Wald, allerdings mehr noch im N. (Norden) (an. mörk=Wald). Es ist insofern kulturgeschichtlich bedeutsam, als es darauf hinweist, wie in alter Zeit große Waldgebiete (noch genauer Naturgrenzen überhaupt, auch Sümpfe u. dgl.) regelmäßig die Völker und Völkerstämme voneinander trennten.„ “Die ausgedehnten Waldungen im Süden der Stadt (Essen) von Rellinghausen über Heisingen bis nach Werden sind ein Überrest jenes großen Waldgebietes, das der römische Geschichtsschreiber Tacitus mit dem Namen Caesia belegte. Aus Caesia wurde chaisia und zuletzt haisa. Unter dem Namen Heißi wird das Waldgebiet in der Werdener Schenkungsurkunde vom Jahre 796 erwähnt. Die Ortsnamen Heisingen und Heißen weisen ebenfalls auf diesen Waldstreifen hin, der sich als Grenzwald zwischen Franken und Sachsen in einem weiten Bogen von der Ruhr bis zur Lippe hinzog. Ein Großteil der heute noch vorhandenen Wälder ist als winziges Überbleibsel dieses ehemaligen Urwaldes anzusehen.„ (Jungschlaeger 1988, S.31).

An die Jahrhunderte lange Grenzfunktion erinnert nicht nur mehr der Name, sondern auch die Heisinger Landwehr, deren Reste noch in der Landschaft ablesbar sind. “Die Heisinger Grenzlinie und damit auch bis 1803 die Grenze zwischen den freien Reichsabteien Essen und Werden verlief seit Urgedenken hierher.„ (Bürgerschaft Heisingen e.V. 1996, S. 28)

Die Markgenossenschaft
Der Wald war im Besitz einer Markgenossenschaft. Es gab neben Groß- und Kleinmarken die geschlossenen Dorfmarken wie es hier in Heisingen und im benachbarten Hinsbeck der Fall war. Bei Körholz (1929 in Bürgerschaft Heisingen e.V. 1996, S. 36) heißt es weiter: “Für unsere engste Nachbarschaft ist dabei bemerkenswert, dass sich der Markenwald ursprünglich rings um die Ackerflur des Dorfes herumzog (Heisingen, Fischlaken, Hamm).„ Die Sicherung der Waldnutzung war für die Bauern von immenser wirtschaftlicher Bedeutung insbesondere mit der zunehmenden Besiedlung im Verlauf des Mittelalters. Die Vergabe von vererbbaren Nutzungsrechten an einzelne Güter setzte bereits um 800 mit den Gütererwerbungen des Heiligen Liudger ein und war mit Ende des 13. Jahrhunderts abgeschlossen. Neusiedler bekamen nur noch ganz selten und dann nur beschränkte Markberechtigungen; ab dem 15. Jahrhundert war selbst das nicht mehr möglich. Das Amt des Marken- oder Holzrichters in der Heisinger Mark hatte der Aufsitzer des Hauses Heisingen inne. So erfolgte die erste urkundliche Erwähnung der Heisinger Mark im Jahr 1423 als Arnold von Walsem vom Abt des Klosters Werden mit dem Haus Heisingen und dem Holzgericht belehnt wurde. Auf dem jährlichen Markending (Hölting) wurde über Holz- und Waldfrevel gerichtet.

Der Wald wurde von den Heisinger Bauern vielfältig genutzt: “Die Nutzung und Verwaltung der Mark war die allgemein übliche. Die Markenerben erhielten jährlich, später alle zwei Jahre in einer 'Gemeinde-Weisung', das zum Brennen nötige Buchenholz und das Eichenholz für Zäune und Schlagbäume; ferner wurde ihnen das zum Bauen und für Geräte erforderliche Eichenholz angewiesen und vom Förster mit der Scharaxt gezeichnet. … Kleinere Nutzungen waren Heidehacken, Plaggenstechen und Laubsammeln (Mai-Strippen). Um den Bestand zu erhalten, mussten alle Berechtigten jährlich einige Pflanzbäume setzen, die gewöhnlich in einem Heisterkamp gemeinsam gezogen wurden. Im Frühjahr trieb man das Rindvieh zur Weide in die Mark. Um Michaelis begann die Mast der Schweine in den Eicheln und Bucheckern. Die eingetriebenen Tiere wurden mit dem Brenneisen gezeichnet. … Eine besondere Aufsicht über die ausgetriebenen Schweine war wohl nicht erforderlich, da die Mark nach draußen durch einen Wasserlauf und einen daneben gezogenen Wall ('Landwehr') und gegen den Acker durch kleine Wälle oder Hecken begrenzt war. … Die Zahl der einzutreibenden Tiere richtete sich nach dem Ausfall der Eichel- und Bucheckerernte.„ (Körholz 1929 in Bürgerschaft Heisingen e.V. 1996, S. 37)

Die Auflösung der Markgenossenschaft erfolgte im 19. Jahrhundert aufgrund der Säkularisation, durch welche die Bauern von der gutsherrlichen Abhängigkeit befreit wurden. Zwischen 1821 und 1855 wurde die Mark daher genau vermessen und die einzelnen Stücke auf die neuen Eigentümer aufgeteilt. Die Markenkasse, die das durch Überschuss und Verpachtung erwirtschaftete Gemeindevermögen darstellte, wurde ebenfalls aufgelöst.

