Relikte der Land- und Forstwirtschaft in der Kulturlandschaft Wahner Heide

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bergisch Gladbach, Köln, Lohmar, Rösrath, Sankt Augustin, Siegburg, Troisdorf
Kreis(e): Köln, Rheinisch-Bergischer Kreis, Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Waldgaststätte "Heidekönig" am Forsthaus Telegraf in der Wahner Heide (2011)

    Waldgaststätte "Heidekönig" am Forsthaus Telegraf in der Wahner Heide (2011)

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Land- und Waldwirtschaft war über Jahrhunderte hinweg die vorherrschende Nutzungsform des Gebietes der Wahner Heide.

Ackerbau
Ackerbaulich wurden besonders die Gebiete im Osten um die einzelnen Dörfer und Weiler genutzt. Auch heute noch liegen um Altenrath, Schefferei und Hasbach Acker- und Grünlandflächen.

Mittel- und Niederwaldwirtschaft
Die Wälder um die Wahner Heide wurden bis in zur Mitte des 19. Jahrhunderts im Mittel- und Niederwaldbetrieb genutzt. Der Niederwald ist ein gleichaltriger Bestand von Laubbäumen, die nach kurzer Umtriebszeit (zwischen 10-40 Jahren) dicht über dem Boden abgehauen werden. Die aus dem Stumpf austreibenden Gerten wachsen rasch nach und verleihen dieser Waldform ein buschartiges Aussehen. Produktionsziel beim Niederwald waren v.a. die Gewinnung von Brennholz, Kohlholz, Rebstecken und Gerbrinde.
Der Mittelwald ist eine Mischform aus Niederwald und Hochwald, bei der der Baumbestand teils aus Samen (Kernwüchse als Oberholz), teils durch Stockausschlag (Unterholz) entsteht. Er diente zur Sicherung der Brennholzversorgung und war auch hervorragend für die Schweinemast und für die Viehweide geeignet.
Die ehemaligen Nieder- und Mittelwälder, die über Jahrhunderte das Bild der Wahner Heide und ihrer Umgebung prägten, sind größtenteils während des 19. Jahrhunderts in Eichenwälder oder Kiefernforsten umgewandelt worden. Relikte dieser alten Bewirtschaftungsform sind daher im Gelände nicht mehr zu erkennen. Neuerdings entstehen jedoch niederwaldähnliche Strukturen durch den Flughafenbetrieb.

Heide
Die entstehenden Heidegebiete dienten sowohl der Viehweide, der Jagd, der Imkerei, aber auch als Brennholzlieferant etc. Nur durch diese zahlreichen Bewirtschaftungsformen konnte die Fläche offen gehalten werden.

Bienenzucht
Die Wahner Heide wurde schon sehr früh für die Bienenzucht genutzt, worüber auch schriftliche Quellen Auskunft geben: zum Beispiel liegt eine Beschwerde von 1622 von ortsansässigen Bauern über das Aufstellen von Bienenkaren besonders von ortfremden Bienenzüchtern vor, weil die Karen den Baumbestand schädigten. Gerade die Entwicklung der Heidevegetation durch Beweidung, Abplaggen etc. bot günstige Möglichkeiten, Bienenzucht zu betreiben, da das Heidekraut bei Bienen recht beliebt ist.
Zu Ende des 19. Jahrhunderts und später gab es in fast jeder Ortschaft in der Wahner Heide Bienenzuchtvereine, die Bienenhäuser unterhielten. Bienenhäuser boten den Vorteil, dass keine Bäume mehr für die Gewinnung von Honig geschädigt wurden.
Durch einen Großbrand im Sommer 1947 und den Ausbau des Flughafens kam es zu einem starken Rückgang der Bienenstände, die Imker wanderten teilweise sogar in die Eifel ab.

(Alexandra Lehmann / LVR-Umweltamt 2003)

Literatur

Lehmann, Alexandra (Bearb.) / Landschaftsverband Rheinland, Umweltamt (Hrsg.) (2003)
Relikte der historischen Kulturlandschaft in der Wahner Heide (Gutachten mit Dokumentation). Köln.

Relikte der Land- und Forstwirtschaft in der Kulturlandschaft Wahner Heide

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Koordinate WGS84
50° 52′ 23,28″ N, 7° 09′ 58,7″ O / 50.87313°, 7.1663°
Koordinate UTM
32U 370984.23 5637318.83
Koordinate Gauss/Krüger
2582137.26 5638181.69

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„Relikte der Land- und Forstwirtschaft in der Kulturlandschaft Wahner Heide”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-16154-20110908-5 (Abgerufen: 21. Oktober 2017)
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