Baaler Riedelland

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Heinsberg, Roerdalen, Waldfeucht, Wassenberg
Provinz(en): Limburg
Kreis(e): Heinsberg
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 06′ 52,68″ N: 6° 06′ 39,04″ O 51,11463°N: 6,11084°O
Koordinate UTM 32.297.787,13 m: 5.666.542,69 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.507.805,65 m: 5.664.404,85 m
Naturraum
Dieser Landschaftsbereich ist, obwohl es fruchtbare Lößböden gibt, aufgrund des hügeligen Reliefs und der Häufigkeit der eingestreuten Waldflächen – teilweise ehemalige Heideflächen – an Hanglagen nicht zur Börde zu rechnen. Außerdem nimmt die Walddichte in Richtung des Wassenberger Riedellands zu. Das Gebiet wird von verschiedenen Gewässern (Golkrather und Doverener Bach, Floßbach, Baaler- und Nyster Bach) mit relativ tief eingeschnittenen bewaldeten Tälern durchschnitten. Der Landschaftsbereich geht im Osten und Süden in die fast waldfreie Erkelenzer Börde über.

Besiedlung
Die Besiedlung dieses Raumes geht auf die Vorgeschichte zurück. Ein differenziertes Siedlungssystem bestehend aus Wegeverbindungen, Benefiziarstationen, villae rusticae, kleinen Weilern und Kultstätten sowie ackerbaulich genutzten Flächen gab es in der Römerzeit. Nach dem Zerfall des römischen Reiches setzte im 5. und 6. Jahrhundert allmählich die frühmittelalterliche fränkische Landnahme ein, die als ein komplex verlaufender Akkulturationsprozess zu verstehen ist. Im Gegensatz zum römischen Siedlungsgefüge lässt man sich unter anderem wegen der bevorzugten Viehhaltung auf den leichteren Böden in der Nähe von Fließgewässern am Rande der Rur- und Wurmniederung sowie auch entlang der kleineren Fließgewässer nieder: Baal (Baaler Bach), Doveren (Doverner Bach), Kleingladbach (Golkrather Bach), Ratheim (Rur), Rurich (Malefink). Erst in der karolingischen Zeit setzt im 9. Jahrhundert eine intensive Rodungs- und Ausbauphase ein, die etwa bis in zum 12. Jahrhundert andauert. Außer Baal, Doveren und Kleingladbach, erstmals 893 bzw. 1166 erwähnt, sowie Ratheim 1202, werden die übrigen Orte erst seit dem Spätmittelalter und Frühneuzeit erwähnt. Auffallend ist, dass die meisten an den Bächen liegen.

Kulturlandschaft
Von 1806 bis 1895 hat sich das Landnutzungsgefüge – abgesehen von einigen kleinflächigen Heideaufforstungen, -kultivierungen sowie dem wachsenden Anteil von Nadelholz in den Wäldern - zwischen 1846 und 1895 kaum verändert. Die Bachtäler sind weitgehend bewaldet und es gibt dort nur relativ schmale Grünlandstreifen. Das Ackerland erstreckt sich in Abwechslung mit den kleinen inselartigen Bauernwäldchen beziehungsweise den aufgeforsteten Heideflächen um die Orte.

Im frühen 20. Jahrhundert führte die Errichtung der Zeche Sophia-Jacoba seit 1910 zu einer dynamischen Kulturlandschaftsentwicklung. Mit der raschen Entwicklung des Bergwerkes wurde die umgebende Kulturlandschaft im Bereich von Hückelhoven, Ratheim, Altmyhl und Millich eingreifend verändert. 1911 nahm die Bahnlinie Jülich-Dalheim ihre Funktion auf, die für den Kohlentransport bis 1997 wichtig war. In Hückelhoven und den Nachbarorten Schaufenberg, Ratheim, Schaufenberg, Hilfarth und Doveren entstanden einheitlich gestaltete Bergbausiedlungen (siehe Einzelbögen), die diese Dörfer ebenfalls funktional und physiognomisch veränderten. Dies trifft vor allem auf Hückelhoven zu, das seitdem sehr schnell gewachsen ist und hierdurch 1969 zu Stadt erhoben wurde. Weiterhin entstanden Abraumhalden, Gebäudekomplexe, Fördertürme, Kohlenwäscheanlagen, Schlammbecken, Verlade- und Lagerflächen der Zeche Sophia-Jacoba, die das Landschaftsbild trotz der Stillegung 1997 noch immer prägen.

Diese Entwicklung setzte sich seit 1955 fort. Neben der weiter expandierenden Zeche mit dem neuen Standort (Schachtanlage 4/6) in Altmyhl veränderte die Kulturlandschaft sich intensiv und dynamisch weiter. In den Dörfern nahm die Bebauung unter dem Einfluss des Bergbaus weiter zu und es sind flächige Wohngebiete errichtet worden. Nach der Stillegung wurde die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe stark gefördert. Es entstanden vor allem um Millich, Hückelhoven und Baal große Industrie- und Gewerbegebiet.

Orte mit Ersterwähnung:
  • Altmyhl (1455)
  • Baal (893)
  • Brück (1471)
  • Busch (1501)
  • Doveren (1166)
  • Doverhahn (1477)
  • Eschenbroich (1474)
  • Faulendriesch (1510)
  • Garsbeck (1448)
  • Hagbruch (1563)
  • Horst (1669)
  • Hückelhoven (1231)
  • Kleingladbach (1166)
  • Krickelberg (14. Jh.)
  • Millich (1461)
  • Ratheim (1202)
  • Rurich (1258)
  • Schaufenberg (1567)
  • Vogelsang (1455)

Das Gebiet ist ein Altsiedelland mit bevorzugten Siedlungsstandorten in den Niederungen entlang der Bäche mit ihren mit Wald bestockten Hängen. Im Gegensatz zu den Bördelandschaften sind die Hanglagen und Geländekanten, die nicht für den Ackerbau geeignet sind, mit Wald bestockt und damit von kulturlandschaftsgeschichtlicher Bedeutung. Landwirtschaft, Wohnen, Gewerbe, Naherholung sowie ehemaliger Bergbau prägen die Landschaft.

(Burggraaff/Kleefeld: Kartierung zur Datenerfassung im Kreis Heinsberg 2001 im Auftrag des LVR-Fachbereich Umwelt/LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege)

Baaler Riedelland

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Karten
Historischer Zeitraum
Beginn -40 bis 470

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„Baaler Riedelland”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-KKL-20081002-0002 (Abgerufen: 3. März 2024)
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