Die Hinterlassenschaften
Dieses historische Waldgebiet wird von Tälern und Siepen durchzogen und weist noch naturnahe Bachläufe auf. Daneben sind vielfältige Spuren des ehemaligen Bergbaus vorhanden; im 18. Jahrhundert wurden mehrere Bergwerke auf Markengrund angelegt. Meist handelt es sich um oberflächliche Zeugen des Stollenbergbaus – zum Beispiel Pingen und Halden sowie verfüllte Schächte, deren abgesackte Füllsäulen regelmäßig nachgefüllt werden müssen. Der südöstliche Teil des Waldes wurde offenbar zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Zechenwald genutzt. Eichen und Buchen sind die Hauptbaumarten in den Waldgebieten des Essener Stadtgebietes und gehören zur potentiell natürlichen Vegetation. In einem Gutachten des Forstmeisters Graf Schmiesing-Kerssenbrock von 1905 heißt es: “'Die eigentlichen Charakterbäume unserer Wälder (in Essen) sind die Buchen und die Eichen. Erstere haben sich glücklicherweise gegen den Industrierauch behaupten können, so daß wir noch über eine ganze Reihe prächtiger Exemplare verfügen.'„ (Schmiesing-Kerssenbrock, 1905 in Jungschlaeger 1988, S.14). Je nach Präferenz werden die Arten aber auch unterschiedlich gefördert: “Das verbreitete Vorkommen verdanken die Eichen dem Menschen, der sie in früheren Zeiten wegen verschiedener Eigenschaften (Eichelmast, Lohrinde, Eignung als Bauholz etc.) der Buche vorzog. Die vorhandenen Bestände sind dabei vorwiegend aus Pflanzung sowie (z.B. im Bereich der Ruhrhänge) aus Stockausschlag entstanden.„ (Jungschlaeger 1988, S. 38).

Das Naturschutzgebiet “Hülsenhaine„
Ein Teil der Heisinger Mark ist als Naturschutzgebiet “Hülsenhaine„ ausgewiesen. Es besteht aus bedeutenden, meist strauchartig wachsenden Ilexvorkommen in Buchenaltholzbeständen. “Vor allem unser schönster Wildling, die Hülse (Hülsekrabbel), mag uns heute noch ahnen lassen, wie es im germanischen Urwalde aussah, wenn sie am Bergeshange zwischen gewaltigen Buchenstämmen uns überall den Weg versperrt. Wo die Hülse im Buchenwalde nur ein wenig ungestört geblieben ist, tritt sie stets in Baumform auf und beherrscht noch heute das ganze Bild. Sie wird in früheren Zeiten ganze Waldflächen undurchdringlich gemacht haben und ist noch heute die beste Zuflucht für die Tiere des Waldes. Eine gute Vorstellung von diesen waldbildenden Eigenschaften der Hülse geben ein Teil des Herrenwaldes in der Heisinger Mark und vor allem der Beckmannsbusch.„ (Wefelscheid 1925, S. 205). Weiter heißt es dort (Wefelscheid 1925, S. 207): “Da sie (die Hülse) sehr langsam wächst und sich kaum durch Samen verbreitet, ist nach den Beobachtungen der letzten Jahre mit ihrem allmählichen Verschwinden zu rechnen. Das ist besonders schade, weil die Hülse hier ihr Hauptverbreitungsgebiet hat, das nach Süden und Osten ungefähr mit dem Sauerlande aufhört. In Ost- und Süddeutschland ist sie so gut wie unbekannt. Im westlichen Württemberg, wo sie vor wenigen Jahrzehnten noch große Bestände bildete, ist sie heute infolge allzu starker Nutzung durch den Menschen fast verschwunden. Soll dasselbe nicht auch bei uns geschehen, so sind durchgreifende Maßnahmen erforderlich.

(Kathrin Lipfert, LVR-Fachbereich Umwelt, 2010)

Internet
http://www.museum-heisingen.de/geschichte_heisingen.html (abgerufen 14.10.2009)

Literatur

Jungschlaeger, Felix (1988)
Erläuterungen zur Standortskarte für den Stadtwald Essen. o. O.
Spethmann, Hans (1938)
Die Stadt Essen. Das Werden und Wirken einer Großstadt an der Ruhr. Berlin, Essen.
Stadt Essen (Hrsg.) (2005)
Landschaftsplan der Stadt Essen (Landschaftsplan Essen [rechtskräftig] vom 06.04.1992, zuletzt geändert am 04.01.2005). Essen.
Wefelscheid, Heinrich / Lüstner, Otto (1925)
Essener Heimatbuch. Herausgegeben im Auftrage der Interessengemeinschaft für Heimatschutz im Industriegebiet und der Bezirksstelle für Naturdenkmalpflege im Gebiete des Ruhrsiedlungs-Verbandes. S. 203-219, Frankfurt/Main.
(1996)
Heisinger Spaziergänge. S. 28, 36-38, Essen.

Heisinger Mark

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn -10000 bis 796
Koordinate WGS84
51° 24′ 45,43″ N, 7° 03′ 8,49″ O / 51.41262°, 7.05236°
Koordinate UTM
32U 364556.21 5697511.2
Koordinate Gauss/Krüger
2573258.06 5698077.05

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„Heisinger Mark”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-KL-20090624-0001 (Abgerufen: 19. Oktober 2017)
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