Gewerberelikte in der Kulturlandschaft Wahner Heide

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bergisch Gladbach, Köln, Lohmar, Rösrath, Sankt Augustin, Siegburg, Troisdorf
Kreis(e): Köln, Rheinisch-Bergischer Kreis, Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Bienenhäuser an der Grube "Versöhnung" bei Altenrath (2011)

    Bienenhäuser an der Grube "Versöhnung" bei Altenrath (2011)

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    Knöchel, Franz-Josef
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Bergbau
Bergbau wurde in der Wahner Heide zwar nicht in großem Stil betrieben, doch finden sich auch hier Relikte von ehemaligen Abgrabungsflächen. Abgebaut wurden sehr unterschiedliche Produkte:

Braunkohle
Braunkohle liegt im Gebiet der Wahner Heide, wenn auch nur in geringer Mächtigkeit, in nicht so einer großen Tiefe wie in nördlich anschließenden Lagerstätten in Königsforst, Heumar und Rath. Sie sind nur bis zu 4 Meter überdeckt. Von 1815 bis 1885 gab es Braunkohleabbau in der Wahner Heide in Verbindung mit dem Abbau von anderen Materialien.

Eisenerz
Die Lage der Eisenerze ist vornehmlich im Ton über der Braunkohle und in Kiesablagerungen in unregelmäßigen Vorkommen zu finden. Eisenerze wurden entweder geschürft oder, wie am Hunnenstein und Johannesberg in Spich, im Bergwerksbetrieb gefördert. Das gewonnene Material wurde größtenteils zur Eisenhütte Friedrich-Wilhems-Hütte transportiert, wo es verhüttet und weiterverarbeitet wurde.

Blei, Kupfer, Zink, Nickel, Kobalt
Nachweise an diesen Erzen gibt es nur in östlichen und südlichen Teilen der Wahner Heide bei Hasbach, Altenrath und an den Abhängen von Ziegen- und Scharfenberg.

Quarzit
Große Quarzitvorkommen liegen auch heute noch im Gebiet der Wahner Heide, besonders die Berge und Hügel im Süden bestehen zum größten Teil aus diesem Gestein. Einzelne Quarzitblöcke sind an verschiedenen Stellen des Heidegebiets und an Abhängen zur Niederterrasse zu finden, wie zum Beispiel der Hohlstein bei Spich oder der Ringelstein am Ravensberg. Am Fuße des Ravens- und des Fliegenberges wurde Quarzit in Steinbrüchen abgebaut (circa von 1882 bis 1965). Quarzit fand für den Bau von Kirchen, Häusern und Mauern in der Umgebung Verwendung sowie für Pflastersteine.

Ton, Sand und Kies
Diese Materialien wurden an sehr vielen Stellen abgebaut.
In der zweiten Hälfte der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden die Kies- und Sandgruben sowie Steinbrüche in der Wahner Heide massiv ausgebeutet.
Relikte des Bergbaus sind in erster Linie Hohlformen, in denen sich Wasser sammelte. So gehen 90% der heutigen Teiche in der Wahner Heide auf den Bergbau zurück. Meist sind es verfüllte Ton- oder Torfgruben, so ist zum Beispiel der Leyenweiher ein ehemaliger Torfstich.
Das Pionierübungsbecken 1 im Norden der Wahner Heide nahe des Königsforsts ist eine ehemalige Sand- und Kiesgrube, deren Material in den 1930er Jahren unter anderem für den Bau der Mauer von Gut Röttgen Verwendung gefunden hat. Auch das Pionierbecken 2 wurde in den 1960er und -70er Jahren zum Kiesabbau verwendet. Bis 1986 ausgebeutet wurde die Kiesgrube, aus der dann das Pionierbecken 3 entstanden ist.

Weitere Gewerbeformen
Besenbinder
Für die Bevölkerung der Wahner Heide war im 19. Jahrhundert die Besenbinderei eine Möglichkeit, das schlechte Einkommen ein wenig zu verbessern. Besonders die in der Heide häufigen Pflanzen Birke, Heidekraut und Besenginster wurden zu diesem Handwerk verwendet. Die Besen wurden in Heimarbeit gefertigt und meist auch von Familienmitgliedern in landwirtschaftlich wenig aktiven Zeiten des Jahres verkauft. Das ständige Abholzen der Materialien war einer der Gründe, dass die Heide offen blieb und nicht verbuschte. Heute wird vom Info-Zentrum Wahner Heide dieses alte Handwerk zu Anschauungszwecken vorgeführt.

Mühle
Die Scheuermühle war eine Mahlmühle mit oberschlächtigem Wasserrad, dazu gehörte ein Mühlenteich, ein Mühlenbach bis zum Versinken im Biesel-Weiher sowie andere Weiher, eine Obstwiese, Haus und Nebengebäude, ein Garten und Ländereien.
Im Laufe der Zeit musste der Wasserlauf des Scheuerbaches mehrmals geregelt werden, weil der Bach nur unregelmäßig Wasser führte. Aus diesem Grunde stellte 1852 der Mühlenbetreiber auf Dampfbetrieb um. Die umgebaute Mühlenanlage umfasste nun ein Kesselhaus und einen Kohlenraum mit Schornstein, Maschinenraum, Mühle, Wohnhaus, Stallungen und Scheune; ostwärts der Anlage (zwischen Altenrather Weg und Mühlenbach) standen Laubgehölze und südlich (zwischen Mühlenbach und Linder Heide) ein Kiefernwald, nördlich der Mühle befand sich Heideland und zwischen Mauspfad und Mühlenanlage Ackerland.
1949 wurde der Betrieb auf Betreiben der britischen Militärverwaltung eingestellt, da sich die Mühle nun auf Militärgelände befand. An die alte Mühle erinnern nur noch Flur- und Straßennamen wie Scheuerbusch und Scheuermühlenstraße. Das Gebäude der Mühle wurde 1968 abgerissen. Ferner sind noch zwei der vormals drei Scheuerteiche erhalten.

(Alexandra Lehmann, LVR-Umweltamt, 2003)

Literatur

Lehmann, Alexandra (Bearb.) / Landschaftsverband Rheinland, Umweltamt (Hrsg.) (2003)
Relikte der historischen Kulturlandschaft in der Wahner Heide (Gutachten mit Dokumentation). Köln.

Gewerberelikte in der Kulturlandschaft Wahner Heide

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Koordinate WGS84
50° 52′ 23,28″ N, 7° 09′ 58,7″ O / 50.87313°, 7.1663°
Koordinate UTM
32U 370984.23 5637318.83
Koordinate Gauss/Krüger
2582137.26 5638181.69

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„Gewerberelikte in der Kulturlandschaft Wahner Heide”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-16155-20110908-6 (Abgerufen: 18. Dezember 2017)
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