Relikte der Besiedlung in der Kulturlandschaft Wahner Heide

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bergisch Gladbach, Köln, Lohmar, Rösrath, Sankt Augustin, Siegburg, Troisdorf
Kreis(e): Köln, Rheinisch-Bergischer Kreis, Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Grabsteine aus der untergegangenen Ortschaft Sand an der Pfarrkirche Sankt Georg in Altenrath (2011)

    Grabsteine aus der untergegangenen Ortschaft Sand an der Pfarrkirche Sankt Georg in Altenrath (2011)

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Die Wahner Heide ist einerseits einer der ältesten Lebensräume der hiesigen Gegend mit zahlreichen vor- und frühgeschichtlichen Fundplätzen; andererseits ist sie wegen ihres wenig ertragreichen Bodens seit dem frühen Mittelalter das am dünnsten besiedelte Gebiet in unserem Raum.

Es ist davon auszugehen, dass dieser Raum bereits in der Alt- und Mittelsteinzeit sporadisch aufgesucht wurde, worauf einige wenige Funde dieser Zeitstellung verweisen. Dauerhafte Ansiedlungen sind erst seit der Jüngeren Steinzeit belegt, wie Siedlungsfunde in der Altenforst-Heide und am Nordrand der Heideterrasse belegen. In der Älteren Eisenzeit wurde der Raum intensiv besiedelt und genutzt. Darauf verweisen zahlreiche Grabhügel auf den wenig ertragreichen Randzonen der Heide (wie am Altenforst, Scheuerbusch, Hohlstein bei Spich, Ravensberg, im Herfeld, entlang des Eisenweges und bei Leidenhausen). Die dazugehörigen zeitgleichen Siedlungen sind bislang nicht weiter erforscht worden, diese lagen nahe den Bächen und wasserführenden Niederungen. Herausragend ist der eisenzeitliche Ringwall auf dem Güldenberg. Bei Grabungen wurden Reste von Befestigungsanlagen aus Wall und Graben dokumentiert. Ob es sich hierbei um eine dauerhafte Siedlungen (Höhenburg) oder eine nur temporär aufgesuchte Fliehburg handelt, ist noch nicht abschließend untersucht worden.

Diese Siedlungsstrukturen setzen sich bis in die germanischen Zeit (1. bis 5. Jahrhundert nach Christus) fort, wie Siedlungen in Altenrath, auf dem Fliegenberg, am Güldenberg, im Scheuerbusch und an der Hasbacher Höhe belegen, die durch die Nähe zu Gewässern (Sülz und Agger) gekennzeichnet sind.
Römische Funde in diesen Siedlungen zeigen die engen wirtschaftlichen Verbindungen zum Römischen Reich. Der römischen Überlieferung zufolge lebten hier in caesarischer Zeit die Sugambrer, im ersten Jahrhundert nach Christus die Usipeten und Tenkterer.
Eine dauerhafte Besiedlung erfuhr das Gebiet der heutigen Wahner Heide erst in fränkischer Zeit. Wie Perlen an der Schnur reihen sich die Gehöfte an der Terrassenkante, die durch den Mauspfad gekennzeichnet ist. Aber auch am Ostrand der Heide wurde gesiedelt: Altenrath, Hasbach, Schefferei, Rösrath sind alle fränkischen Ursprungs. Die Lage der Siedlungen am Rand der Heide gaben den Bewohnern die Möglichkeit Holz, Streu, Torf und Eicheln zu entnehmen. Durch die dauerhafte Nutzung des Gebietes als Almendeland, das heißt gemeinschaftlich genutztes Land, wandelte sich allmählich das ehemalige Waldgebiet in eine offene Heidefläche.

Einen schwunghaften Aufschwung nahmen die Siedlungen erst im Zuge der Industrialisierung und nach dem Zweiten Weltkrieg. Kleine Weiler wurden aufgegeben oder verschwanden durch den Flughafenbau. So sind die Orte Sand und Kremersheide bei Altenrath, Förstchen bei Schefferei und der Hof Boxhohn heute verschwunden, wenngleich teilweise noch Reste dieser Orte im Gelände erkennbar sind.

(Alexandra Lehmann / LVR-Umweltamt 2003)

Literatur

Lehmann, Alexandra (Bearb.) / Landschaftsverband Rheinland, Umweltamt (Hrsg.) (2003)
Relikte der historischen Kulturlandschaft in der Wahner Heide (Gutachten mit Dokumentation). Köln.

Relikte der Besiedlung in der Kulturlandschaft Wahner Heide

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn -5300
Koordinate WGS84
50° 52′ 23,28″ N, 7° 09′ 58,7″ O / 50.87313°, 7.1663°
Koordinate UTM
32U 370984.23 5637318.83
Koordinate Gauss/Krüger
2582137.26 5638181.69

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„Relikte der Besiedlung in der Kulturlandschaft Wahner Heide”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-16152-20110908-3 (Abgerufen: 11. Dezember 2017)
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